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Echt Kabel Eins

Kalkulierte Empörung über neues Kabel Eins-Format

 

Am Montagabend startete Kabel Eins eine neue Vorabend-Sendung. Die Quoten waren mies. Und wenn die Qualität der Sendung schon nicht stimmt, hofft man eben auf billige PR: Die lieferte am Montag bereits der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen.

von Thomas Lückerath
27.03.2012 - 12:17 Uhr

Genau dieser Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) kritisierte die neue Vorabendserie von Kabel Eins wegen der Beschäftigung des "Inkasso-Team Moskau", einer offenbar dubiosen Truppe von Geldeintreibern. So hat der BDIU vor dem Landgericht Köln 2008 eine Unterlassungsverfügung gegen eine Firma "ITM Inkasso-Team Moskau" Recht erwirkt. "ITM Inkasso-Team Moskau" darf demnach keine Inkassodienstleistungen ankündigen oder ausführen. Gegen die Nachfolgefirma von "ITM" hat dasselbe Gericht 2009, ebenfalls auf Klage des BDIU, Ordnungsgelder in Höhe von 67.500 Euro verhängt. Für eine TV-Show sind solche Gestalten jedoch offenbar gut genug oder besser gesagt: Gerade besonders gut geeignet.

So scheinen es sich zumindest die Produzenten und Kabel Eins gedacht zu haben. Der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen sieht seine Branche jedoch in ein falsches Licht gerückt. "Für mich wird mit diesem Format ein neuer TV-Tiefpunkt erreicht", so BDIU-Geschäftsführer Kay Uwe Berg. Er kritisiert gleichzeitig die Sendergruppe ProSiebenSat.1, zu der Kabel Eins gehört: "Während Verbrauchermagazine wie 'Akte' auf Sat.1 immer wieder zu Recht vor unseriösen Geldeintreibern warnen, gibt der Schwestersender einer Truppe eine große Bühne, die Verbrauchern suggeriert, Methoden à la 'Moskau Inkasso' seien hierzulande möglich".

Die verständliche Empörung des Bundesverbandes sorgte am Montag bereits für Presseberichte. Doch die fast schon einkalkulierte, zweifelhafte PR verhalf dem Format am Montag auch nicht zu besseren Quoten. Bei Kabel Eins sieht man sich auch nicht in der Verantwortung. Auf DWDL.de-Nachfrage teilt Sprecherin Daniela Allgayer-Koreimann am Dienstag mit: "In ,Die Geldeintreiber‘ werden echte Fälle realitätsnah nacherzählt. Die genannten Personen arbeiten im wahren Leben zwar als Geldeintreiber und als Anwalt, unsere Sendung behandelt aber kein tatsächlich existierendes Inkasso-Unternehmen. Namen der Schuldner sowie der Gläubiger sind frei erfunden. Das Team der Sendung führt keine echten Inkasso-Aufträge aus."

Mit anderen Worten: Der Sender, der noch vor kurzem mit "echt kabel eins" warb, täuscht die erzählten Geschichten nur vor. Deshalb kann also auch das Inkasso-Team Moskau ran. Und doch wirft die Sendung eine neue Frage auf: Scripted Reality widmete sich bislang meist zwischenmenschlichen Geschichten, die öffentlich keinen Eindruck einer bestimmten Branche hinterließen. Jetzt jedoch sieht sich ein ganzer Berufszweig durch unseriöse Darstellung und erfundene Geschichten falsch dargestellt - auch weil die Kennzeichnung als Scripted Reality wie üblich kaum auffällt.

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