Das US-Justizministerium hatte den Deal schon durchgewunken und auch die EU-Kommission gab zuletzt unter Auflagen grünes Licht, nun wird sich die geplante WBD-Übernahme durch Paramount Skydance aber verzögern. Der US-Konzern von CEO David Ellison hat zugestimmt, die Übernahme vorerst nicht zu vollziehen, bis über eine Klage von mehreren US-Bundesstaaten entschieden wurde - spätestens zum 1. Juni 2027 sollen die Pläne jedoch weiter vorangetrieben werden. Entscheidend ist der Termin, der früher eintritt. Ob über die Klage der Bundesstaaten bis Juni des kommenden Jahres entschieden ist, ist aktuell unklar. 

Die Aktien sowohl von Paramount Skydance als auch von WBD gaben nach Bekanntwerden der Verzögerung nach. Die wohl mehrmonatige Verzögerung des Deals ist der nächste Plot-Twist in der angestrebten WBD-Übernahme: Zwölf US-Bundesstaaten unter der Führung von Kalifornien gingen gegen die geplante Übernahme vor, sie fürchten eine Verzerrung des Wettbewerbs bei Filmen, dadurch könnten auch Kinos unter Druck geraten. Schon zuletzt entschied eine Richterin, dass die Übernahme vorerst nicht vollzogen werden dürfe - die Frist ging allerdings nur bis Mitte August (DWDL.de berichtete). 

Die nun von Paramount Skydance getroffenen Zugeständnisse gehen weit darüber hinaus - und könnten dem US-Konzern viel Geld kosten. Wenn die Übernahme nicht bis zum 30. September dieses Jahres abgeschlossen ist, greift die sogenannte "Ticking Fee" in Höhe von 7 Millionen US-Dollar pro Tag. Diese Summe muss Paramount Skydance an die WBD-Aktionäre zahlen. Das hatte man in der Übernahmeschlacht zugesichert, als man noch Netflix ausstechen musste. Der Streamer hatte sich bekanntlich für das Streaming- und Studiogeschäft von WBD interessiert.

Die täglichen Strafzahlungen bot Paramount unter anderem auch deshalb an, weil man sich sicher war, die angestrebte Übernahme schnell über die Bühne zu bringen. Nun zeigt sich, was damals schon wahrscheinlich erschien: Ganz so einfach ist es nicht. Nach den neuesten Entwicklungen ist es sehr wahrscheinlich, dass Paramount zum Teil Strafzahlungen wird leisten müssen. 

Hohe Strafzahlungen drohen

Sollte der Deal noch komplett scheitern, müsste Paramount Skydance sogar rund 7 Milliarden US-Dollar zahlen. Bei Paramount bemüht man sich angesichts der Situation, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Ein Konzernsprecher sprach sogar von einem "bedeutenden Erfolg", denn man habe das erreicht, was man habe erreichen wollen: ein schnelles Gerichtsverfahren. "Dies ist der schnellste und eindeutigste Weg, um zu beweisen, dass diese Transaktion gut für den Wettbewerb, gut für die Verbraucher und gut für die Urheber ist – eine Schlussfolgerung, zu der bereits Dutzende von Wettbewerbsbehörden weltweit gelangt sind". Man freue sich darauf, die eigenen Argumente vor Gericht darzulegen. 

Angesichts der im Raum stehenden Summen sind die Ticking Fee und - im schlimmsten Fall - die Gebühr für den Abbruch des Deals ohnehin nur relativ kleinere Summen. Paramount Skydance will für die vollständige Übernahme von WBD rund 111 Milliarden US-Dollar auf den Tisch legen. Damit stach man auch Netflix aus, das sich mit dem WBD-Management zuvor eigentlich schon auf eine Übernahme von Studio- und Streaminggeschäft geeinigt hatte. 

"Rechtswidrige Fusion"

Dass sich jetzt so viele US-Bundesstaaten gegen die Übernahme stellen, obwohl von der US-Regierung kein Widerstand zu erkennen ist, zeigt schon, wie groß die politische Komponente rund um die Transaktion ist. Durch den Kauf von Warner Bros. Discovery käme Paramount, das unter der Kontrolle der Ellison-Familie steht, auch in den Besitz von CNN. Die Ellisons gelten als Trump-nah, der US-Präsident macht keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen CNN und seiner Hoffnung, dass der Sender in andere Hände gelangt. Alle zwölf klagenden US-Bundesstaaten sind von den Demokraten regiert.

Die Bundesstaaten unter der Führung von Kalifornien haben mit ihren Klagen bereits jetzt einen wichtigen Erfolg errungen. Ob sie die Übernahme tatsächlich noch verhindern können, wird sich zeigen. Für den Moment zeigt sich der kalifornische Generalstaatsanwalt Rob Bonta aber zufrieden. Die jetzt getroffene Entscheidung sei "eine großartige Nachricht für das Publikum, die Kinos und die vielen Menschen, die die Kunst, Nachrichten und Unterhaltung gestalten und schaffen, an denen so viele von uns Freude haben". Man sei bestrebt, die eigenen Argumente vor Gericht weiter vorzubringen, um so die "rechtswidrige Fusion" zu verhindern.