Vor dem Deutschlandstart des Streamers titelte DWDL einst: „Das Preis-Dilemma: Sky sitzt in der Netflix-Fall“. Gerade als PayTV in Deutschland nach Jahrzehnten profitabel geworden war, kam Netflix als Vorreiter der globalen Streamingdienste mit Kampfpreisen auch in den deutschen Markt.  Werbefreiheit war damals ein Grund-Versprechen, auch beim Basis-Tarif für 7,99 Euro. Das Standard-Abo mit HD und zwei Streams kostete 9,99 Euro, das Premium-Abo mit 4K und vier Streams nochmal zwei Euro mehr.

Zwölf Jahre später hat sich viel geändert: Das Content-Angebot von Netflix ist größer und breiter geworden. Gründe, auf die der Streamer verweist, wenn er nach zweieinhalb Jahren erneut die monatlichen Abo-Preise erhöht. Das Premium-Abo schlägt künftig mit 21,99 Euro statt bislang 19,99 Euro zu Buche. Das Standard-Abo mit Full HD kostet künftig 15,99 Euro statt bisher 13,99 Euro. 

Auch der werbefinanzierte Einstiegstarif wird um zwei Euro teurer: Aus 4,99 Euro werden 6,99 Euro, gut 40 Prozent mehr im Monat. Das werbefreie Basis-Abo, das bislang für Bestandskunden noch fortgeführt wurde, wird jedoch beendet. Sie müssen in einen der verbliebenen Tarife wechseln, also künftig werbefinanziert weniger zahlen oder für Werbefreiheit in einen der teureren Tarife wechseln. 

Im Zuge der Anpassungen werden auch die Preise für zusätzliche Nutzer pro Abo um monatlich einen Euro erhöht. In Österreich, wo das werbefinanzierte Einstiegs-Abo erst im kommenden Jahr eingeführt werden soll, steigt der Basis-Preis von 8,99 Euro auf 10,99 Euro. In den USA ist das Premium-Abo preislich inzwischen bei 26,99 Dollar angekommen. 

Angesichts von zunehmenden Investitionen in Sportrechte, bei Netflix aber auch anderen Streamern wie Prime Video, Paramount und HBO Max, ist in den kommenden Jahren für mehrere Streamingdienste eine spannende Grundsatzfrage zu klären: Kann es weiterhin ein Abo für alles geben? Bislang definieren sich schließlich Preisunterschiede bei fast allen Streamern bislang über technische Features wie Bildqualität oder eben Werbefinanzierung bzw. Werbefreiheit.

Doch mit Mehrausgaben für kostspielige Sportrechte sehen sich Streamer wie einst das PayTV vor der Frage: Wie lange zahlen etwa Serienfans freiwillig noch für Sport-Inhalte mit? Wann überwiegt das Gefühl, man zahle für zu viel Content, den man gar nicht haben will? Beim deutschen HBO Max gibt es jetzt schon eine Sport-Option. Das Streaming ist nicht mehr weit davon entfernt nicht nur so teuer zu werden wie PayTV es einst war - sondern in seinen Angeboten auch fast genauso komplex.