Snowden Exklusiv © Screenshot Das Erste
Heute ist möglich, was gestern nicht ging

Nach Kritik: NDR veröffentlicht englisches Snowden-Interview

 

Nach einiger Irritationen über die Nicht-Veröffentlichung des englischen Originals des NDR-Interviews mit Edward Snowden kündigt der Sender am Montag gegenüber DWDL.de an: Die englische Fassung werde im Laufe des Tages ins Netz gestellt. Was der NDR sagt.

von Thomas Lückerath
27.01.2014 - 14:21 Uhr

Eigentlich war es nur eine Beobachtung, die uns kurios erschien: Der NDR führt exklusiv das weltweit erste TV-Interview mit Whistleblower Edward Snowden und stellt dann lediglich die deutsch synchronisierte Fassung des Gesprächs zur Verfügung. Das englische Original sei aufgrund fehlender Rechte nicht verfügbar, wie der Sender am Sonntag sowohl auf einer FAQ-Seite zum Interview als auch via Twitter mitteilte. Auf Nachfrage des Medienmagazins DWDL.de, wo denn die Rechte an der englischen Originalfassung liegen, teilte der NDR via Twitter mit, dass diese beim Produzenten liegen. Und da wurde es merkwürdig.



Die Produktionsfirma CineCentrum ist eine 100-prozentige Tochter der 100-prozentigen NDR-Tochter Studio Hamburg. Das warf nicht nur bei uns am Sonntagabend die Frage auf, warum die ARD behauptet, es sei "leider ein Rechte-Problem", wenn doch die eigene Tochterfirma die Rechte an dem Material hält. Entsprechende Fragen stellte das Medienmagazin DWDL.de in der vergangenen Nacht an den NDR - und erhielt am Montag um 14 Uhr eine Antwort darauf, die etwas mehr Licht ins Dunkel bringt.

"Das Interview von Hubert Seipel mit Edward Snowden hatte sich im Zuge von Recherchen und Dreharbeiten für die Dokumentation 'Abgehört und abgenickt' ergeben, die CineCentrum für den NDR produziert. Deshalb liegen die Rechte an dem Interview bei CineCentrum", teilt NDR-Sprecherin Iris Bents mit. "Die am Sonntag gezeigte 30-Minuten-Fassung zielt auf die Verbreitung einer deutschen Version – entsprechend des Auftrags des NDR. Daraus ergibt sich auch das 'Geoblocking' im Internet. Die Dokumentation wird Das Erste am 5. Mai zeigen."

Und weiter heißt es: "Auslandsrechte darf der NDR prinzipiell nicht selbst verwerten, die Vermarktung liegt deshalb bei Studio Hamburg Distribution & Marketing. Durch den Verkauf ins Ausland können Kosten für die jeweiligen Produktionen gesenkt und so die Beitragszahler entlastet werden. Die Überlassung von Sendematerial an Auslandssender durch Vertriebstöchter ist sowohl in Deutschland als auch international üblich. Über die European Broadcasting Union (EBU) hat der NDR am Sonnabend anderen EBU-Mitgliedssendern kostenfreie Ausschnitte aus dem Snowden-Interview zur Verfügung gestellt."

Einen internationalen Vertrieb des Interviews mit dem Ziel zusätzliche Einnahmen zu erzielen, hatte DWDL.de auch am Sonntagabend schon als mögliche Erklärung angeführt. Doch eine Frage bleibt weiterhin: Der NDR dürfte natürlich die englischsprachige Version eines Interviews frei ins Netz stellen. Zum Geoblocking zwingt nur die erhoffte internationale Vermarktbarkeit über die Tochter Studio Hamburg. Mit anderen Worten: Dem NDR erscheint es wichtiger, international noch Geld mit dem Interview zu verdienen zu können als mit dem journalistischen Coup international Beobachtung zu finden.

Doch trotz dieser Erklärungen seitens des NDR kündigt Sendersprecherin Iris Bents am Ende überraschend an: Der NDR werde noch am Montag auch ein englisches Transkript des gesamten Interviews sowie die 30-minütige englische Original-Fassung als Video auf der Website www.NDR.de/snowden bereitstellen. In der ARD-Mediathek ist es sogar bereits verfügbar. Am Ende ist also einen Tag später doch möglich, was am Sonntag noch aus rechtlichen Gründen nicht machbar war. Auch wenn das Geoblocking hier weiterhin eine Nutzung von außerhalb Deutschlands unterbunden wird. Um eine weltweite Wahrnehmung seiner journalistischen Leistung bringt sich der NDR damit weiterhin.

In die Röhre gucken damit weiterhin logischerweise auch ARD-Korrespondenten im Ausland, die bei Twitter entweder schon die unglückliche Situation bemängelt haben oder gestern Nacht gar Tipps gaben, wie man das von der ARD gewünschte Geoblocking umgehen kann.

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