Schon seit Langem arbeitet man bei Disney daran, seine eigenen Apps mit nutzergenerierten Inhalten anzureichern, um die Abonnentinnen und Abonnenten häufiger ins eigene Angebot zu locken und länger dort zu halten. Im letzten Jahr kündigte man in diesem Zusammenhang eine Zusammenarbeit mit OpenAI ein, jeder sollte mit der Videoplattform Sora selbst Videos mit Disney-Charakteren erstellen können, eine Auswahl davon dann auch bei Disney+ zu sehen sein. Bevor die Zusammenarbeit starten konnte, stellte OpenAI Sora aber bereits wieder ein. Heute hat man nun wieder eine Kooperation für mehr User-Generated-Content verkündet - und wieder jubelt man, sie sei die erste ihrer Art weltweit.

Diesmal geht es um einen Content-Sharing-Deal mit der Kurzvideo-Plattform TikTok. TikTok-Creator erhalten im Rahmen dieser Zusammenarbeit die Möglichkeit, auf Materialien von Hunderten Filmen und Serien aus der Disney-Welt zuzugreifen und diese in eigenen Videos zu verarbeiten. Es geht dabei um Charaktere und Geschichten aus dem gesamten Markenportfolio von Disney, also inklusive Pixar, Marvel, Star Wars, FX etc.

Diese Videos werden dann nicht nur bei TikTok zu sehen sein, sondern - sofern die Creator am entsprechenden Programm teilnehmen - eine Auswahl davon auch bei Disney+. Voerst bezieht sich das nur auf die USA, weitere Länder sollen aber folgen. Disney+ hat in den USA schon vor mehreren Monaten die "Disney+ Verts" in der Smartphone-App eingeführt, dieses Angebot würde dadurch deutlich umfangreicher. "Dies soll Abonnenten stärker in aktuelle Fan-Gespräche einbinden, Communitys stärken und sie letztlich dazu animieren, sich mit einer größeren Vielfalt an Story-Formaten auf Disney+ zu beschäftigen", heißt es in der Disney-Mitteilung.

Kaum weniger interessant dürfte für Disney allerdings sein, dass damit auch mehr Disney-Inhalte bei TikTok ausgespielt werden dürften und dort auch jene erreichen, die eben noch kein Disney+-Abo haben. Denn ob ein Kinofilm zum Publikums-Hit oder eine Streaming-Serie zum weltweiten Phänomen, hängt zu einem wachsenden Grad damit zusammen, ob ein Social Buzz darum entsteht. Disney zitiert in seiner Mitteilung aus einer - allerdings von TikTok selbst beauftragten - Studie aus dem vergangenen Jahr, in der etwa die Hälfte der befragten 18- bis 49-Jährigen angegeben hatte, dass sie einen Film oder eine Fernsehsendung geschaut haben, nachdem sie entsprechende Inhalte dazu auf TikTok gesehen hätten. 

Um TikTok-Creator zu animieren, Disney-Inhalte zu erstellen, ruft man gemeinsam mit TikTok das "Disney Creator Ambassador Program" ins Leben. Wer teilnimmt, erhalte Zugang zu nicht näher benannten Belohnungen sowie "mehr Sichtbarkeit", zudem stellt man Einladungen zu exklusiven Veranstaltungen sowie Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung in Aussicht. "Dieses mehrstufige Programm unterstreicht Disneys Engagement, gemeinsam mit TikTok Beziehungen zur nächsten Generation kreativer Talente aufzubauen."

"Diese Zusammenarbeit schlägt eine neue Brücke zwischen den Geschichten, die wir erzählen, und der Kreativität, die sie inspirieren. Sie bietet Creators eine größere Bühne, um ihre Werke zu teilen, und dem Publikum täglich neue Entdeckungen auf Disney+", kommentiert Asad Ayaz, Chief Marketing and Brand Officer bei The Walt Disney Company den TikTok-Deal. Dawn Yang, Global Head of Entertainment bei TikTok ergänzt: "Gemeinsam mit Disney bringen wir den authentischen Ausdruck der TikTok-Community auf Disney+ und laden das Publikum ein, die gemeinsame Kreativität zu erleben, die das Fandom so kraftvoll macht."

Unterdessen hat Disney seine Geschäftszahlen fürs zweite Kalenderquartal gemeldet. Die gute Nachricht: Im Streaming-Bereich konnte der Konzern seine Einnahmen deutlich um elf Prozent auf 5,53 Milliarden Dollar steigen, der operative Gewinn hat sich hier auf 712 Millionen Dollar mehr als verdoppelt. Vor allem die Abo-Einnahmen stiegen deutlich um 15 Prozent, die Werbeeinnahmen im Streaming hingegen nur um drei Prozent. Angaben zur Zahl der Abos macht Disney wie auch andere Konkurrenten nicht mehr. Im gesamten Entertainment-Segment betrug das Umsatz-Wachstum sechs Prozent, der operative Gewinn stieg um 64 Prozent auf 1,68 Milliarden. Für den Gesamtkonzern betrug das Umsatz-Wachstum 7 Prozent auf 25,2 Milliarden Dollar, der operative Gewinn wuchs um 21 Prozent auf 5,56 Milliarden Dollar.