Die „Saure Gurke“, ein Negativ-Preis der ARD/ZDF-Medienfrauen für frauenfeindliche Fernsehbeiträge in öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, ist in diesem Jahr an den Norddeutschen Rundfunk (NDR) verliehen worden. Der Sender habe sich in Fernsehsendungen durch einen „rasanten Abbau von Qualitätsstandards und unerwartete Rückgriffe auf chauvinistische Klischees“ ausgezeichnet, urteilten die Juroren am Sonntag in Bonn.
Nun hat die Gleichstellungsbeauftragte des NDR, Sabine Knor, auf die Vorwürfe reagiert und den Preis an die Jury zurückgeschickt. Die Entscheidung der Jury nannte sie „komplett unverständlich“, die Begründung „nicht nachvollziehbar“.
Im gesamten NDR habe nach der Bekanntgabe der Gurken-Entscheidung zunächst eine intensive Suche nach Anzeichen für Frauenfeindlichkeit eingesetzt. Der von den ARD/ZDF-Medienfrauen kritisierte Film „Baby“ etwa sei von Redaktionen ins Programm gebracht worden, in denen es nur Frauen in verantwortlicher Position gibt, teilte der NDR heute mit.
Auch der Verdacht gegen Reinhold Beckmann, er betätige sich frauenfeindlich, habe sich nicht erhärten lassen. Eine Prüfung habe ergeben, dass er in seiner Sendung am 18. September mit drei deutschen Politikerinnen über den Ausgang der Bundestagswahl gesprochen hat.
Die Medienfrauen hatten kritisiert, Beckmann sei es in seiner ARD-Talkshow gleich nach der Bundestagswahl geglückt, Frauen und Parteien „dank einer geschickten Besetzungspolitik“ klar zu trennen. Er habe sich in einer „Frauenrunde“ mit den Altpolitikerinnen Rita Süssmuth (CDU), Annemarie Renger (SPD) und Hildegard Hamm-Brücher (FDP) insbesondere nach deren Befindlichkeiten erkundigt, bevor er anschließend in einer „Politikerrunde“ über konkrete Politik gesprochen worden sei.
Bei der Leichtathletik-WM in Helsinki missfiel der Jury ein Reporter, der sich bei der frisch gebackenen Europameisterin Christina Obergföll nach deren Familienplanung erkundigte. Sabine Knors Recherchen haben allerdings ergeben: „Der Kollege entpuppte sich als HR-Mitarbeiter. Er hielt lediglich ein Mikro mit NDR-Windschutz in der Hand, weil der NDR die Federführung für die Übertragungen aus der finnischen Hauptstadt
hatte.“
Angesichts dieser „erdrückend klaren Sachlage“ habe sie sich entschlossen, der Jury ihren Preis zurückzusenden, so Sabine Knor. Über die ARD/ZDF-Medienfrauen spottete sie: „Die Jury hat ihn sich redlich verdient - und wir wollen uns auf keinen Fall mit fremden Gurken schmücken."



