Dass das non-fiktionale Format-Geschäft in den letzten Jahren rückläufig war, ist natürlich keine neue Erkenntnis – Virginia Mouseler von The Wit hat sie auf ihrer traditionellen „Fresh TV“-Präsentation auf der MIPCOM aber mit durchaus beeindruckenden Zahlen untermauert. „-62 Prozent“ prangte unter der Überschrift „The Great Depression“ auf der Leinwand im Grand Auditorium. So stark liegt die Zahl der Formate, die The Wit in der Saison 2024/25 neu in seine Datenbank aufgenommen hat, unter jener aus dem Fernsehjahr 2013/14. In absoluten Zahlen: 32 statt 84.
Das Bild ändert sich allerdings, wenn man die Entwicklung in größeren Zeiträumen betrachtet. Denn 2013/14 bildete den absoluten Peak, geht man bis 2001 zurück, dann war die Zahl noch einstellig. Das rückt die Verhältnisse also auch ein Stück weit wieder zurecht. Und auch ein paar andere Zahlen sind erfreulicher: Mehr Formate werden in neue Staffeln geschickt (+15 Prozent im Vergleich zu 2018/19). Und wenn sich mal ein international erfolgreiches Format auftut, dann findet das schneller als früher weitere Abnehmer. Von „Hit-Formaten“ spricht The Wit bereits ab der dritten internationalen Adaption. Um bis dahin zu kommen, dauerte es 2015 zwei Jahre, inzwischen nur noch eines.
Es ist ein schrumpfender und zugleich schneller gewordener Markt, der von einem gewachsenen Format-Riesen dominiert wird. 18,1 Prozent aller non-scripted Format-Adaptionen wurden in den letzten zwölf Monaten von Banijay Rights verkauft, damit war der Anteil mehr als doppelt so hoch wie bei der Nummer 2: Fremantle liegt bei 8,0 Prozent. Banijay hat inzwischen aber bekanntlich All3Media übernommen – und das ist die bisherige Nummer 3. Zählt man Banijay und All3Media zusammen, dann lag der Marktanteil bei den Formatverkäufen in den letzten zwölf Monaten laut The Wit bei satten 25,8 Prozent und damit bei mehr als dem Dreifachen der Nummer 2. ITV Studios folgt dahinter mit 6,4 Prozent vor BBC Studios mit 5,4 Prozent.
Auch nach Ländern hat The Wit den Formatmarkt wieder ausgewertet - und da führt Großbritannien das Ranking der größten Exporteure mit 22 Prozent aller neuen Format-Adaptionen mit deutlichem Vorsprung vor den USA (15,5 Prozent) an. Während die beiden Länder traditionell die Top-Positionen belegen, ist der Kampf um Platz 3 spannender - dort findet sich die Niederlande (13,3 Prozent) mit deutlichem Vorsprung vor Frankreich (8,4 Prozent) wieder. Aus Deutschland kam nur in 3,1 Prozent der Fälle die Vorlage für eine Adaption.
Dass in diesem Artikel vor allem diese Statistiken so ausführlich beschrieben werden, deutet allerdings schon auf ein anderes Problem hin: Das, worum es in der Fresh TV-Präsentation eigentlich geht - nämlich ein Blick auf die neuen Formatentwicklungen rund um die Welt - war insgesamt eher ernüchternd. Hörte man sich danach unter den Besucherinnen und Besuchern um, dann konnte kaum jemand ein Format nennen, das zumindest durch den ersten Trailer - die allzu oft nur noch generisch KI-generiert wurden - wirklich überzeugt hätten.
Fiktiver Krieg und die Suche nach der Most-Awkward Dating-Show
Eines der leiseren Formate mit Potential gehörte "Who wants to start?" von Keshet aus Israel. Fünf Promis, die ein gemeinsame Erfahrung in ihrem Leben teilen, von dem sie gegenseitig nichts wissen, treffen darin zu einem Gespräch aufeinander. Die Diskussion wird durch fünf Umschläge mit "Conversation Starters" gelenkt. Gleich in beiden Präsentationen von The Wit und Glance war "The Wargame" Thema, das von NBCUniversal Formats vertrieben wird. In dem Format ließ Sky kürzlich ehemalige Spitzenpolitiker und Militär- sowie Geheimdienstexperten einen fiktiven russischen Angriff auf Großbritannien durchspielen. Haken an der Sache: Die Kritiken fielen in UK zwar überwiegend positiv aus, gelobt wurde die beklemmende Spannung des Formats, nach bislang vorliegenden Zahlen war allerdings die Resonanz zumindest was die lineare Nutzung anbelangt ziemlich überschaubar.
Ansonsten war wieder faszinierend zu beobachten, wie verzweifelt man versucht, dem breitgetretenen Dating-Genre noch einen neuen Spin zu verpassen. In "Love under Construction" (Talpa Studios/Niederlande) trifft nun Renovierungs-Show auf Datingformat, in "Up for Love" (All Right Media/Niederlande) wird das Dating in einen Aufzug verlegt. In "Silent Attraction" (BBC Studios/Schweden) will man die Erkenntnis, dass junge Frauen politisch eher nach links neigen, junge Männer zunehmend nach rechts, damit überbrücken, dass diese einfach während des Datings erstmal gar nicht mehr reden dürfen. Und besonders nerdig wird es bei "Date Knight" (Banijay/Dänemark), das nicht zuletzt wegen des Wortspiels erfunden worden sein dürfte: Singles verkleiden sich darin als Ritter, Elfen, Hexen und Krieger und daten in diesen Rollen.

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