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Hohe Kosten, wenig Werbung

Insolvenz: Börsensender DAF kämpft ums Überleben

 

Der Finanzsender DAF ist in akute finanzielle Nöte geraten und musste Insolvenz anmelden. Zwar soll der Sendebetrieb aufrecht erhalten werden, allerdings nur noch als Internet-Sender und ohne das bisherige Doku-Programm.

von Uwe Mantel
06.03.2015 - 16:35 Uhr

Wer regelmäßig den Sender DAF einschaltete, bemerkte bereits zu Beginn der Woche eine Änderung: Mit einem Mal waren die Dokus, mit denen man bislang das Abendprogramm bestritten hatte, verschwunden. Nun ist auch klar, warum: Dem Sender ist das Geld ausgegangen. Am heutigen 6. März wurde das vorläufige Insolvenzverfahren für das DAF Deutsche Anleger Fernsehen eröffnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Joachim Exner bestellt.

Zuvor hatten bereits die bisherigen Vorstände Conrad Heberling und Mick Knauf ihre Ämter niedergelegt. Stattdessen wurde der Berliner Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma zum neuen Vorstand bestellt. Unter seiner Führung soll das Unternehmen restrukturiert werden, um einen Fortbestand zu ermöglichen. Um Kosten zu sparen, wird die Verbreitung via Satellit eingestellt, stattdessen wird man sich auf die Verbreitung via Internet beschränken und zudem weiter als Produktionsfirma tätig sein. So erhält etwa N24 seine Börsenberichte vom DAF. Das eigene Programm will man weiterhin mit eigenproduzierten Börsensendungen bestreiten. Von den derzeit 39 Arbeitsstellen sollen möglichst viele erhalten werden, heißt es in einer Mitteilung.

Als Gründe für die Insolvenz nennt das Unternehmen zum Einen die hohen Fixkosten, die durch die Verbreitung via Satellit entstanden seien. Diesen Ausgaben standen zu geringe Einnahmen durch Werbung gegenüber. "Unsere TV-Werbeumsätze sind aufgrund des schwierigen Umfeldes unter den Erwartungen geblieben“, so der bisherige DAF-Vorstandsvorsitzender Dr. Conrad Heberling. Problematisch sei etwa die stärker werdende Regulierung bei Werbung für Finanzprodukte gewesen: "Zahlreiche Anbieter aus der Finanzbranche verzichteten aufgrund immer strengerer Auflagen gänzlich auf Werbung."

Den Rest gab dem Sender dann aber nach eigenem Bekunden der sogenannte "Franken-Schock". Als die Schweizer Nationalbank die Bindung den Mindestkurs für den Franken aufgab und daraufhin stark aufwertete, sei ein wichtiger Werbekunde in Schieflage geraten und musste seinerseits Insolvenz anmelden. "Aus den zuvor genannten Gründen waren wir leider nicht in der Lage, den Einnahmeausfall zu kompensieren. Ich bedauere die Entwicklung sehr, zumal das Deutsche Anleger Fernsehen mit seinem Qualitätsprogramm sowohl in der Day-, als auch in der Primetime zuletzt deutlich an Reichweite und Zuschauern zulegen konnte."

Das DAF hatte sich vor gut zwei Jahren neu positioniert und wollte mit Ergänzungen zur Finanzberichterstattung neue Zielgruppen für sich erschließen. So verwendete man seitdem den Namen Deutsches Anleger Fernsehen nicht mehr, sondern nannte sich nur noch DAF, verbunden mit dem Claim "Wissen lohnt sich". Das Abendprogramm wurde seitdem mit Dokus aus den Bereichen Wissenschaft, Technik und Geschichte bestritten. Erst zu Beginn des Jahres hatte DAF weitere Formate bei ZDFenterprises eingekauft. Nun wird man diesen Weg aber nicht mehr weitergehen, sondern versucht zu überleben, indem man sich rein auf Finanzberichterstattung konzentriert.

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