Auch wenn es die Verantwortlichen im Sinne der Show am Ende noch einmal spannend machen wollten - die unumstrittene Siegerin des Eurovision Song Contests in Wien kommt in diesem Jahr aus Bulgarien. Sängerin Dara erhielt am Samstagabend sowohl von den Jurys als auch vom TV-Publikum die meisten Stimmen und setzte sich mit ihrem Song "Bangaranga" deutlich an die Spitze. Mit insgesamt 516 Punkten landete Dara vor dem israelischen Sänger Noam Bettan. Auf dem dritten Platz landete Alexandra Căpitănescu aus Rumänien.

Aus deutscher Sicht endete der Abend einmal mehr mit einer Enttäuschung: Zwar gab es zwölf Punkte für Sarah Engels und ihren Song "Fire" - allerdings insgesamt. Die Punkte kamen dabei ausschließlich von einer Handvoll internationalen Jurys, vom Publikum erhielt Deutschland trotz einer fehlerfreien Leistung überhaupt keine Punkte. Unterm Strich belegte Engels damit den 23. Platz, schlechter schnitten nur Gastgeber Österreich und Großbritannien ab. 

Im obligatorischen ARD-Interview gab sich Sarah Engels im Anschluss an die Show dennoch betont zufrieden. "Ich hatte Spaß, ich hätte es am liebsten nochmal gemacht", sagte sie und erklärte, sie und ihr Team hätten "nichts anders machen können heute Abend". Sie selbst bleibe positiv. In einem vom SWR verbreiteten Statement betonte Engels wenig später: "Es war eine unglaubliche und unvergessliche Erfahrung, die nun fest im Buch meiner Lebenserinnerungen festgeschrieben ist und von der ich später sicherlich meinen Enkelkindern erzählen werde."

Sarah Engels © Sarah Louise Bennett / EBU Sarah Engels mit ihrem Song "Fire" im Finale des Eurovision Song Contests in Wien.

In diesem Jahr hatte die Verantwortung für den Eurovision Song Contest innerhalb der ARD nach fast 30 Jahren vom NDR zum SWR gewechselt, wo man nun aber vor ähnlichen Herausforderungen steht. Schon in der jüngeren Vergangenheit hatten deutsche Acts mehrfach auf die hinteren Plätze belegt. 2024 schaffte es Isaak aber immerhin auf Platz 12, ehe das Duo Abor & Tynna ein Jahr später - auch unter Mithilfe von Stefan Raab - Rang 15 schaffte. Das erste SWR-Jahr ist so gesehen also mit dem drittletzten Platz für Sarah Engels also als Rückschritt zu sehen.

Clemens Bratzler © SWR/Patricia Neligan Clemens Bratzler
"Für den SWR war es Freude und Verantwortung zugleich, den ESC erstmals federführend mitzugestalten - das haben wir mit vollem Einsatz getan", sagte SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler noch in der Nacht. "Sarah Engels hat mit großer Leidenschaft, hoher Professionalität und enormer Bühnenpräsenz einen überzeugenden Auftritt hingelegt. Wir wollten beweisen, dass Deutschland eine Performance auf hohem Niveau an den Start bringt. Trotzdem sind wir natürlich enttäuscht über die Platzierung, auch wenn für uns diese eine Zahl nicht im Fokus stand. Viel wichtiger: Sarah ist eine großartige Botschafterin für Deutschland und die Werte des ESC. Und auch unser Team aus unterschiedlichen Bereichen des SWR und der ARD hat großartig gearbeitet und sich hier bestens präsentiert. Mein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten - eine tolle Gemeinschaftsleistung."

Unabhängig vom deutschen Abschneiden bot der Eurovision Song Contest, der im Vorfeld von Protesten an der Teilnahme Israels begleitet wurde, gleichwohl gute Unterhaltung - auch dank eines sehr abwechslungsreichen Starterfelds. Weniger denkwürdig fielen hingegen die Moderationen von Victoria Swarovski und Michael Ostrowski aus - sie drückten der größten Musikshow der Welt, die in diesem Jahr zum 70. Mal ausgetragen wurde, weit weniger ihren Stempel auf als etwa Hazel Brugger, Sandra Studer und Michelle Hunziker im Vorjahr, als der ESC in Basel über die Bühne gegangen war.

2027 dürfte der Eurovision Song Contest wohl in Sofia stattfinden - ein Novum in der langen Geschichte des Events, von dem sich das Land vor drei Jahren vorübergehend zurückgezogen hatte. Nun also das umso erfolgreichere Comeback. Siegerin Dara zeigte sich von ihrem Gewinn gleichwohl überrascht. "Ich weiß gar nicht, was gerade abgeht", sagte sie in der ARD. Gerechnet habe sie damit nicht, ihr Mann habe jedoch "gerade eine Wette gewonnen".

Das Ergebnis des Eurovision Song Contests 2026

  1. Bulgarien (516)
  2. Israel (343)
  3. Rumänien (296)
  4. Australien (287)
  5. Italien (281)
  6. Finnland (279)
  7. Dänemark (243)
  8. Moldau (226)
  9. Ukraine (221)
  10. Griechenland (220)
  11. Frankreich (158)
  12. Polen (150)
  13. Albanien (145)
  14. Norwegen (134)
  15. Kroatien (124)
  16. Tschechien (113)
  17. Serbien (90)
  18. Malta (89)
  19. Zypern (75)
  20. Schweden (51)
  21. Belgien (36)
  22. Litauen (22)
  23. Deutschland (12)
  24. Österreich (6)
  25. Großbritannien (1)