Sat.1 sucht seit dem vergangenen Freitag Deutschlands neuen Tanzstar. Da stellte sich zunächst die Frage: Wer ist eigentlich der amtierende? Bei Sängern, klar, da fallen einem gleich ein paar ein. Auch Top-Models kann man rasch mit leuchtenden Augen aufzählen. Doch auf dem Parkett erlangten in der breiten Masse in den vergangenen Monaten eher Politikerinnen und B- bis C-Prominente traurige Berühmtheit. Und wo ist eigentlich die Wertschöpfungskette bei Tänzern? Gesteppte Klingeltöne?
So gibt es zwei Möglichkeiten ein derart ambitioniertes Casting-Show-Unterfangen wie „You can dance“, in dem sich jeder, der irgendwie tanzen kann bewirbt, anzugehen. Entweder kocht man die übliche Casting-Show-Soße noch mal auf, oder man bemüht sich um eine Portion Ernsthaftigkeit und versucht den Tanz als solchen einem sicherlich weitgehend fachfremden Publikum nahe zu bringen.
Sat.1 entschied sich für die zweite Variante und fährt gut damit. In der ersten Folge bekommt der Zuschauer die Castings aus Berlin in einem Zusammenschnitt zu sehen. Da werden die stärksten Bewerber vorgestellt, ihre Performance für die Jury wird gezeigt, das Urteil der Jury und die Reaktion der Bewerber hierauf. That’s it. Gut, im Vorfeld darf auch schon mal eine zupfkuchenbackende Mutter in die Kamera sprechen, dass sie der festen Überzeugung ist, ihre Tochter schaffe das. Aber sonst: Nicht mehr als muss.
Äußerst angenehm fällt auf, dass die Sendung ihre Bewerber niemals der Lächerlichkeit preisgibt. Zu sehen bekommt man meist nur Performances der Bewerber, die auch wirklich sehenswert sind. Und zwar wegen tänzerischer Aspekte und nicht, weil sich die hoffnungsvollen jungen Menschen in bizarrer Art und Weise vor der Kamera selbst demütigen. Gut, einer ist vielleicht dabei. – „King Porno“ nennt er sich. Aber der hat es auch drauf angelegt und ist schnell wieder verschwunden. Auch auf eine krawallige Jurybesetzung wird verzichtet. Da sucht man vergebens nach einem Promi, bei dem man hängen bleibt. Fast schon zu fachbezogen ist das Panel für einen am Tanz eher uninteressierten Zuschauer besetzt. Aber auch das erspart Sender, Zuschauer und – ach ja – den Kandidaten peinliche Momente.



