Mit dem Stern-Preis - wie der einstige Henri-Nannen-Preis seit 2022 nach neuen Erkenntnissen über dessen NS-Vergangenheit heißt - wurden am Dienstagabend wieder herausragende journalistische Arbeiten in fünf Kategorien geehrt. Die beste Dokumentation kam diesmal von Katrin Wegner, die in "Akutstation Psychiatrie" in der ARD einen "einen bemerkenswerten Einblick in die Lebenswelt psychiatrischer Patienten" lieferte, so die Jury. Sie absolvierte dafür ein Praktikum in einer psychiatrischen Klinik und verbrachte danach dort noch weitere sechs Wochen dort. "Sie taucht ab in Beobachtungen und lange Gespräche, allein, ohne Kamerateam. Die Gefilmten kannten Wegners Projekt von Anfang an, sie haben die Aufnahmen anschließend freigegeben. So entsteht in gegenseitigem Einvernehmen eine Nahaufnahme von seltener Eindringlichkeit", heißt es in der Begründung weiter.
Auch als beste investigative Leistung wurde eine Doku für die ARD ausgezeichnet: Nicole Rosenbach erhielt den Stern-Preis für "Der Kinderpsychiater - Die Macht des Dr. Winterhoff". Rosenbach widmete sich dabei dem umstrittenen Winterhoff, dessen Thesen zur kindlichen Entwicklung zwar in weiten Teilen der Fachwelt kritisiert werden, der aber dennoch großen Einfluss im Jugendhilfesystem hat. "Sie hat dabei nicht nur das Phänomen Winterhoff und der Wirkung seiner Thesen beschrieben, sondern akribisch aufgearbeitet, welche Methoden zur Anwendung kamen. Sie bringt damit Licht in ein sonst verschlossenes System, dem vor allem Kinder im System der psychiatrischen Jugendhilfe ausgesetzt sind", so die Jury.
In der Kategorie Lokal ging der Preis an Erik Westermann für "Im Bann des Opfers. Anatomie eines Justizirrtums" ("Braunschweiger Zeitung / Recherchekooperation mit dem "Spiegel"). Darin geht es um ein Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs, die sich im Verlauf aber als Hirngespinste herausstellen, das Verfahren als Justizirrtum. Die Jury schreibt: "Erik Westermann wandelt sich im Laufe des Verfahrens vom Gerichtsberichterstatter zum Investigativreporter. Akribisch legt er dar, wie die Beweislage in neuem Licht erscheint, wer die Wahrheit wissen will und wer die Augen davor verschließt. Und er reflektiert seine eigene Rolle. Ein verdienstvolles Stück Lokaljournalismus."
Die beste Fotogeschichte gab's aus Sicht der Jury ebenso in der "Zeit" wie die beste geschriebene Reportage. In der Kategorie Foto wurde Emile Ducke für "Die Schatten des Sieges" ausgezeichnet. Ducke reiste dafür quer durch Syrien. "Ihm ist es gelungen, in diesem vom Bürgerkrieg zerstörten Staat den Raum zwischen Hoffnung und Angst, zwischen Freude und Brutalität einzufangen. Nach über 50 Jahren Assad-Herrschaft steht Syrien am Scheideweg. In Duckes Bildern erhaschen wir eine Ahnung von den Herausforderungen. Und von der neuen Freiheit der Menschen."
Der Egon-Erwin-Kisch-Preis für die beste geschriebene Reportage wurde schließlich an Philipp Daum für "Du bist wie ein Vater für mich. Nicht so ein Arsch wie mein letzter." verliehen. Daum erzählt aus einem Ferienlager mit Kindern, deren Eltern im Gefängnis sitzen. Die Jury schreibt: "Der Autor hat nach einer kurzen Schulung neun Tage lang als Betreuer im Camp gelebt und mitgearbeitet. Die Jugendlichen wissen, dass er seine Erlebnisse und ihre Geschichten mitschreibt. Er erwirbt ihr Vertrauen und wahrt dennoch Distanz. So gelingt ihm ein einfühlsamer Blick auf die Jugendlichen, ihre Sehnsüchte und Sorgen und ihre Gedanken zu den besonderen Verhältnissen, aus denen sie stammen."
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