RTL-Daytime 2020 © RTL
DWDL.de-TV-Kritik

Neue RTL-Daytime: Trödel, Talk und Topfgeldjäger auf Dope

 

Oliver Geissen, Marco Schreyl und Steffen Henssler sollen den RTL-Nachmittag ab sofort auf Vordermann bringen. Doch wie gelungen sind die neuen Daytime-Shows? DWDL.de hat sich die Premieren-Ausgaben angesehen. Die Triple-TV-Kritik...

von Alexander Krei
10.02.2020 - 17:30 Uhr

Scripted Realitys, Dokusoaps und Dailys haben ausgedient, stattdessen setzt RTL in seinem Nachmittagsprogramm ab sofort auf Studio-Shows mit bekannten Namen. Für den dringend nötigen frischen Wind sollen jetzt Oliver Geissen, Marco Schreyl und Steffen Henssler sorgen. Wer sich deren drei neue Formate ansieht, dürfte sich jedoch verwundert die Augen reiben, denn so recht zusammenpassen wollen diese zumindest auf den ersten Blick nicht. Rateshow, Talkshow, Kochshow – ein perfekter Audience Flow sieht anders aus. Doch wie gut sind die Neustarts wirklich? 

"Kitsch oder Kasse?"

15:00 Uhr, produziert von Banijay Productions Germany 

Mit "Kitsch oder Kasse?" holt RTL das internationale Format "Trash or Treasure?" aus dem Banijay-Katalog nach Deutschland, in der Hoffnung, damit an den soliden Erfolg der "Superhändler" anknüpfen zu können. Das Konzept ist simpel: Ein Kandidatenpaar muss den Wert von zehn Exponaten einschätzen und bekommt den Gegenwert jenes Gegenstands, der am Ende übrig bleibt, ausgezahlt. 

Kitsch oder Kasse?© TVNOW / Wischmeyer/Friese
In der Premieren-Ausgabe stehen unter anderem ein alter 50-Milliarden-Mark-Schein, eine Schneekugel und Sarah Connors legendäres "Wetten, dass..?"-Kleid zur Auswahl – sowie eine Fotokamera von Connors Ex, dem Popmusiker Marc Terenzi, der es sich nicht nehmen lässt, höchstpersönlich im Studio zu erscheinen. Dazu moderiert Oliver Geissen gewohnt locker-flockig, während "Superhändler" Antoine Richard ein paar Fakten beisteuert. Warum er anfangs mit Sonnenbrille auftritt, wird glücklicherweise per Einblendung erklärt: "Seine Brille gehört zum Outfit." Aha.

Bis die Show in die Gänge kommt, dauert es ein wenig. Geschlagene neun Minuten vergehen, ehe die beiden Kandidaten das erste Objekt rauswählen. Stellenweise fühlt man sich an "Deal or no Deal" erinnert, wo man ja auch nicht weiß, welcher Geldbetrag sich im Koffer befindet. Anders als bei der Zocker-Show zögert RTL die Auflösung jedoch zusätzlich in die Länge: Eine halbe Ewigkeit dauert es, ehe die Grafik anzeigt, wie viel Kohle der Plunder wirklich wert ist. 

Kurios: Oft sieht man den Jubel oder die Enttäuschung der Kandidaten, noch bevor die Zuschauer die Grafik mit dem Gegenwert zu eingeblendet bekommen. Das wirkt nicht rund und könnte etwa durch einen Splitscreen besser gelöst werden. Immerhin: Das Mitraten funktioniert vor dem Fernseher ganz gut. Und doch will echte Spannung bis zum Schluss nicht aufkommen, weil es an Fallhöhe mangelt. Diese ist nämlich nur dann gegeben, wenn am Ende ein sehr wertvoller und ein billiger Gegenstand übrig bleiben. Da kann dann auch das Kleid von Sarah Connor nicht helfen.

"Marco Schreyl"

16:00 Uhr, produziert von Filmpool 

Zwölf Jahre ist es her, dass sich RTL zuletzt an einem Dailytalk versuchte. Natascha Zuraw war es, die das tot geglaubte Format damals vier Wochen lang wiederbeleben durfte, ehe es wieder in der Schublade verschwand. Nun soll also Marco Schreyl einen neuen Anlauf unternehmen. Und der gibt sich alle Mühe, sich möglichst weit vom Schmuddel-Image mancher 90er-Talks mit Schwangerschaftstests und Lügendetektor freizustrampeln.

