Der bekannte Investigativ- und Gerichtsreporter Alican Uludağ berichtet seit Jahren über Justiz, Menschenrechte und Korruption in der Türkei und hat sich damit offensichtlich Feinde gemacht. Am 19. Februar war er festgenommen worden und verbrachte 92 Tage in Untersuchungshaft, erst am 21. Mai kam er wieder auf freien Fuß. Nur zwei Monate später wurde er nun erneut verhaftet, wie die DW berichtet. 

Während das Verfahren aus seiner vorherigen Inhaftierung noch immer anhängig ist, wird nun mit neuen Vorwürfen in einem weiteren Verfahren gegen ihn ermittelt. Beim ersten Verfahren war er wegen angeblicher Präsidentenbeleidigung, der Verbreitung irreführender Informationen und der Herabwürdigung staatlicher Institutionen angeklagt worden, ein Gerichtstermin ist hier für den 18. September anberaumt. Die neuen Vorwürfen sind bislang nicht im Detail bekannt.

DW-Intendantin Barbara Massing sagt: "Die erneute Festnahme unseres Kollegen Alican Uludağ ist zutiefst besorgniserregend. Journalistische Arbeit darf nicht kriminalisiert werden. Alican recherchiert und berichtet seit vielen Jahren unabhängig und im öffentlichen Interesse über Justiz, Politik und Gesellschaft in der Türkei. Wir erwarten, dass seine Rechte uneingeschränkt gewahrt werden, und fordern auch hier ein rechtsstaatliches und faires Verfahren. Die Deutsche Welle steht weiterhin fest an seiner Seite."

Man stehe in Kontakt mit Uludağs anwaltlicher Vertretung, heißt es seitens der Deutschen Welle. Gegen seine Inhaftierung im Februar hatten zahlreiche nationale und internationale Organisationen protestiert, die Bundesregierung forderte seine Freilassung. Im Juli war Uludağ von der Türkischen Journalistenvereinigung TGC mit dem Pressefreiheitspreis 2026 ausgezeichnet worden.