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Wer wird denn da gleich prüde sein?

Facebook zensiert Berichterstattung über MDR-Doku

 

Bei einer nackten Brust hört für Facebook der Spaß auf. Das hat DWDL.de zu spüren bekommen, als Facebook kurzerhand einen Eintrag gelöscht - und vorschlug, die DWDL.de-Page offline zu nehmen. Wir amüsieren uns.

von Thomas Lückerath
05.11.2013 - 10:20 Uhr

Als die „Bild“-Zeitung vergangene Woche beinahe täglich in skandalisierender Art und Weise über die neue Aufklärungs-Reihe „Make Love“ des MDR berichtete, wirkte das schon reichlich prüde. Doch das ist nichts gegen die Prüderie im Silicon Valley. Die strikten Vorgaben von Apple für Apps haben schon mehrfach Schlagzeilen gemacht - und zeitweise die „Bild“-Zeitung zur Nippel-Zensur gezwungen. Doch auch Facebook versteht beim Thema Sex keinen Spaß, wie wir an diesem Dienstag selbst feststellen müssen.



Beim Versuch Facebook aufzurufen, fliegen am Dienstagmorgen alle Mitarbeiter die als Administratoren der DWDL.de-Seite auf Facebook eingetragen sind, erst einmal raus. Beim erneuten Einloggen begrüßt dann ein Warnhinweis: „Wir haben einen von deiner Seite geposteten Inhalt entfernt.“ Darunter die Erklärung: „Wir haben dies von Facebook entfernt, da es die Standards der Facebook-Gemeinschaft verletzt.“ Gemeint ist der am Montagvormittag gepostete Artikel von DWDL.de-Redakteur Alexander Krei, der sich unter der Überschrift „‚Make Love‘: Sex-Doku bringt MDR zum Höhepunkt“ den Einschaltquoten der Aufklärungs-Reihe widmet.

Facebook Hinweis
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Das allein ist schon irritierend. Dass Facebook auf Apples Spuren wandelt, überrascht generell betrachtet nicht. Aber im Artikel finden sich keine expliziten Aussagen. Vermutlich aber war eine nackte, weibliche Brust auf dem Foto zum Artikel zu viel für Facebook. Wobei binnen Sekunden unzählige Facebook-Seiten mit weitaus anzüglicheren Bildern über die Facebook-eigene Suche auffindbar sind. Von gewaltverherrlichenden und hetzenden Inhalten mal ganz zu schweigen. Aber Facebook setzt halt Prioriäten: Brüste sind schlimmer. Hinter dem Hinweis, dass das entsprechende DWDL.de-Posting von Facebook gelöscht wurde, kommt noch ein zweiter Warnhinweis - verbunden mit einer Frage, die man besser nicht leichtfertig beantworten sollte.

Facebook Hinweis
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In dem Facebook-typischen Mix aus Deutsch und Englisch heißt es dann dort: „Lies dir die Standards der Facebook-Gemeinschaft durch. To keep your account in good standing, please review our Community Standards and remove anything on DWDL.de - Oder auf Deutsch: Wir lieben Fernsehen! that violates our policies.“ Und es folgt die Frage: „Would you like to unpublish DWDL.de - Oder auf Deutsch: Wir lieben Fernsehen while you clean up your account?“ Hätte ein falscher, unversichtiger Klick dann unerfreuliche Folgen gehabt? Man kann sich da ja nie sicher sein. Aber nachdem Facebook sich ja bereits selbst um die böse Brust gekümmert hat, konnten wir die DWDL.de-Seite ja bedenkenlos online lassen.

UPDATE: DWDL.de nutzt seit einigen Monaten bei einzelnen Artikeln die Werbemöglichkeiten von Facebook - und lässt besondere Themen hervorheben. Sie werden dann häufiger angezeigt bzw. auch Facebook-Usern sichtbar, die DWDL.de bei Facebook nicht folgen. Genau das haben wir auch bei diesem Artikel getan. Wir waren gespannt und schon mal vorweg amüsiert, wie Facebook wohl reagieren würde. Die Reaktion ließ keine 15 Minuten auf sich warten.

Facebook Hinweis
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Ein farblich unterlegter Warnhinweis informiert uns plötzlich: „Dein Beitrag wurde nicht hervorgehoben, da er eine Empfehlung durch Facebook vortäuscht, was gegen unsere Richtlinien verstößt.“ Nein, also eine Empfehlung ist dieser Artikel nun wirklich nicht. Nach Facebook-Logik liegt es am verwendeten Firmenlogo. Eine sehr bequeme Argumentation: So lässt sich recht einfach unbequeme journalistische Berichterstattung verhindern.

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