David Ellison © Paramount
Paramount will im Kampf um die Übernahme von Warner Bros. Discovery weiterhin nicht klein beigeben, auch wenn bislang offenbar nur ein geringer Prozentsatz der Aktionäre das feindliche Übernahmeangebot von Paramount angenommen hat. Die Führung von Warner Bros. Discovery hatte mehrere Angebote von Paramount ausgeschlagen und sich schließlich für einen Deal mit Netflix entschieden. Netflix zahlt zwar weniger, übernimmt dafür aber auch nur den Studio- und Streaming-Teil, während die linearen Sender von Warner Bros. Discovery vorher ausgegliedert werden sollen.

Paramount versucht in der Kommunikation schon seit geraumer Zeit, das eigene Angebot nicht nur als finanziell überlegen und problemloser genehmigungsfähig darzustellen, sondern sich auch als die bessere Alternative für die gesamte Branche zu präsentieren - die zugehörige Website dazu lautet "Building a stronger Hollywood". Während die Kommunikation bislang eher US-zentriert war, geht Paramount nun im Kampf um die Herzen der Branche und der Filmfans nun auch international in die Offensive und hat in mehreren Ländern Offene Briefe von CEO David Ellison veröffentlicht - darunter auch einen in Deutschland.

Darin wendet er sich an "die deutsche Kreativszene, an Film- und Fernsehbegeisterte, an die gesamte Branche und an alle, denen die Zukunft des Kinos und der Kunst am Herzen liegt" und versucht sich direkt, als einer von ebendiesen zu positionieren: Er schreibe "als lebenslanger Fan von Film und Fernsehen", um "unmissverständlich über die zentrale Bedeutung des visuellen Erzählens für unsere Gesellschaft zu sprechen" und gibt eine Reihe von Versprechen ab, die allesamt allerdings nicht neu sind, sondern so ähnlich auch in den letzten Wochen schon geäußert wurden.

Konkret verspricht er, dass nach einer Übernahme Paramount Studios und Warner Bros. Studios gemeinsam je mindestens 15 Kinofilme pro Jahr produzieren würden und verweist darauf, dass man den Output bei Paramount bereits entsprechend gesteigert habe, seit Ellison mit Skydance den Konzern übernommen hat. Generell bekennt er sich zur Kino-Auswertung, wobei das exklusive Kinofenster mindestens 45 Tage sein werde, wobei das Ziel sogar bei 60 bis 90 Tagen liege, ehe die VOD-Auswertung folgen könne. Auch das Heimkinofenster werde man beibehalten - bevor ein Film ohne Aufpreis in Abos enthalten sei, werde es also wie bislang erst ein kostenpflichtiges VOD-Angebot geben.

Weiterhin verspricht Ellison, dass HBO auch nach einer Übernahme durch Paramount erhalten bleiben und unabhängig agieren solle. Und man verspricht, weiterhin sowohl die eigenen Produktionen an fremde Plattformen zu lizenzieren als auch aktiver Käufer von Inhalten externer Produzenten zu bleiben. Man werde "ein lebendiges Ökosystem von Drittanbietern unterstützen" so Ellison. Generell stellt Ellison darauf ab, dass bei einem Zuschlag für Paramount der Wettbewerb gestärkt werde, während bei einem Zuschlag für Netflix der schon dominierende Streaming-Dienst noch weiter wachsen würde.

Auch wenn andere Gerüchte die Runde machten: Auch Netflix hat in den letzten Wochen schon erklärt, weiter an einer Kino-Auswertung festzuhalten und - ähnlich wie es Paramount hier verspricht - Filme für mindestens 45 Tage exklusiv dort zu zeigen, ehe eine Streaming-Auswertung folge. Auch den Fortbestand von HBO stellte man in Aussicht. Die Marke könne sich dann künftig voll auf hochwertige Fiction konzentrieren und müsse nicht alle Genres bedienen, hieß es dazu. Wie das Zusammenspiel von Netflix und HBO genau aussehen würde, bleibt allerdings bislang offen.

Im Folgenden: Der Offene Brief im Wortlaut:

An die deutsche Kreativszene, an Film- und Fernsehbegeisterte, an die gesamte Branche und an alle, denen die Zukunft des Kinos und der Kunst am Herzen liegt:

Als Produzent und als lebenslanger Fan von Film und Fernsehen, wende ich mich mit diesem offenen Brief an Sie, um klar und unmissverständlich über die zentrale Bedeutung des visuellen Erzählens für unsere Gesellschaft zu sprechen. Film und Fernsehen überwinden Altersgrenzen, ethnische Zugehörigkeiten, politische Überzeugungen und soziale Unterschiede - sie schaffen gemeinsame Erlebnisse. Sie unterhalten und inspirieren, entführen uns in neue Welten, bewahren unsere Geschichte und erweitern unseren Horizont um dessen, was möglich ist. Diese Kunstform ist unverzichtbar und muss für kommende Generationen geschützt und bewahrt werden.

