Varoufake © Screenshot ZDF
Fiel Jauch auf Böhmermann rein?

Böhmermann: Wir haben den Stinkefinger gefälscht

 

Spektakuläre Wendung im "Stinkefinger-Gate" um Yanis Varoufakis: Nachdem die ARD im Nachhinein Experten bemühte, die die Echtheit des Videos bestätigen sollten, behauptet nun Jan Böhmermann, das Team des "Neo Magazin Royale" habe das Video manipuliert

von Uwe Mantel
18.03.2015 - 23:02 Uhr

Es wäre eine geradezu sensationelle Wendung, die das Stinkefinger-Gate um den griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis da am Mittwochabend nahm - zumindest wenn man nun wiederum Jan Böhmermanns Video glauben schenkt. Der legt darin jedenfalls dar, dass Varoufakis mit seiner Behauptung, das Video, in dem er Deutschland angeblich den Stinkefinger zeigt, sei manipuliert und er habe eine solche Geste niemals gezeigt, recht hatte. Denn manipuliert worden sei das Video tatsächlich vom Team des "Neo Magazin Royale".

Entstanden sei das Fake-Video demnach im Februar im Rahmen der Produktion des Musikvideos "V for Varoufakis". Dafür habe man noch nach Bild-Material des echten Varoufakis gesucht. Dabei sei man auf das Subversive Festival in Zagreb 2013 gestoßen, wo er unter anderem seinen "Stinkefinger"-Satz gesagt hat. Im Video des "Neo Magazin Royale" ist diese Passage zu sehen - allerdings ohne die nun so viel diskutierte Geste. "Wir dachten, das wär doch ne gute Idee, wenn er bei 'Stick the Finger to Germany' auch den Finger zeigt. Also haben wir da ein bisschen was ausprobiert", erläutert Böhmermann.

Varoufakis und der Fake-Finger (2 Videos)

Das Video zeigt dann außerdem Szenen der Dreharbeiten und die Bearbeitung des Videos. Sogar eine Version, in der Varoufakis den Zeigefinger statt den Mittelfinger zeigt, ist zu sehen. Zudem erläutern die Macher, dass man natürlich besonders auf Dinge wie den Schattenwurf geachtet habe - ein Merkmal, an dem die selbst ernannten Experten zuletzt teils tatsächlich die Echtheit des Videos festgemacht hatten.

Zusätzliche Glaubwürdigkeit erhielt das Video, das selbst über Varoufakis - allerdings nicht verifiziertem - Twitter-Account als "Undoctored Version" gepostet wurde - dadurch, dass es von einem Nutzer aus dem Umfeld des "Subversive Festivals" bei YouTube hochgeladen wurde - doch die waren laut Böhmermann eingeweiht. Sein süffisanter Kommentar: "Dass jemand vom Subversive Festival bei sei einer subversiven Aktion mitmacht - hätte man nicht ahnen können. Hätten Sie gewusst, dass 'subversive' subversiv heißt? Ich nicht!"

Und Böhmermann legt noch nach: "Liebe Redaktion von Günther Jauch. Yanis Varoufakis hat Unrecht. Ihr habt das Video nicht gefälscht. Ihr habt das Video einfach nur aus dem Zusammenhang gerissen und einen griechischen Politiker am Stinkefinger durchs Studio gezogen. Damit sich Mutti und Vati abends nach dem 'Tatort' nochmal schön aufregen können. 'Der Ausländer! Raus aus Europa mit dem! Er ist arm und nimmt uns Deutschen das Geld weg. Das gibt’s ja wohl gar nicht. Wir sind hier die Chefs! So!' Das habt ihr gemacht. Und der Rest ist von uns."

Es wäre nicht das erste Mal, dass es dem "Neo Magazin" gelingt, TV-Kollegen hinters Licht zu führen. "TV Total" hat Böhmermann & Co. schon einmal eine vermeintlich gefälschte chinesische Version von "Blamieren oder Kassieren" abgekauft. Stellt sich das Video nicht doch als Fake eines Fakes heraus, dann dürfte es diesmal freilich deutlich mehr Diskussionen geben. Über die journalistische Sorgfalt der Jauch-Redaktion, die erst im Nachhinein Experten befragte, ob das Video denn überhaupt echt sei. Über den Stil der "Bild"-Zeitung, die Varoufakis in großen Lettern als "rotzfrechen Lügner" darstellte. Von anderer Seite dürfte aber wohl auch über die Grenzen der Satire und die Frage, wie lange man warten sollte, bis man eine solche Aktion auflöst, gestritten werden. Doch ob Fake oder Fakefake: Ein PR-Coup fürs "Neo Magazin Royale" ist es auf jeden Fall.

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