"Weissensee", 3. Staffel © ARD/Julia Terjung
Interview im "Spiegel"

"Weissensee"-Regisseur Fromm hadert mit Sendeplatz

 

Friedemann Fromm hält nicht allzu viel von der Entscheidung, "Weissensee" an drei aufeinanderfolgenden Tage zu zeigen. Zudem beklagt er wie viele andere Kreative, dass sich TV-Redakteure allgemein zu stark in Einzelheiten einmischen würden.

von Uwe Mantel
26.09.2015 - 11:28 Uhr

Die dritte Staffel von "Weissensee" beginnt mit der Nacht des Mauerfalls am 9. November 1989 - es hätte also durchaus nahegelegen, sie im Umfeld des 25. Jahrestages im Herbst letzten Jahres zu zeigen. Die ARD ließ sich aber fast ein ganzes Jahr länger Zeit. Regisseur Friedemann Fromm zeigt dafür im "Spiegel"-Interview nur bedingt Verständnis: "Da sind wir in den Untiefen der ARD-Programmplanung, die für Außenstehende manchmal schwer nachzuvollziehen ist. Es wäre das richtige Format gewesen, um den Tag zu begehen, das sage ich mal ganz selbstbewusst. Aber beim Sender gab es andere Prioritäten."

Nun gibt's aber einen Sendeplatz: Im Vorfeld des 25. Jahrestages der Wiedervereinigung zeigt Das Erste die komplette Staffel ab kommendem Dienstag an drei aufeinanderfolgenden Tagen um 20:15 Uhr. Auch mit dieser Entscheidung hat Friedemann Fromm aber so seine Probleme: "Um es positiv zu sagen: Ich finde es grundsätzlich immer bemerkenswert, wenn die ARD neue Wege geht. Aber es ist ein Risiko, ein Format von seinem angestammten Sendeplatz, in unserem Fall dem Dienstagabend, runterzunehmen und es so massiv zu programmieren. Ich kenne in meinem Umfeld niemanden, der einfach so drei Abende hintereinander für eine TV-Sendung freiräumt, Sport, Freizeit und Freunde ausschaltet und es auch noch schafft, die Kinder rechtzeitig ins Bett zu bringen."

VoD-Anbieter wie Netflix, die bei ihren Eigenproduktionen stets die komplette Staffel auf einen Schlag veröffentlichen, taugen fürs Free-TV aus seiner Sicht kaum zum Vorbild. "Man kann das nicht vergleichen mit Netflix, wo ich eine ganze Serie am Stück schaue, denn da bestimme ich selbst den Termin. Ehrlich gesagt habe ich Bammel vor diesen drei Abenden. Ich möchte ja, dass es noch eine vierte Staffel gibt. Und darüber werden vor allem die Einschaltquoten entscheiden."

Den Grund dafür, dass es bislang so wenige hochklassige deutsche Serien gab - auch wenn sich in diesem Herbst immerhin einiges tut - sieht er in der "großen Angst der Verantwortlichen, Fehler zu machen". Fromm: "Das äußerst sich in einem Übermaß an Kontrolle, was schon in der Phase des Exposés zu Diskussionen darüber führt, ob eine Figur in einen Raum hineinstürmt oder ihn nur betritt." Fromm weiter: "Es gibt bei den Sendern weiß Gott nicht nur Verhinderer, Dumpfbacken und Nichtssager, sondern auch ganz viele tolle Leute. Aber manchmal platzt mir dann doch der Kragen. Es gibt einen Satz, den ich überhaupt nicht mehr hören kann, wenn ich ein Drehbuch vorlege, aber er kommt immer wieder, und ich muss jedes Mal runteratmen: 'Ich würde das in dieser Situation aber nicht so machen wie die Figur.' Da krieg ich die Krätze, denn das ist das Todesurteil für jede Form einer interessanten Figurenzeichnung. Meine Standardantwort ist mittlerweile: Dein langweiliges Leben würde ich auch nie verfilmen - meines übrigens auch nicht."

Eine Erklärung, warum das in anderen Ländern mittlerweile so viel besser laufe, hat er auch. Das dänische Fernsehen habe beispielsweise eigentlich am Boden gelegen. "Und dann hat der Sender DR1 gesagt: Entweder wir schaffen uns selbst ab - oder wir wagen etwas richtig Geiles. Sie haben sich einen einzigen Schuss gegönnt, richtig gute Leute zusammengespannt. Am Ende hatten sie 'Borgen'." Weil ARD und ZDF durch Gebühren- und Werbegelder sehr reiche Sender seien und mit ihren althergebrachten Serien auch hohe Reichweiten erzielen würden, gebe es dort derzeit diesen Leidensdruck nicht.

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