Holzbaronin © ZDF
The Rockie Awards - wertvoll, aber sonderbar

"Holzbaronin" gewinnt kompliziertesten TV-Preis der Welt

 

Freude bei TV-Produzentin Regina Ziegler: Ihre „Holzbaronin“ wurde bei den Rockie Awards des Banff World Media Festivals ebenso geehrt wie die ZDF-Koproduktion „Die Brücke II“. Und doch stahl am Ende „Doctor Who“ die Show.

von Thomas Lückerath
11.06.2014 - 07:20 Uhr

Regina Ziegler
© Ziegler Film
Am Dienstagnachmittag deutscher Zeit jubelte das ZDF schon einmal über zwei Auszeichnungen bei den Rockie Awards, die im Rahmen des Banff World Media Festivals vergeben werden. In der Kategorie Made for TV-Movie gewann der von Ziegler Film produzierte Eventfilm „Die Holzbaronin“ mit Christine Neubauer in der Hauptrolle und die deutsch-skandinavische Krimiserie „Die Brücke II - Transit in den Tod“ räumte in der Kategorie Procedural Drama ab. Als das ZDF seiner Freude Ausdruck verlieh, war es im kanadischen Banff nicht einmal 8 Uhr morgens an dem Tag, an dem abends erst die Rockie Awards verliehen werden sollten. Wie kann das gehen, fragen Sie? Es ist dem vielleicht kompliziertesten Fernsehpreis-Konstrukt der Welt geschuldet.



Für den waren im Vorfeld des Banff World Media Festivals in 26 Kategorien 156 Produktionen nominiert. In den Kategorien History and Biography sowie Environmenal and Wildlife waren sogar je zwei deutsche Produktionen nominiert. "Breath of Freedom" (Broadview TV für den Smithsonian Channel) und "The Voice of Peace - Der Traum des Abie Nathan" (NDR) konnten sich also ebenso Hoffnungen machen wie "Atomic Africa" (a & o buero filmproduktion GmbH für den WDR) und "Killer in the Caves" (Taglicht Media für den Smithsonian Channel). Auch in der Kategorie Cross Platform Fiction waren zwei deutsche Produktionen dabei: "RLF - Das richtige Leben im falschen" (von UFA Lab für Arte) und "Unser Mütter, unsere Väter - der Motion Comic (ZDF).

Dazu kamen die Märchenverfilmung "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" (von der Bavaria für die ARD) in der Kategorie Children’s Fiction und die Kika-Serie "Dienstags ein Held sein" (produziert von Gigaherz) in der Kategorie Youth Nonfiction. Mit der Kölner „Tatort“-Folge „Franziska (Colonia Media) in der Kategorie Serial Drama und dem ZDF-Film „Die Holzbaronin“ (Ziegler Film) im Rennen um einen Rockie Award als Made for TV Movie war das Zehnerpack voll. „Die Brücke II“ wurde vom Festival offiziell Dänemark zugerechnet, aber war als ZDF-Koproduktion im Grunde auch eine deutsche Preishoffnung.

Die Macher der Krimiserie bekamen ebenso wie Regina Ziegler eine silberne Trophäe für ihren Sieg überreicht - im recht nüchternen Rahmen schon zwei Tage vor der eigentlichen Preisverleihung, weil dann noch einmal ein Auswahlprozess einsetzte. Die 26 Gewinner in den Einzelkategorien traten zusammengefasst in fünf Oberkategorien noch einmal gegeneinander an. Es ging um die Auszeichnung in den Kategorien Best in Scripted, Best in Unscripted, Best in Digital, Best in Kids and Youth und Best in Entertainment. Da traten beispielsweise bei Best in Scripted „Die Brücke II“ und „Die Holzbaronin“ gegen u.a. „Doctor Who“ oder „The Big Bang Theory“ an.

Doch um am Ende konsequent jede verbliebene Spannung für die Preis-Gala am Dienstagabend im Keim zu ersticken, wurden die Gewinner dieser Best of-Kategorien nicht etwa erst im Rahmen der feierlichen Abendveranstaltung verkündet - sondern auch schon vorab am Montag im Rahmen eines Mittagessens. Bei dieser Best of the Best-Auswahl unterlagen „Die Brücke II“ und „Die Holzbaronin“ dann der britischen Kultserie „Doctor Who“. In der Oberkategorie Best in Unscripted gewann die koreanische Produktion „Colors 4 Desires“ und als Best in Digital wurde das kanadische Web-Feature „Perfect Storms Interactive“ geehrt. In Best in Kids and Youth gewann die britische Produktion „My mad fat diary“ und Best in Entertainment im Jahr 2014 ist die britische Comedy „Inside No. 9“.

Im Rahmen dieses der Verleihung vorgelagerten Mittagessens wurden auch gleich noch sechs Sonderpreise verliehen - nicht jedoch die Ehrenpreise. Die hat man sich immerhin für den Dienstagabend aufgehoben, wenn auch natürlich eh bekannt war, wer in diesem Jahr zu den Preisträgern dieser Auszeichnungen gehört. So galt die Gala mit prominenten Laudatoren aus dem kanadischen und US-amerikanischen Fernsehen dann letztlich auch in erster Linie der ausführlichen Ehrung dieser besonderen Preisträger. Da erhielt Schauspieler und Moderator Alan Thicke, Vater von Robin Thicke, den „Canadian Award of Distinction“. TV-Produzent Ben Silverman wurde mit dem „Award of Excellence in Digital Innovation“ ausgezeichnet, während US-Schauspieler Henry Winkler den „Award of Excellence“ (ganz ohne digitale Innovationen) bekam.

Die Produktionsfirma Lionsgate wurde als „Company of Distinction“ ausgezeichnet, der Showrunner der Lionsgate-Produktion „Nurse Jackie“, Clyde Philipps, wurde als „Showrunner of the Year“ geehrt, während US-Schauspieler Nathan Lane sich mit einer extrem launigen Dankesrede für seine Auszeichnung mit dem „Sir Peter Ustinov Comedy Award“ bedankte. Aus dem Nichts tauchte plötzlich - ganz ohne Nominierung - noch ein „Programme of the Year“-Award auf, den die Macher der US-Serie „Nashville“ abholen durften. Ach und der eigentliche Wettbewerb des Festivals mit den 156 Nominierten, die sich vor Beginn des Festivals noch Hoffnungen machen konnten, wurde dann doch noch einmal auf die Spitze getrieben.

Denn nachdem aus 156 Nominierungen zunächst 26 Kategorien-Gewinner (darunter eben „Die Holzbaronin“ und „Die Brücke II“) ausgewählt wurden und daraus wiederum fünf Best Of-Sieger gekürt wurden, gab es im Rahmen der Preis-Gala am Dienstagabend noch den „Grand Prize of the Jury“, der unter jenen fünf Best Of-Siegern vergeben wurde. Doch die Produzenten des ambitionierten südkoreanischen Doku-Projekts „Colors 4 Desires“ waren nicht nach Banff gekommen, um diese Krone des Wettbewerbs entgegenzunehmen. Am Ende der knapp 90-minütigen und dabei durchaus kurzweiligen Preisverleihung gab es zahlreiche zweifelsohne verdiente Preisträger. Die Rockie Awards freuen sich inzwischen sogar über mehr Einreichungen als die International Emmy Awards. Aber das System der Rockie Awards bleibt dennoch ein großes Rätsel.

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