Micky Beisenherz © Markus Hauschild
Nach Kommentar unter Hetz-Posting

Absurd: Facebook sperrt Micky Beisenherz aus

 

In der Debatte über den Umgang von Hass-Postings betont Facebook stets, dass Gegenrede die bessere Maßnahme im Vergleich zu Löschungen sei. Micky Beisenherz wollte einen Hetzer zu Räson bringen und wurde selbst gesperrt. Am Abend wurde die Sperre aufgehoben

von Uwe Mantel
23.09.2015 - 11:45 Uhr

Nachdem Facebook für seinen Umgang mit Hass-Postings immer stärker unter Druck geraten war, kündigte das Unternehmen Anfang vergangener Woche im Vorfeld des Treffens mit Justizminister Heiko Maas zumindest ein Maßnahmenpaket an. So wolle man sich nun unter anderem Rat von der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Dienstanbieter (FSM) einholen. Vor allem aber betont man weiterhin, dass die geforderten Löschungen von solchen Postings nicht die beste Lösung seien. Stattdessen solle man unter den Beiträgen in die Diskussion einsteigen.

Angesichts dessen erscheint ein neuer Vorfall um so absurder. Facebook hat nun nämlich den Account von Moderator und Comedy-Autor Micky Beisenherz für 30 Tage gesperrt. Was war vorgefallen? Unter einem gegen Flüchtlinge und Zuwanderung agitierenden Kommentar eines Facebook-Mitglieds mit einem Namen, der auf einen Migrationshintergrund mit Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien schließen ließ, kommentierte Beisenherz: "Mit Deiner Einstellung würde es einen Amir Zemdic* in Deutschland nicht geben." (*Name geändert)

Rund eineinhalb Wochen nach diesem Kommentar erfolgte dann die Reaktion Facebooks: Der Kommentar wurde wegen eines Verstoßes gegen die "Gemeinschaftsstandards" gelöscht, der Account von Micky Beisenherz für einen Monat gesperrt. Micky Beisenherz zeigt sich im Gespräch mit DWDL.de "einigermaßen fassungslos": "Ich wollte einen Hetzer zur Räson bringen und kann mir nur vorstellen, dass der Beitrag nicht braun genug war und nicht genügend Beleidigungen enthielt. Diese Beiträge haben ja offenbar größere Chancen, den 'Gemeinschaftsstandards' zu entsprechen."

Angesichts des ausbleibenden Vorgehens von Facebook bei unzähligen Beiträgen, die unverblümt zu Gewalt gegen Flüchtlinge aufrufen, stellt Micky Beisenherz fest: "Ich muss mir auch langsam ernsthaft Gedanken über diese 'Gemeinschaft' machen und ob man dieser angehören sollte. Ich empfinde da zunehmend Unbehagen. Dieser Fall bestätigt mich in meiner Meinung über die Entwicklung dieses einstmals sozialen Netzwerks." Es ist nicht das erste Mal, dass Micky Beisenherz mit Facebook aneinandergerät und sein Account gesperrt wird. Mit Augenzwinkern stellt er fest: "Facebook wird gerade mein persönliches Robben Island."

Bei Facebook will man den Fall zwar prüfen, sich zu einzelnen Accounts aber nicht äußern.

Update 21:30 Uhr:
Facebook will sich auf DWDL.de-Anfrage weiterhin nicht äußern, hat aber offenbar doch Zweifel am eigenen Vorgehen bekommen. Am Mittwochabend wurde nach mehreren Medienberichten die Sperre von Micky Beisenherz jedenfalls wieder aufgehoben, wie er selbst auf Facebook schrieb.

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