© Banijay / Mateusz Tondel
Interview mit Banijay Germany-CEO Marcus Wolter

"Brainpool hat eine ganz besondere DNA und Strahlkraft"

 

Seit August verantwortet Marcus Wolter, ehemals EndemolShine Germany, das Deutschland-Geschäft von Banijay. Dazu gehört neben der jungen Banijay Productions auch Brainpool. Ein Gespräch über den Status Quo und die Ambitionen im deutschen Markt.

von Thomas Lückerath , Cannes
17.10.2018 - 08:18 Uhr

Herr Wolter, ganz aktuelle Frage zum Einstieg. Banijay produziert „Survivor“ für Vox. Das Format ist schon zweimal in Deutschland gescheitert. Was ist diesmal anders?

Mit „Kitchen Impossible“ ist dem Team um Arno Schneppenheim mit Vox vor nicht allzu langer Zeit eine neue Erzählweise im Kochshow-Genre gelungen. Mit „Big Bounce Battle“ für RTL eine außergewöhnliche Physical-Gameshow. Nun haben dieselben Macher die Chance, ein besonderes Reality-Format zu kreieren. Ein Erfolg beim Publikum entsteht nicht allein durch eine Marke, sondern durch die Handschrift, die Definition einer besonderen Haltung zu einem Format. Vox ist dafür ein toller Partner, der bereit ist, internationale Formate mit mutiger und eigener Handschrift zu adaptieren. Aber natürlich müssen wir liefern, ein Verkauf ist eine Chance aber noch kein Erfolg.


 
Gut, reden wir allgemeiner. Mit was will und kann Banijay eigentlich den deutschen Markt bereichern? Oder anders gesagt: Wozu braucht es Banijay?
 
Wir wollen die kreative und unternehmerische Heimat für die besten Produzenten sein. Nicht mehr und nicht weniger. Unser Ziel ist, die Banijay Gruppe zum führenden, unabhängigen Produzenten in Deutschland aufzubauen.
 
Genau das wollte Endemol Shine Germany doch auch. Worin lag für Sie der persönliche Reiz an der neuen Aufgabe? Liegt es daran, dass Sie an Banijay Germany auch als Gesellschafter beteiligt sind?

Es gibt einige Komponenten, die zu meiner Entscheidung beigetragen haben. Der unternehmerische Aspekt ist sicher ein Teil davon, sowie der starke und permanent wachsende Banijay-Katalog. Was mich aber wirklich reizt, ist die sportliche Herausforderung, gemeinsam eine neue Entertainment-Marke mit den exzellenten Möglichkeiten unserer Gruppe  im deutschen Markt strategisch, unternehmerisch und kreativ aufzubauen. Ganz entscheidend für mich war dabei unsere Beteiligung an Brainpool. Diese Firma hat TV-Geschichte geschrieben und sich immer durch eine ganz besondere DNA und Strahlkraft abgehoben vom Mainstream. Das zusammen ist eine einzigartige Chance.
 
Können Sie uns ein Update zum Status Quo des Banijay Germany-Geschäfts geben?

Banijay Productions hat einen vielversprechenden Start hingelegt. Es herrscht Aufbruchsstimmung. An der Aachener Straße in Köln wächst eine ganz besondere Company zusammen. „Temptation Island“ für TV Now, „Fort Boyard“ für Sat.1, „Bauerfeind - die Show zur Frau“ für den ARD/One oder „Survivor“ für Vox sind Beispiele für die Genrevielfalt unserer ersten Produktionen. Arno hat ein großartiges Team mit inzwischen über 40 Mitarbeitern aufgebaut. Brainpool produziert an diesem Wochenende „Alle gegen einen“ mit Elton und Bastian Bielendorfer für ProSieben und gerade haben wir mit „Catch“ eine neue Sat.1-Show mit Luke Mockridge angekündigt. Ein schönes Beispiel übrigens: Entwickelt von Luke, produziert von der Lucky Pics unter dem Dach von Brainpool und in Cannes als internationales Format vermarktet von Banijay.
 
Eine Bitte der Einordnung: Sowohl Banijay als auch Brainpool sind im Entertainment aktiv. Bleiben beide Marken bestehen und wie unterscheiden sich die Positionierungen der beiden Firmen?
 
Beide Marken sind und bleiben eigenständig. Brainpool steht wie keine andere Firma in Deutschland für Aufbau und Partnerschaft mit Künstlern, Comedy und erstklassige, besondere Shows. Banijay Productions setzt mit Arno an der Spitze auf Formate aus dem Banijay Kosmos und wird darüber hinaus seinen eigenen, inhaltlichen USP aufbauen.
 
Stichwort Brainpool. Wie günstig ist es für ein Unternehmen der Kreativwirtschaft, wenn es ein monatelanges Führungsvakuum gibt und somit nicht klar ist, wer eigentlich den Ton angibt?
 
Die Vergangenheit steht nicht auf meiner Agenda. Peter Langenberg ist seit einigen Wochen Geschäftsführer bei Brainpool. Und der Name ist ja Programm: Es gibt nicht nur ein „Brain“ an der Spitze, sondern mehrere Geschäftsführer und Führungskräfte, die für Kontinuität sorgen. Diese besondere Firma und ihre Mitarbeiter haben es verdient, dass nicht mehr über Gesellschafterbefindlichkeiten, da schließe ich Banijay mit ein, sondern wieder über Entertainment gesprochen wird. Und das ist der Fall.
 
Elegant umschifft. Trotzdem die Nachfrage: Peter Langenberg ist nur übergangsweise Geschäftsführer. Bis wann erhoffen Sie sich, die Führungsfrage final zu klären?
 
Wie schon erwähnt, hat Brainpool ja nicht nur einen Geschäftsführer, sondern neben Peter mit Andreas Viek, Tobi Baumann und Godehard Wolpers auch drei Produzenten in der Geschäftsführung, die unser vollstes Vertrauen genießen. Natürlich werden die Gesellschafter zeitnah einen deutschsprachigen Geschäftsführer präsentieren, da Peters Rolle immer interimistisch geplant war.
 
Wer das wohl werden wird. Gut, belassen wir es dabei. Brainpool und Banijay Productions sind vornehmlich non-fiktional unterwegs. Kann man die Nr.1 in Deutschland werden, ohne das fiktionale Geschäft zu bedienen?
 
Brainpool Pictures bedient bereits das Fiction Geschäft im Comedy Genre. Die Zusammenarbeit mit Amazon bei der achten Staffel „Pastewka“ war überaus erfolgreich und im Frühjahr 2019 kommt die 9. Staffel. Aber natürlich wollen wir auch im Fiction Bereich wachsen.
 
Letzte Frage: Nach Ihrem Abschied hat EndemolShine Germany zuerst Joko & Klaas mit Florida TV verloren, dann hat Meta Productions die „Akte“ verloren. Sind Sie zum richtigen Zeitpunkt von Bord gegangen?
 
(überlegt) EndemolShine Germany ist gut aufgestellt und verfügt über ein tolles Team. In weitere Details bin ich seit meinem Ausstieg vor fast einem Jahr nicht involviert und kümmere mich lieber mit aller Energie um die Gestaltung der Zukunft von Banijay Germany.
 
Herr Wolter, herzlichen Dank für das Gespräch.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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