Diese Haltung prägt unser Handeln bei Paramount und sie ist der Kern unseres Interesses an Warner Bros. Discovery. Wir sehen darin die außergewöhnliche Chance, zwei traditionsreiche Unternehmen zusammenzuführen: um mehr Geschichten zu erzählen, deren Wirkung zu stärken und ein breiteres Publikum zu erreichen. Ebenso sind wir überzeugt, dass Kreative und Publika profitieren, wenn es mehr Auswahl gibt – nicht weniger. Und wenn die volle Bandbreite von Filmschaffen, Content-Produktion und Kinoauswertung gefördert wird. Keiner profitiert, wenn Marktkonzentration funktionierenden Wettbewerb aushebelt.

Ich möchte deshalb sehr klar sagen: Sollte es uns gelingen, Warner Bros. Discovery zu übernehmen, verpflichte ich mich gegenüber der Kreativszene und dem Publikum zu Folgendem:
  • Mehr kreative Produktion: Paramount Studios und Warner Bros. Studios werden jeweils mindestens 15 hochwertige Kinofilme pro Jahr produzieren - insgesamt also mindestens 30 Filme jährlich innerhalb der Gruppe. Damit liefern wir erstklassige Unterhaltung und sichern zugleich nachhaltig die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Film- und Kreativwirtschaft. Seit dem Abschluss der Paramount-Skydance-Transaktion im vergangenen August haben wir die jährliche Filmproduktion bei Paramount bereits von 8 auf 15 Filme erhöht.
  • Lizenzierung und Inhalte von Drittanbietern: Beide Studios werden weiterhin ein lebendiges Ökosystem von Drittanbietern unterstützen, indem sie ihre Filme und Serien sowohl auf eigenen als auch auf fremden Plattformen lizenzieren. Zugleich bleiben sie aktive Käufer von Inhalten externer Studios und unabhängiger Produzenten.
  • Erhalt von HBO: HBO wird auch unter unserer Eigentümerschaft unabhängig agieren und damit verstärkt die erstklassigen Inhalte produzieren können, für die der Sender weltweit steht.
  • Bekenntnis zum Kino: Jeder Film geht in die Kinoauswertung - mit einem exklusiven Kinofenster von weltweit mindestens 45 Tagen, bevor er als kostenpflichtiges Video-on-Demand-Angebot verfügbar wird. Ziel sind grundsätzlich 60 bis 90 Tage oder mehr, um für unsere erfolgreichsten Filme die größtmögliche Reichweite zu erzielen. Dabei werden wir weiterhin die jeweils geltenden zeitlichen Kinofenster-Vorgaben in allen Regionen, in denen wir tätig sind, verpflichtend einhalten.
  • Beibehaltung des Heimvideo-Fensters: Nach dem Kinostart wechselt jeder Film in das aktuell branchenübliche Heimvideo-Auswertungsfenster. Dabei bleibt das kostenpflichtige Video-on-Demand-Angebot bestehen, bevor der Film in Abonnement-Streamingdiensten verfügbar ist.
Diese Zusagen mache ich aus tiefster Überzeugung. Ich glaube an die Kraft der Leinwand und daran, dass der Zusammenschluss von Paramount und Warner Bros. Discovery die einzigartige Chance bietet, einen echten Champion für die Kreativbranche zu schaffen. Ein Unternehmen, das mehr Geschichten ermöglicht, Filmschaffende und Talente mit der nötigen Schlagkraft unterstützt und als unabhängiger Medienanbieter weltweit konkurrenzfähig ist. Zugleich – und anders als die Pläne von Netflix – würde dieser Zusammenschluss einen leistungsfähigen Gegenspieler zu den bereits dominierenden Plattformen schaffen und damit den Wettbewerb stärken.

Bei Paramount werden wir alles daransetzen, damit auch künftig außergewöhnlicher Filme entstehen und von einem möglichst breiten Publikum auf den größten Leinwänden gesehen werden können. Und dabei setzen wir auf fairen Zugang und echte Auswahl im Markt – weil wir an Wettbewerb glauben, für die Kreativszene und für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Dieses Selbstverständnis prägt unser Interesse an Warner Bros. Discovery. Und wir hoffen auf Ihre Unterstützung, während wir mit Nachdruck daran arbeiten, die Zukunft des visuellen Erzählens zu sichern.

Mit freundlichen Grüßen
David Ellison
Chairman und CEO
Paramount, a Skydance Corporation