Foto: Medientage München; Grafik: DWDL.de © Medientage München/ DWDL
Medientage München

Zündstoff: Markwort will Qualitätsdebatte entfachen

 

Mit einer Mischung aus Provokation und Empörung machte Medientage-Moderator Helmut Markwort der RTL-Chefin schwere Vorwürfe über das Programm. Die verschob die Debatte...

von Jochen Voß
13.10.2010 - 15:26 Uhr

Helmut Markwort© Medientage München
Die Eröffnungsrunde der 24. Medientage München vom heutigen Mittwochvormittag könnte länger in Erinnerung bleiben. Zum einen wird nämlich spekuliert, dass der langjährige und ebenso launige Diskussionsleiter Helmut Markwort diesen Part zum letzten Mal übernommen hat. Zum anderen war doch so etwas wie ein Hauch von Bewegung und Kontroverse zu spüren auf der nach wie vor mit elf Teilnehmern und einem Moderator leicht überdimensionierten Eröffnungsrunde.

Während sich Verleger und die Öffentlich-Rechtlichen anschicken, ihr Kriegsbeil zu begraben (siehe eigener Bericht) wird der Ton in Richtung Google schärfer. Hintergrund ist die Debatte um ein neues Leistungsschutzrecht, mit dem sich vor allem die Verlage rundum gegen die technischen Möglichkeiten von eher technologiebasierten Angeboten wie Google - und neuerdings auch Facebook - absichern wollen. Die Schärfe, die der neue Kuschelkurs mit ARD und ZDF nun vermissen lässt, fand sich daher in der Auseinandersetzung zwischen Springer-Chef Matthias Döpfner und Googles Europachef Philipp Schindler wieder.

 

 

 

Mit einer Mischung aus Provokation und offenbar echter Empörung ging zudem Moderator Markwort die Chefin der Mediengruppe RTL Deutschland und zugleich des Senders RTL, Anke Schäferkordt, an. Stellte er Schäferkordt anfangs noch charmant vor als "nicht die Quotenfrau, sondern die Frau der Quote", kritisierte er später das RTL-Programm - vor allem den Nachmittag und Ober-Juror Dieter Bohlen - mit scharfen Tönen. Bohlen bringe Sprüche, die zu seinen Studentenzeiten "nur am Pissoir" zu lesen gewesen seien, "am Nachmittag brüllen sich tätowierte Proleten an" lautete der Vorwurf von Markwort. "Ihre großen Quotenerfolge haben sie mit fürchterlichen Programmen", sagte Markwort und betonte, er könne auch andere Vertreter der Privatfernsehens ansprechen. "Aber Sie sind die Meisterin", sagte er in Schäferkordts Richtung.

Die RTL-Chefin verweigerte die Qualitätsdiskussion nicht grundsätzlich, verschob sie aber auf unbestimmte Zeit. Ein geschickter Schachzug. Sie sei bereit, die Debatte zu führen, aber nicht derart zugespitzt in dieser Kürze der Zeit, sagte sie. Während Markwort der Senderchefin vorwarf, die Programme seien "gesellschaftlich schädigend" gab Schäferkordt mit Blick auf die Vertreter der Print-Branche zu bedenken: "Nur weil das Wort geschrieben steht, ist es noch nicht Qualität".

Unterstützung bekam die RTL-Chefin von Jürgen Doetz, Präsident des Privatfunker-Verbandes VPRT. So sprach er vom Spagat, den die privatwirtschaftlichen Unternehmen zu bewältigen hätten, um ihre Programme zu finanzieren. Auch Springer-Chef Döpfner argumentierte in diese Richtung. Sein Credo: "Mit Geist Geld machen auf unterschiedlichen Niveaus". So könne sich ZDF-Intendant Schächter im Gegensatz zu den Privaten entspannen. "Er bekommt seine Gebühren auch, wenn er Thomas Gottschalk bei 'Wetten dass…?' Adorno diskutieren lässt", scherzte er.

Mit seiner unnachgiebigen Generalkritik, die auch nicht davor halt machte, Schäferkordt vorzuwerfen, ihre Programme verhunzten die deutsche Sprache - eine diskussionswürdige These, die aber wenig für die Eröffnungsrunde taugte - verbaute sich Markwort leider einen konstruktiven Einstieg in die Qualitätsdebatte. Doetz bügelte den Moderator ab: "Das ist die Wahrnehmung eines 70-Jährigen eines Programms für 20- bis 30-Jährige".

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer indes sieht die Diskussion um "Supertalent" und "Familien im Brennpunkt" eher gelassen. "Sie entscheiden doch, ob Sie eine Sendung schauen oder nicht", lautete sein Rat an Markwort. Er selbst meide in Phasen der Empörung über die Politik die Lektüre der einschlägigen Presse. Für seine Zunft sagte er: "Politiker halten das für die beste Qualität, wo sie am besten wegkommen".

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