Der Rundfunkrat des HR hat den Intendanten Florian Hager am Freitag für eine zweite Amtszeit gewählt, eine Überraschung blieb damit aus. Hagers Wahl galt als sicher, trat er doch als einziger Kandidat bei der Wahl vor dem Gremium an. Zuvor wurde ausschließlich der amtierende Intendant von der Wahlkommission für den Posten vorgeschlagen, Nachnominierungen gab es auch danach keine mehr. Von 30 anwesenden Mitgliedern des Rundfunkrats stimmten am Ende 29 für Hager. 

Im Anschluss an die Wahl wurde noch die Dauer für Hagers zweite Amtszeit festgelegt, möglich wären hier fünf bis neun Jahre gewesen. Der Rundfunkrat entschied sich, auch das war keine Überraschung, für fünf Jahre. Florian Hager wäre ohnehin noch bis Ende Februar 2027 im Amt gewesen, seine zweite Amtszeit startet nun also am 1. März des kommenden Jahres und reicht bis ins Jahr 2032. 

Als Hager im Anschluss an die erfolgte Wahl zurück in den Saal kam, den er davor zunächst verlassen musste, wollte die Rundfunkratsvorsitzende Miriam Dangel schnell in der Tagesordnung weiter machen, doch eine Frage aus dem Plenum bremste sie aus. So stand die Frage im Raum, ob der neue/alte Intendant seine Wahl nicht auch annehmen müsste. Nachdem der das auch formell tat, war die Wahl beendet - der Rundfunkrat brauchte für das ganze Procedere weniger als eine Stunde. 

Florian Hager stellte sich zuvor noch einmal den Mitgliedern des Rundfunkrats vor und erklärte, was er in den vergangenen knapp fünf Jahren erreicht habe und wohin er mit dem Unternehmen perspektivisch will. So erklärte er unter anderem, dass er das Ziel eines "generationengerechten HR" verfolge. Er wolle den eingeschlagenen Weg fortsetzen - "mit ganz viel Herz für Hessen". Dabei unterstrich Hager auch noch einmal, wie so ziemlich alle ARD-Intendanten in der jüngeren Vergangenheit, wie wichtig der direkte Kontakt vor Ort zu den Menschen sei. 

Als Hager über das Selbstverständnis des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sprach, sagte er, man habe den Luxus, Dinge nicht unbedingt tun zu müssen. Und weiter: "Das tun wir viel zu wenig". Auch einen kleinen Seitenhieb in Richtung ProSiebenSat.1 konnte er sich nicht verkneifen. Hager sagte, die Sendergruppe aus Unterföhring müsse Programme produzieren, damit die Werbung drum herum verkauft werde. 

Mit ProSiebenSat.1 hatte Hager in den letzten rund zwei Jahren eine ganz spezielle Beziehung - allerdings vor allem in seiner Rolle als ARD-Vorsitzender. Als ProSiebenSat.1 die Mediatheken von ARD und ZDF Anfang 2025 ungefragt bei Joyn integrierte, war es vor allem Hager, der mit scharfer Kritik dagegen vorging. Der HR-Intendant und ARD-Vorsitzende sprach nicht nur von einem "Anschlag auf das komplette System", sondern auch von einem "Akt des Raubrittertums". Wenig später stellte ProSiebenSat.1 seinen sogenannten "Beta-Test" ein. Mittlerweile hat sich die Sendergruppe mit dem ZDF auf ein Embedding der Inhalte bei Joyn geeinigt - eine Lösung mit der ARD steht dagegen noch aus. 

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hat über seinen Landesverband Hessen Florian Hager in einer ersten Stellungnahme zur Wiederwahl gratuliert - gleichzeitig mahnt der Verband für die Zukunft ein "offenes und transparentes Wahlverfahren" an. Knud Zilian, 1. Vorsitzender des DJV Hessen erklärt: "Dass die Wahlkommission des Rundfunkrats den amtierenden Intendanten als einzigen Kandidaten vorschlägt, entspricht aus Sicht des DJV Hessen nicht dem Anspruch an ein transparentes und offenes Besetzungsverfahren." Zudem verweist der Landesverband auf die Tatsache, dass in der Geschichte des HR noch nie eine Frau für die Leitung des Senders gewählt wurde.

Die Vorsitzende des Rundfunkrats, Miriam Dangel, sagte nach der Wahl: "Im Namen des Rundfunkrats gratuliere ich Florian Hager herzlich zur Wiederwahl. Mit einem klaren und überzeugenden Votum haben wir ihm erneut unser Vertrauen ausgesprochen. Florian Hager hat im Hessischen Rundfunk mit einem klaren Zielbild und einer konsequenten strategischen Positionierung des hr in der ARD grundlegende Veränderungen angestoßen. Mit der Wiederwahl verbindet der Rundfunkrat die Erwartung, dass die notwendigen Reformprozesse und die strukturellen Veränderungen hin zu einem modernen Medienhaus die Relevanz des Hessischen Rundfunks als unverzichtbare öffentlich-rechtliche Stimme in Hessen stärken. Angesichts der wirtschaftlichen, journalistischen, gesellschaftlichen und medienpolitischen Herausforderungen und Zukunftsthemen rund um Digitalisierung und Künstliche Intelligenz braucht es Kontinuität und klare, besonnene Führung."

HR-Intendant Florian Hager erklärt: "Ich danke dem Rundfunkrat sehr herzlich für das Vertrauen, das er mir mit der heutigen Wiederwahl entgegengebracht hat. [...] In den vergangenen Jahren haben wir wichtige Grundlagen gelegt, um den Hessischen Rundfunk zu einem modernen, digitalen und nah an den Menschen in Hessen orientierten Medienhaus zu machen. Diesen Kurs werden wir fortsetzen – mit journalistischer Verlässlichkeit, mit Mut zu Veränderung und mit einem klaren Blick nach vorn. Die kommenden Jahre bringen große Herausforderungen mit sich: wirtschaftlich, technologisch und gesellschaftlich. Der digitale Wandel, die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenz und ein sich veränderndes Mediennutzungsverhalten verlangen von uns Innovationskraft und eine klare publizistische Haltung. Mein Ziel ist es, den Hessischen Rundfunk als starke, unabhängige und vertrauenswürdige öffentlich-rechtliche Stimme für Hessen weiter zu stärken. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit dem Rundfunkrat, unseren Gremien und allen Beschäftigten des Hessischen Rundfunks."

Hinweis: Wir haben den Text um 17:37 Uhr um die Statements von Miriam Dangel und Florian Hager ergänzt.