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Betrug bei Call-In-Spielen?

Medienwächter prüfen 9Live-Video

 

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Foto: ScreenshotEine Antwort auf die Frage nach der Aussage von Moderatorin Alida Lauenstein (Foto) und der tatsächlichen Auslösung des Hot Button ist das aber natürlich nicht. Immerhin räumt man bei 9Live letzte Zweifel an der Echtheit des im Internet veröffentlichten Videoclip selber aus und bestätigt indirekt, dass dies so über den Sender gegangen sei. Auf weitere Nachfragen des Medienmagazins DWDL.de folgt dann aber wiederholt - auch im telefonischen Gespräch - nur noch der gleiche, offenbar juristisch wohl formulierten Satz "Die Aussage der Moderatorin hat keine Relevanz für den technischen und inhaltlichen Verlauf der Sendung".

Die Medienwächter sind bereits aktiv. Die Gemeinsame Stelle Programm, Werbung und Medienkompetenz (GSPWM) der Landesmedienanstalten wird den Videoclip mit dem 9Live-Programmausschnitt auf DWDL.de-Anfrage prüfen, wie Sprecher Dr. Peter Widlok mitteilt. Auch die Bayerische Landeszentrale für neue Medien, zuständig für den CallIn-Sender, hält das Thema für "hochinteressant". Auf Anfrage eines Medienblogs teilte Pressesprecher Dr. Wolfgang Flieger mit: "Wir werden 9Live damit konfrontieren".
 


Schwerwiegende medienrechtliche Folgen müssen die Veranstalter solcher Gewinnspiel-Sendungen allerdings nicht fürchten. Dr. Norbert Schneider, Vorsitzender der Gemeinsamen Stelle Programm, Werbung und Medienkompetenz, brachte es im "Plusminus"-Bericht der ARD auf den Punkt: "Im Moment ist alles im Modus der Verabredung und wenn sich dann einer nicht an die Verabredung hält (...) können ihn nicht deshalb bestrafen (...) Das ist eine Sache für die Staatsanwälte."
 
Ein Fall für die Staatsanwaltschaft?

In der Tat stellt sich die Frage, ob der im Internet aufgetauchte Mitschnitt einer 9Live-Sendung am Sonntag der Beleg für Betrug bei den CallIn-Spielen und damit ein Fall für die Staatsanwälte ist. Der Sender argumentiert auf Kosten der Moderatorin. Dass Lauensteins Aussage keine Relevanz für den Spielablauf habe und das Video dementsprechend keine Aussagekraft hat, könnte theoretisch stimmen. Dennoch fragt sich dann ganz praktisch, wieso die erfahrene Call-In-Moderatorin und ehemalige Jura-Studentin Alida Lauenstein so eine unglückliche Aussage getätigt hat - wo ihr doch die Brisanz des Themas bekannt sein sollte.
 
Logo: 9LiveBei 9Live blockt man auf Anfrage des Medienmagazins DWDL.de jede Nachfrage zu der Aussage von Alida Lauenstein ab. Es darf dabei sicher verwundern, dass ein Sender, der seit Jahren recht erfolgreich umstrittene Spielmethoden rechtfertigt, keine Erklärung für die Aussage von Frau Lauenstein findet und an einer solchen auch kein Interesse zeigt.

Zweifelsohne spielt 9Live jeden Tag eine Menge Geld aus. Dies betont der Sender jedes Mal, wenn Vorwürfe gegen ihn erhoben werden. Die Argumentation dahinter: Man könne nicht seit Jahren erfolgreich sein, würde man seine Zuschauer und Mitspieler betrügen. "9Live zahlt monatlich rund eine Millionen Euro an Gewinnsumme aus und zählt 10.000 Gewinner. So viel wie kein anderer Sender", wiederholt Sendersprecherin Sylke Zeidler auch diesmal auf DWDL.de-Anfrage zum Lauenstein-Videoclip. Dabei bezweifelt niemand, dass 9Live so viele Gewinner und Gewinne vorweist wie kein anderer Sender. Aber auch der Unternehmensumsatz will gesteigert werden. Mit welchen Methoden - das ist fraglich.

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