Deutschland 83 © RTL / Robert Grischek
Gespräche offenbar weit fortgeschritten

"Deutschland 86": Setzt Amazon die RTL-Serie fort?

 

Die RTL-Serie "Deutschland 83" steht vor der Fortsetzung, allerdings mit neuem Partner. Nach Informationen des Medienmagazins DWDL.de sind Gespräche mit Amazon Prime über eine Fortführung des Prestige-Projekts von UFA Fiction weit fortgeschritten.

von Thomas Lückerath
17.08.2016 - 08:00 Uhr

Wenn ein Rechte-Deal in diesem Jahr deutsche Fernsehgeschichte schreiben könnte, dann ist es dieser: Die im Auftrag von RTL produzierte Eventserie „Deutschland 83“ steht vor ihrer Fortsetzung, aber nicht im linearen Fernsehen sondern online bei einem Streaming-Partner. Nach Informationen des Medienmagazins DWDL.de sind die Gespräche mit Amazon Prime Video bereits weit fortgeschritten. Auf Anfrage wollen die beteiligten Parteien diese Recherchen weder bestätigen noch dementieren.



Durch die zwei weiteren Staffeln "Deutschland 86" und "Deutschland 89" soll aus der von Anna und Jörg Winger entwickelte Geschichte eine Trilogie entstehen. Diese Absicht war längst bekannt, doch eine Fortsetzung der Spionage-Geschichte bislang unsicher weil "Deutschland 83" trotz Erfolgen im Auslandsverkauf und sehr guten Kritiken mit der TV-Ausstrahlung bei RTL allenfalls durchwachsene Einschaltquoten holte. So überraschte es nicht, dass RTL nach der Ausstrahlung im vergangenen Herbst zögerte.

Der Rummel im Ausland - inklusive Premiere beim US-Sender Sundance TV - brachte der Serie zwar schöne Schlagzeilen und ungewohntes Prestige, aber hatte nur einen geringen Anteil an der Finanzierung von "Deutschland 83". Die Serie wurde weitgehend als Auftragsproduktion für RTL realisiert und rechnete sich für den Kölner Sender letztlich nicht. Man werde in Ruhe analysieren und dann entscheiden. Über Monate hinweg hat sich RTL so erst einmal Zeit verschafft.

An der Lust auf eine Fortsetzung von "Deutschland 83" bei UFA Fiction gab es nie Zweifel. CEO Wolf Bauer verriet schon sehr früh: Die Bücher sind bereits in Arbeit. Und Jörg Winger ist in der Zwischenzeit auch in die Geschäftsführung von UFA Fiction aufgerückt. Der Absicht, die Prestige-Produktion fortzuführen, war dies sicher nicht abträglich. An den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen änderte auch das allerdings nichts. Bei RTL wollte man angesichts der Einschaltquoten von "Deutschland 83" nicht erneut so viel investieren.

Das Projekt hing damit monatelang in der Schwebe. Keiner der Beteiligten wollte oder konnte überhaupt eine Aussage treffen. In der RTL Group galt es verschiedene Interessen abzuwägen: Für FremantleMedia bzw. dem Distributionsarm FremantleMedia International war die Spionage-Serie im vergangenen Jahr eine Flaggschiff-Produktion, die sich gut verkaufte und viel Buzz generierte. Genau das braucht FremantleMedia. Geschäftsführerin Cécile Frot-Coutaz baut das Unternehmen seit ihrem Amtsantritt energisch um. Einst fokussiert auf große Showformate, spielen fiktionale Programme bei FremantleMedia wie im Weltmarkt in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle.

Das Schicksal von "Deutschland 83" bzw. der Fortsetzungen "Deutschland 86" und "Deutschland 89" wurde damit auch zu der Frage, welche Priorität der Erfolg der Produktionstochter FremantleMedia innerhalb der Luxemburger RTL Group hat. Würde RTL die Hoheit über sein Prestige-Projekt der vergangenen TV-Saison etwa abgeben, um eine Fortsetzung zu ermöglichen? In einer Branche der Eitelkeiten würde dies zu Gunsten von FremantleMedia den Sprung über den eigenen Schatten bedeuten - und nach DWDL.de-Informationen wollen der Sender RTL, Produzent UFA Fiction und Distributor FremantleMedia International tatsächlich gemeinsam springen.

Sollten die Gespräche mit Amazon zum Abschluss kommen und nicht Netflix oder andere dazwischengrätschen, wäre "Deutschland 86" nach der Warner-Produktion "You are wanted" von und mit Matthias Schweighöfer die zweite deutsche Eigenproduktion von Amazon, die bereits einige Aufmerksamkeit mit sich bringt. Für RTL bliebe möglicherweise die Zweitverwertung im linearen Programm übrig. Der Deal wäre bemerkenswert: Der TV-Marktführer beim jungen Publikum gibt seine von der Kritik gelobte aber vom linearen TV-Publikum weitgehend ignorierte Vorzeige-Produktion ab und ein SVoD-Anbieter übernimmt.

Ein solches Vererben von starken Programmmarken ist in den USA längst üblich, in Deutschland aber noch neu. Auch weil man sich beim Kölner Sender lange darum sorgte, ob man so dem neuen Wettbewerb leichtfertig in die Hände spiele. Aus Sicht der RTL Group, konkret für FremantleMedia und FremantleMedia International, ließe sich ein Deal mit Amazon als strategisch wichtiger Erfolg verbuchen - und die Kreativen hinter der Produktion sowie die Fans von "Deutschland 83" hätten ihre Fortsetzung.

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