Marco Schreyl© TVNOW / Stefan Gregorowius
Tatsächlich ist die Premiere-Ausgabe erstaunlich ernsthaft geraten. "Pflegenotstand: Ein Problem, keine Lösung?" lautet das Thema der ersten Sendung. Ohne nennenswerte Begrüßung geht es gleich zur Sache: Schreyl spricht mit einer 36-jährigen Frau, deren Tochter an einem Gendefekt leidet und rund um die Uhr intensiv betreut werden muss. Weil es an Fachkräften mangelt, die sie bei der Pflege unterstützen, ist die Mutter verzweifelt. Ehrlich interessiert und einfühlsam führt der Moderator das Gespräch. Fast könnte man meinen, Jürgen Fliege sei wieder da.

Danach ist die große Runde an der Reihe, darunter RTL-Journalist Jenke von Wilmsdorff, der für eine Reportage einst selbst den Pflegenotstand zum Thema machte, sowie Experten und weitere Betroffene, die aus erster Hand von ihren Erfahrungen erzählen. Am Ende gelingt es Schreyl, ein Gespräch zu führen, an dem gleich neun Gäste beteiligt sind – keine einfache Aufgabe, aber eine, die er gut meistert. Nach einer Stunde bleibt der Eindruck, dass es ihm wirklich um die Sache ging. Ernsthafter mutete das RTL-Nachmittagsprogramm lange nicht an. Dadurch wirkt "Marco Schreyl" jedoch zugleich wie ein Fremdkörper in der runderneuerten Daytime, was das Unterfangen, die Show zum Erfolg zu führen, nicht leichter machen dürfte.

Ungewöhnlich auch die kurze musikalische Untermalung, die beim ersten Gespräch zum Einsatz und den Zuschauern wohl signalisieren soll, dass es jetzt emotional wird. In diesem Moment wirkt die Show ein Stück weit wie betreutes Fernsehen. Von den drei Neustarts ist "Marco Schreyl" aber sicherlich die größte Wundertüte. Am Dienstag soll es in der Sendung um "Mütter Ü50", Fridays for Future und Handystalking gehen.

"Hensslers Countdown – Kochen am Limit"

17:00 Uhr, produziert von MoveMe

Nach zwei erfolglosen Soap-Versuchen schmeißt RTL ab sofort um 17:00 Uhr den Herd an. Drei Hobbyköche bekommen 25 Minuten Zeit, um ein bestimmtes Gericht zu kochen, müssen dabei aber mit den Gemeinheiten von Moderator Steffen Henssler zurechtkommen. Der hat zum Auftakt die Spaghetti und das Hackfleisch für die vorgegebene Bolognese eingefroren und zu allem Überfluss auch noch das Wasser abgestellt. Zu allem Überfluss muss auch noch ein Parmesankörbchen kredenzt werden.

Hensslers Countdown - Kochen am Limit© TVNOW / Markus Hertrich
Dazwischen werden drei Quizfragen gestellt, die es den Kandidaten erlauben, ihr mögliches Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro noch weiter zu erhöhen. Und wenn einer der Gegner zu stark zu werden droht, besteht die Möglichkeit, gegen Geld die "Freeze"-Taste zu betätigen und ihn im wahrsten Sinne des Wortes für mehrere Minuten kalt zu stellen. 

Das alles birgt lustige Momente, reicht aber sicher nicht aus, um mit "Hensslers Countdown" einen Innovationspreis gewinnen zu können. Vielmehr wirkt die neue Kochshow wie die "Topfgeldjäger" auf Dope. Und weil schon 25 Minuten fürs Kochen draufgehen, muss Zwei-Sterne-Juror Christian Lohse in der halbstündigen Sendung am Ende regelrecht stopfen, um alle drei Gerichte zu probieren. "Zu süß", "zu salzig", "darüber brauchen wir uns gar nicht zu unterhalten" – tiefgründiger wird Lohses Essens-Analyse nicht.

Somit kommt "Hensslers Countdown" humorvoll, aber über weite Strecken hinweg schlicht etwas zu hektisch daher. Die Show ist also in erster Linie Fernsehen für Fast-Food-Fans und weniger für Feinschmecker. 

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Ist Sesselsportler, von Bundesliga bis Darts-WM.

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