Der Bayerische Rundfunk (BR) muss sich auf die Suche nach einem neuen Programmdirektor Kultur machen. Wie der Sender gegenüber DWDL.de bestätigt hat, wird Intendantin Katja Wildermuth den amtierenden Direktor Björn Wilhelm nicht noch einmal dem Rundfunkrat für den Posten vorschlagen. Zuerst hatte die Nachrichtenagentur dpa darüber berichtet. Hintergrund ist der große Widerstand, der Wilhelm schon im Juli aus dem Rundfunkrat entgegenschlagen war. 

Damals verpasste der amtierende BR-Kulturdirektor vor dem Gremium überraschend die notwendige Mehrheit. Schon das war ein Paukenschlag, kommt ein solcher Vorgang in den öffentlich-rechtlichen Aufsichtsgremium doch nur ganz selten vor. Wilhelm führt seit 2022 eine der beiden Programmdirektionen des BR und ist als Programmdirektor Kultur neben der Kultur unter anderem auch für die Bereiche Wissen und Bildung, Unterhaltung und Heimat sowie das fiktionale Angebot des Senders verantwortlich. Wildermuth wollte seinen Vertrag bis 2032 verlängert wissen. 

Die BR-Intendantin kündigte nach der gescheiterten Wahl im Sommer an, bis zur nächsten Sitzung des Rundfunkrats am 8. Oktober Gespräche mit den Mitgliedern des Gremiums zu suchen. Diese haben auch tatsächlich stattgefunden, nach DWDL.de-Informationen soll sich auch Björn Wilhelm selbst mit einzelnen Mitgliedern des Rundfunkrats zusammengesetzt haben. Es hat nur nichts gebracht, nach wie vor stehen viele Rundfunkräte Wilhelm offenbar extrem kritisch gegenüber. 

BR-Intendantin Katja Wildermuth sagt jetzt: "Wir haben über den Sommer zahlreiche gute Gespräche mit Mitgliedern des Rundfunkrats geführt. Dennoch konnten wir im Ergebnis leider keine belastbare Mehrheit für eine Wiederberufung des Kulturdirektors gewinnen. Ich werde daher seine Wiederberufung in der nächsten Rundfunkratssitzung nicht erneut zur Abstimmung stellen. Das fällt mir persönlich nicht leicht. Björn Wilhelm hat die notwendigen Transformationsprozesse des BR entschieden und erfolgreich vorangetrieben und zugleich starke programmliche Akzente gesetzt. Dafür sind ihm die Geschäftsleitung und das gesamte Haus sehr dankbar. Der Bayerische Rundfunk wird den erforderlichen Weg der Reformen konsequent weiterverfolgen."

Daraus folgt nun auch, dass sich Wildermuth um einen Nachfolger Wilhelms kümmern muss. Der amtierende Kulturdirektor ist jedoch noch bis Ende Februar 2027 im Amt, danach läuft sein Vertrag aus. In den kommenden Monaten werde man das ordnungsgemäße Verfahren zur Nachbesetzung der Position einleiten, heißt es aus München. 

Unter Wilhelms Leitung wurde die digitale Transformation der Programmangebote vorangetrieben, die BR-Mediathek in die ARD-Mediathek integriert und neue Formate für jüngere Zielgruppen entwickelt. Zugleich wurden zentrale Bereiche der Direktion neu aufgestellt und die Zusammenarbeit innerhalb der ARD ausgebaut, deren Koordinator für den Bereich Fiction Wilhelm auch ist. Gleichzeitig war er verantwortlich für einige Reformen im Kulturbereich, etwa beim Kultursender Bayern 2. Wohl auch daran - und an der diesbezüglich angeblich nicht ausreichenden Einbeziehung des Aufsichtsgremiums - stießen sich einige Mitglieder des Rundfunkrats nachhaltig.