Viel wurde in den letzten Tagen bereits über die Ausladung von Danger Dan und Igor Levit aus der Jubiläumsausgabe der "Anstalt" diskutiert, die von der ZDF-Führung inzwischen mehrfach verteidigt wurde. Lediglich bei der Kurzfristigkeit habe man sich etwas vorzuwerfen, hieß es unter anderem von ZDF-Intendant Norbert Himmler. Auch gegenüber dem ZDF-Fernsehrat hatte Himmler die Entscheidung bereits dargelegt. In der nächsten Sitzung des ZDF-Aufsichtsgremiums, die allerdings erst am 25. September ansteht, wird er sich dann wohl erneut erklären müssen.

Acht Mitglieder des Gremiums haben in einem bei netzpolitik.org veröffentlichten Schreiben an den ZDF-Intendanten jedenfalls bereits ihre "Besorgnis und auch Ärger" über das Vorgehen geäußert und die Absage als Fehler bezeichnet. Angesichts des erstarkenden Rechtsextremismus habe das ZDF nun die Gelegenheit verpasst, eine Debatte über Rechtsextremismus in Deutschland und die vielfältigen Möglichkeiten seiner Bekämpfung anzustoßen. Der Song von Danger Dan sei von der Kunst- und Meinungsfreiheit gedeckt.

"Die darüber hinausgehende Frage, ob ein – die Programmrichtlinien verletzender – Aufruf zur Gewalt vorliegt, kann sich nicht aus der isolierten Betrachtung einzelner Liedzeilen, sondern nur im Kontext der gesamten Sendung beantworten lassen. Die dafür relevante kritische Einordnung des Liedtexts, auch mit den Künstlern, wäre Aufgabe der Redaktion der 'Anstalt' gewesen. Diese Möglichkeit wurde ihr ohne Not genommen. Nicht zuletzt weil der Text laut der öffentlichen Berichterstattung dem Justitiariat bereits Wochen vor dem geplanten Auftritt bekannt war, hätte die Geschäftsleitung bereits deutlich früher an die 'Anstalt' herantreten und sich von einer ausreichenden inhaltlichen Auseinandersetzung überzeugen können."

Die Absage des Auftritts zeuge daher, "nicht nur von fehlendem Mut, sondern auch von fehlendem Vertrauen in die Redaktion der Sendung, sich angemessen mit dem Lied auseinanderzusetzen." Dies könne auch abschreckende Auswirkungen auf andere Formate haben. Unterschrieben ist der Brief von acht von insgesamt 60 Fernsehrats-Mitgliedern, im Einzelnen Cornelia Berger (ver.di), Maike Finnern (DGB), Dilan Deniz Kılıç (Vertreterin des Bereichs Muslime), Lisa Paus (Vertreterin des Bundes), Angela Spizig (Vertreterin aus dem Bereich Medienwirtschaft und Film), Gabriela Terhorst (BUND), Erik Tuchtfeld (Vertreter des Bereichs Internet) und Jörn Voß (Vertreter des Bereichs Bürgerliches Engagement).

Rückendeckung für den ZDF-Intendanten gab es hingegen von der Fernsehrats-Vorsitzenden Gerda Hasselfeldt. Sie halte die Entscheidung "persönlich für richtig und konsequent, denn das Lied kann als Aufruf zur Gewalt vertanden werden", so Hasselfeldt. "Der offene Brief von acht Mitgliedern des Fernsehrates spiegelt meiner Einschätzung nach nicht die Mehrheitsmeinung des Gremiums wider. Gleichwohl nehme ich die in dem Schreiben geäußerten Bedenken ernst. Diese werden im zuständigen Ausschuss des Fernsehrates sowie in der anstehenden Plenumssitzung erörtert. Hier können die aufgeworfenen Fragen eingehend behandelt und diskutiert werden."