Grafik: NBC/DWDL.deEs war ein warmer Frühlingstag im Schweizerischen Luzern. In der Lobby des Hotel Palace vertröstete die Assistentin von NBC-Programmchef Ben Silverman: Ein vereinbartes Interview verschiebe sich um eine Stunde. Herr Silverman sei noch irgendwo in den Bergen unterwegs. Seine Reise in die Schweiz zur Entgegennahme des Ehrenpreises des internationalen Fernsehfestivals Rose d'Or 2008 war für den Fernsehmanager so etwas wie Kurzurlaub vom Alltag in Los Angeles, der auch genutzt werden wollte.

Doch auch eine Stunde später machte seine Assistentin einen zerknirschten Gesichtsausdruck und verkündete den wartenden Journalisten: Herr Silverman sei jetzt zwar zurück im Hotel, aber direkt in die Sauna gegangen. Wann er zur Verfügung stehe, könne sie nicht mitteilen. Nach einer halben Stunde dann Aufregung im Hotel. NBC-Programmchef Silverman kommt nur mit dem Nötigsten bekleidet den Gang entlang zum vereinbarten Zimmer geschlendert. Mit einem "No photos, no filming" schickte er im Vorbeigehen alle Journalisten mit Kamera nach Hause, die fluchend und enttäuscht davon zogen.
 

 
Auf Nachfrage erfuhren die versetzten Kollegen: Herr Silverman wolle so schließlich nicht gefilmt werden und würde ohnehin gerne noch etwas ruhen. Deswegen könne er nicht alle vereinbarten Gespräche wahrnehmen. So sei er halt, hieß es. Die europäische Fachpresse erst warten zu lassen und dann zu versetzen - ein starkes Stück.  Soviel Arroganz lassen sich andere US-TV-Manager nicht anmerken. Spätestens da konnte man den selbst in den USA umstrittenen Ruf Silvermans nachvollziehen. Er gilt als Exzentriker. Privat wie beruflich. Bei NBC wollte er den großen Revoluzzer spielen - allerdings ohne Erfolg. Einer der schillerndsten Fernsehmacher der vergangenen Jahre war er dennoch.

Foto: Rose dOr2007 trat er seinen Job bei NBC an. Es war ein schweres Erbe für den bis dahin erfolgreichen Fernsehproduzenten von Sendungen wie "Die Tudors", "Ugly Betty" oder "The Biggest Loser". Die erfolgreichen Jahre von NBC mit "Friends" oder "The West Wing" waren vorbei und der Sender zur Nr.4 der vier großen US-Networks geworden. Die Verpflichtung von Silverman klang verlockend und logisch. Als TV-Produzent lieferte er NBC schon zuvor erfolgreiche Formate und seine radikalen Ansichten versprachen neue Denkansätze um den Sender wieder in Fahrt zu bringen.

Doch die großen Erfolge blieben aus. NBC konnte in den zwei Silverman-Jahren keinen neuen Hit platzieren und musste sich so kurz vor Saisonende 2008/09 mit einem soliden Start der neuen Krimiserie "Southland" als bestem Neustart zufrieden geben. Silverman wurden dann auch noch der Autorenstreik in der Saison 2007/08 und die Wirtschaftskrise zum Verhängnis. Als Nr.4 unter den US-Networks und ohne neuen Programm-Hit, traf die Werbekrise NBC besonders stark. Vor diesem Hintergrund wurde auch die vielleicht radikalste Programmentscheidung getroffen.