Deutschlands Beste! © ZDF
Letzte Trumpfkarte verspielt?

Ranking-Affäre: Politik fürchtet Vertrauensverlust

 

Die Politiker im ZDF-Fernsehrat sorgen sich nach der Ranking-Affäre um das Image des Senders. Die Glaubwürdigkeit werde bedroht, vom Verspielen der letzten Trumpfkarten ist die Rede. Claus Kleber kritisiert indes die Politik, die sich Interviews verweigert.

von Marcel Pohlig
20.07.2014 - 12:08 Uhr

Am Mittwoch trat Oliver Fuchs als Unterhaltungschef des ZDF zurück, womit die Affäre rund um das gefälschte Ranking bei "Deutschlands Beste!" nun auch die geforderten personellen Konsequenzen mit sich brachte. Fuchs selbst hatte zwar keine Kenntnis von der Manipulation, übernahm als Vorgesetzter aber die Verantwortung. Das Fehlverhalten lag indes bei der ZDF-Redaktion, die entsprechende Teamleiterin die die beiden Ausgaben von "Deutschlands Beste!" wurde ihrer Führungsfunktion enthoben und abgemahnt, wie auch eine weitere Redakteurin. Die Parteien im ZDF-Fernsehrat begrüßen die bislang getroffenen Konsequenzen, sehen aber die Gefahr des Vertrauensverlusts.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach, der Mitglied des Fernsehrats ist, urteilt im "Focus", dass man den Vorfall "sehr, sehr ernst nehmen" müsse und ist alarmiert. "Die Zuschauer verlieren so nicht nur das Vertrauen in ein Fernsehformat, sondern auch in den Sender ZDF". Angesichts des Anspruchs, gegenüber den Privaten eine besondere Seriosität und Vertrauenswürdigkeit an den Tag zu legen, dürften die Vorgänge "natürlich nicht ohne Konsequenzen bleiben". Auch Fernsehratsmiglied Angelika Niebler geht in eine ähnliche Richtung und begrüßt die bereits getroffenen personellen Konsequenzen. Aufgabe bleibe es aber, "den Vorfall umfassend aufzuklären, um solche Fälle künftig zu vermeiden".

Dass sich das ZDF nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, sieht auch Holger Zastrow von der FDP so - und bringt ganz nach Parteilinie auch die Grundsatzfrage nach der Finanzierung wieder mit. Das ZDF drohe "seine letzten Trumpfkarten zu verspielen, nämlich Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und Transparenz". "Wenn die Öffentlich-Rechtlichen immer mehr Formate kopieren, die eigentlich von Privatsendern kommen, dann ist es legitim zu fragen, wieso sich die Sender nicht auch wie Private finanzieren", führt Ausschuss-Mitglied Zastrow seine Ausführung im "Focus" fort. SPD-Frau Christine Bergmann will dagegen keine generelle Absage an Ranking-Shows im ZDF. "Methodisch sauberes Arbeiten ist die Grundlage eines Rankings auch im Showbereich", doch "ein Fehlverhalten wie in diesem schweren Fall kann, meine ich, kein generelles Aus für diese Formate bedeuten". Das ZDF hat wenig überraschend aber zumindest bereits das Aus von "Deutschlands Beste!" beschlossen.

Während sich die Politiker nun also kräftig zu Wort melden, bemängelt Claus Kleber im anderen Kontext genau das und sieht eine mangelnde Bereitschaft von Politikern, für Interviews zur Verfügung zu stehen. "Es ist viel schwerer geworden, sie überhaupt vor die Kamera zu bekommen. Angeführt von der Kanzlerin macht sich in Berlin eine Zurückhaltung breit, sich überhaupt solchen Interviews zu stellen.", meint Kleber gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Dabei würde es einer Demokratie gut anstehen, wenn die Mitglieder ihrer Regierung bei wichtigen Anlässen Rede und Antwort stehen. Gerade, wenn’s schwierig wird." Ausnahme sei Wolfgang Schäuble, der "old school" sei und in der Regel zusage, wenn es Probleme in seinem Amtsbereich gebe. Seine Aussage im Bezug auf "Deutschlands Beste!" sieht er mittlerweile selbstkritisch. "Wut ist ein schlechter Ratgeber und ein noch schlechterer Texter", so Kleber. Nachdem bekannt wurde, dass die Redaktion ihn entgegen der Tatsachen deutlich weiter vorne vor Peter Kloeppel und Jan Hofer platzierte, mit dem Tweet "Täter: I hate you!" für Aufsehen gesorgt.

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