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Schwere Vorwürfe

Druckte die "Freizeitwoche" erfundene Interviews?

 

Das Klatschblatt "Freizeitwoche" steht in der Kritik: Recherchen des Medienmagazins "Übermedien" haben ergeben, dass einige der gedruckten Interviews offenbar erfunden waren. Der Chefredakteur weist die Vorwürfe zurück.

von Timo Niemeier
10.10.2016 - 13:48 Uhr

Das Regenbogenpresse-Watchtblog "topfvollgold" ist nach langer Pause zurück: Seit diesem Montag gibt es wieder regelmäßig Texte zu lesen, in denen sich die Gründer Moritz Tschermak und Mats Schönauer kritisch mit der deutschen Yellow Press auseinandersetzen. Das geschieht allerdings nicht mehr auf einer eigenen Seite, sondern beim Medienmagazin "Übermedien" von Boris Rosenkranz und Stefan Niggemeier (DWDL.de berichtete).

Und zum Start der neuen Regenbogenpresse-Rubik hat Mats Schönauer eine brisante Geschichte recherchiert: Demnach soll die "Freizeitwoche" aus dem Hause Bauer Media Group Interviews abgedruckt haben, die so vielleicht gar nicht stattgefunden haben. Die "Freizeitwoche" kommt laut IVW auf eine verkaufte Auflage von mehr als 400.000 Stück.

Konkret geht es um mehrere Interviews, die die Zeitschrift in den vergangenen Jahren mit der US-Schauspielerin Sandra Bullock geführt haben will. In diesen plauderte sie scheinbar völlig offen über ihre Ängste, Sorgen und die eigenen Kinder. "Dieses Interview hat nie stattgefunden", sagt Bullocks Anwältin Nina Lüssmann von der Hamburger Kanzlei Prinz Neidhardt Engelschall gegenüber "Übermedien", als sie auf das jüngste Interview angesprochen wurde. Lüssmann hat bereits eine einstweilige Verfügung gegen die jüngste Veröffentlichung erwirkt, im E-Paper ist die entsprechende Seite geschwärzt.

Gegen vier von weiteren Interviews geht die Anwältin nun vor - das aus dem Jahr 2005 ist bereits verjährt. Sie alle sollen laut Lüssmann nicht stattgefunden haben. "Übermedien" fragte daraufhin bei weiteren US-Stars bzw. deren Managements an: Eine Sprecherin von Roger Moore erklärte, dass dieser bei dem fraglichen Interview "nicht beteiligt" gewesen sei. Ähnlich äußern sich auch die Sprecher von Sean Connery und Catherine Deneuve.

Bei der "Freizeitwoche" selbst weist man die Vorwürfe zurück. Chefredakteur Michael Graf sagt zu "Übermedien": "Zu Ihrer haltlosen Unterstellung gibt es von mir nur klare Antwort: Wir fälschen keine Interviews!" Man arbeite bei den Star-Interviews mit erfahrenen Korrespondenten im Ausland und freien Mitarbeitern zusammen.


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