Frau Sedlaczek, ich nehme mal an, wie praktisch alle Kinder mit Fernseher zuhause haben auch Sie die Sendung mit der Maus in den Achtzigern gesehen.
Esther Sedlaczek: Ja klar.
Mit der kleinen Hürde, dass Sie damals noch in der DDR gelebt haben.
Nicht ganz. Ich bin mit vier in den Westen gezogen und habe in meiner Erinnerung frühestens da die „Sendung mit der Maus“ gesehen, denn bei mir wurde schon sehr auf ein gesundes Medienkonsumverhalten geachtet. Wo ich die Maus allerdings sehen konnte, war im Wochenendhäuschen meines Opas. Wenn ich ihn in Brandenburg besucht habe, durften meine Cousine und ich – wie üblich bei Großeltern – mehr als zuhause. Fernsehen zum Beispiel.
Ist da womöglich bereits ein früher Wunsch entstanden, irgendwann selbst mal Fernsehen zu machen?
Überhaupt nicht (lacht). Dafür sind meine familiären Hintergründe, eigene Stärken und Zufall verantwortlich. Eigentlich wollte ich nach dem Abitur Sport studieren, das ging in Berlin aber nicht und mit 18 meine Heimat zu verlassen, kam nicht in Frage. Als ich dann so einen dicken Wälzer aller Studiengänge der beiden Berliner Universitäten in der Hand hatte, war ich so überfordert, dass ich an einer privaten Hochschule Mode studiert habe.
Aber nicht zu Ende.
Nein, das war überhaupt nicht mein Ding. Fußball dagegen hat mich immer begeistert. Schon als Kind hab‘ ich zu meiner Mutter gesagt, irgendwann mal da unten am Spielfeldrand stehen zu wollen. Ich habe mich dann 2010 zwar neben meiner Vollzeitstelle im Fitnessstudio für ein Politikstudium an der Fernuniversität Hagen angemeldet. Aber als ich ein Jahr später das Casting als Sportmoderatorin bei Sky gewonnen hatte, führte kein Weg mehr am Sport vorbei. Ich weiß noch ganz genau, in welchen Berliner Briefkasten ich mein Bewerbungstape geworfen habe (lacht). Bis dahin war dieser Wunsch als Kind einer alleinerziehenden Mutter total surreal. Aber ich habe schon immer Chancen ergriffen, wenn sie sich mir geboten haben.
Seitdem ging es mit Ihrer Karriere als Sportreporterin nur noch steil aufwärts. Warum haben Sie vor vier Jahren dann erstmals andere Themen für sich entdeckt. „Quizduell“ zum Beispiel oder eben die Maus-Show?
Weil das offenbar andere an mir entdeckt haben. Die ARD hat jedenfalls gute Erfahrungen damit gemacht, wenn ihre Sportmoderatorinnen und -moderatoren andere Genres ausprobieren.
Zuletzt Jessy Wellmer, die mittlerweile sogar „Tagesthemen“ moderiert.
Oder Alex Bommes. Es ist völlig normal, dass ein Sender da seine Fühler ausstreckt. Ich habe klar gesagt, dass ich erstmal im ARD-Sport ankommen möchte. Andere Sendungen hatte ich da noch nicht auf der Agenda, aber ich bin immer dazu bereit, meinen Horizont zu erweitern. Allerdings unter der Prämisse, dass es mir Spaß macht und Sport immer meine Nr. 1 bleibt. Beides ist bei der Maus gegeben. Und es tut auch ganz gut, mal was völlig anderes zu machen.
Wobei man das Gefühl hat, Ihre Fieldinterviews beider Formate ähneln sich manchmal leicht. Was empfinden Sie als schwieriger: mit impulsiven Kindern zu sprechen oder mit impulsiven Fußballern?
Das ist komplex. Dieser Moment ist egal, ob im Studio oder im Stadion, für alle emotional und kostet Überwindung. Sich nach 90 Minuten Fußball im verschwitzten Trikot den Fragen der Reporter zu stellen, kann herausfordernd sein. Für Kinder, die weder Bühnen- noch Kamera-Erfahrung haben, ist es trotz Vorbereitung auf diesen Studiomoment vor 200 Leuten noch schwieriger.
Aber sind Fußballprofis und Kinder dank Medientraining oder Social Media im Umgang mit Kameras nicht viel abgebrühter als früher?
Fußballprofis sicherlich, da der Umgang mit Medien normaler geworden ist. Man weiß, was wenige Worte in der heutigen Zeit für ein mediales Echo auslösen können. Bei der Maus-Show merkt man es vielleicht bei älteren Kindern ein wenig, bei Jüngeren noch nicht. Meine eigene Tochter ist sieben und weit davon entfernt, ein eigenes Handy zu haben.
Wann hatten Sie denn Ihr erstes Handy?
Mit 16. Finde ich heute total gesund. Von daher sind die Kinder glaube ich nur teilweise medienerfahren und falls doch, eher als Empfänger, nicht als Sender. Die schauen sich zwar viel an und sicher auch einiges ab, aber auf der Bühne ist das noch mal was völlig anderes.
Aber ein Thomas Müller ist so souverän, weil er halt Thomas Müller ist.
Genau. Bei anderen ist auch mein Feingefühl gefordert, ihnen Sicherheit zu geben. Bei der Maus passiert das aber natürlich nicht während der Show, sondern bereits beim Kennenlernen am Tag zuvor.
"Irgendwann kann man sich gern auch mal zufriedengeben mit dem, was man hat."
Gehen Sie an Ihren Job anders ran, seit sie selbst mehrfache Mutter sind?
„Die große Maus-Show“ mache ich ja erst, seit ich Mutter bin. Natürlich erhöht es das Verständnis für Kinder, wenn man selbst welche hat.
Wie lange dauert eigentlich die Aufzeichnung der dreistündigen Show?
Unterschiedlich. Wir hatten schon kurze Aufzeichnungen von vier Stunden, es kann aber auch mal länger dauern – plus Vor- und Nachbereitung. Die Differenz hat da vor allem mit Umfang und Aufwand der Kulissen zu tun, in die wirklich viel Liebe gesteckt wird.
Was ist anstrengender, aufregender, spannender: fünf Stunden Maus-Show oder fünf Stunden WM-Studio?
Schwer zu vergleichen, aber während man bei der Maus-Aufzeichnung praktisch die gesamte Zeit voll fokussiert ist, gibt es im WM-Studio auch mal Ruhephasen, in denen die Kamera nicht läuft. Wenn man einfach nur das Spiel schaut, zum Beispiel. Aber ich mag beides.
Wo würde Sie die ARD nach Quiz und Show denn noch gern einsetzen – „Tagesthemen“ irgendwann?
Das weiß ich nicht, aber bei Abwechslung geht es mir persönlich darum, was ich mir zutraue, wo meine Stärken liegen und vor allem: meine Kapazitäten. Ich probiere mich gerne aus, aber bin auch dreifache Mutter. Irgendwann kann man sich gern auch mal zufriedengeben mit dem, was man hat. Ich bin überglücklich mit den Möglichkeiten, die man mir gibt. Mein Leben ist sowohl privat als auch beruflich ausgefüllt.
Frau Sedlaczek, vielen Dank für das Gespräch.
"Die große Maus-Show", Samstag um 20:15 Uhr im Ersten
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