Jugendliche mithilfe von Augmented Reality den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen des Mauerbaus virtuell begegnen können. "OstWest Zeitzeugen - Mauerjahre in AR" heißt die App, die an die bisherigen AR-Angebote "WDR AR 1933 - 1945" sowie "Zeitzeugen 1945 - Trümmerjahre in AR" anknüpft. Auch das neue Projekt wurde erneut gemeinsam mit der Hochschule Düsseldorf entwickelt.

Er sei "sehr stolz und sehr dankbar, dass wir das gemeinsam hinbekommen haben", sagte MDR-Intendant Ralf Ludwig am Dienstag bei einer digitalen Pressekonferenz zur Zusammenarbeit mit dem WDR. Auf diese Weise könne "deutsch-deutsche Geschichte als gemeinsame Geschichte" erzählt werden. "Die Erfahrungen und das Wissen der Zeitzeuginnen und -zeugen für jüngere Generationen zu erhalten und emotional erfahrbar zu machen, ist extrem wichtig. Damit beugen wir auch falschen Narrativen und Legendenbildungen zur deutschen Teilung vor."

WDR-Intendantin Katrin Vernau hofft derweil, mit der App den "Forschergeist" von Jugendlichen zu wecken. Schließlich stellten junge Menschen "andere Fragen an die Geschichte als wir älteren Semester". Zugleich zeige die App, "wie die ARD ihren Bildungsauftrag im Digitalen umsetzt: innovativ, partizipativ und nah an den Lebenswelten junger Menschen. Gleichzeitig machen wir damit auch den Schulen ein attraktives Angebot für den Geschichtsunterricht".

In kurzen Augmented-Reality-Erlebnissen berichten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, wie die Teilung Berlins 1961 zum Wendepunkt ihres Lebens wurde. Zu ihnen gehört etwa Elke Rosin, die einst kurzentschlossen nach West-Berlin flüchtete. Die Nutzerinnen und Nutzer können ihnen direkt Fragen stellen. Nach Auffassung der zuständigen WDR-Redakteurin Lena Brochhagen ist das "mehr als nur ein Gimmick".

Die erste App-Version soll zum 65. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer eine "Rampe zum interaktiven Dialog zwischen Jung und Alt, zwischen Ost und West" bilden, wie WDR und MDR mitteilen. Von Beginn an waren Schülerinnen und Schüler von Partnerschulen in Köln, Bergheim, Neuss, Halle und Leipzig an der Konzeption beteiligt.

Abgeschlossen ist die App zum Start allerdings noch nicht. Die Macherinnen und Macher hoffen auf eine rege Beteiligung von Schülerinnen und Schülern. Die Erzählungen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen münden in einen Aufruf, dem Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland noch bis Anfang Oktober folgen können. Sie haben die Möglichkeit, eigene Fragen an die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu richten. Deren Antworten sollen schließlich Teil eines App-Updates werden. Geplant ist, bis 2029 schrittweise weitere Kapitel zu veröffentlichen. Dadurch soll sichergestellt werden, "dass neue
Impulse aus dem Dialogprozess zwischen Ost und West in die wachsende App einfließen können".