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Burgener-Lager von Abstimmung ausgeschlossen

Constantin-Hauptversammlung endet im totalen Chaos

 

Die Hauptversammlung der Constantin Medien AG ist beendet: Das Lager um Dieter Hahn und Fred Kogel hat sich vorerst durchgesetzt. Es gibt jedoch Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Entscheidungen, Bernhard Burgener hat eine Klage angekündigt.

von Timo Niemeier
10.11.2016 - 23:35 Uhr

Nach einer zweitägigen Hauptversammlung gibt es nun vorerst eine Entscheidung: Die Aktionäre der Constantin Medien AG haben einer strategischen Neuausrichtung zugestimmt. Das Filmgeschäft soll verkauft werden, das Unternehmen will sich zukünftig nur noch auf das Sport-Segment konzentrieren. Der Verkauf der Constantin Film soll rund 200 Millionen Euro in die Kassen spülen, muss aber noch offiziell von den Aktionären der Highlight Communications AG bestimmt werden. Damit hat sich das Lager um Aufsichtsratschef Dieter Hahn und den Vorstandsvorsitzenden Fred Kogel im seit Monaten anhaltenden Richtungsstreit durchgesetzt - vorerst.

Nachdem es bereits am ersten Tag turbulent zuging (DWDL.de berichtete), versank auch der zweite Tag der Hauptversammlung im Chaos. Am Ende musste das Podium mit den handelnden Akteuren sogar von zwei Security-Mitarbeitern gesichert werden, weil wütende Kleinaktionäre immer stärker protestierten. Ob es nun tatsächlich zum Verkauf des Filmgeschäfts kommen wird, darüber herrscht aber auch nach der vorläufigen Entscheidung noch Unklarheit.


Hahn und Kogel setzten sich zwar durch, das Lager rund um den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Bernhard Burgener sowie viele Kleinaktionäre zweifeln das Ergebnis jedoch an. Burgener und seine Leute durften nicht abstimmen, ihnen wurde das Stimmrecht entzogen. Angeblich habe man falsche Angaben bei der Anmeldung gemacht, Burgener weist das zurück und sagt, er nehme den Ausschluss seiner Stimmrechte "unter Protest zur Kenntnis". Niemand habe ihm eine plausible rechtliche Begründung für den Stimmenentzug liefern können. "Die Beschlüsse der Hauptversammlung sind null und nichtig", sagt Burgener.

Insgesamt waren nach DWDL.de-Informationen nur rund 47 Prozent des Grundkapitals zur Abstimmung zugelassen. Die Lager von Burgener und Hahn kommen auf jeweils 30 Prozent, mit dem Ausschluss Burgeners war der Weg also frei für Hahn. Ob die Entscheidung auch so ausgefallen wäre, wenn Burgener seine Stimmrechte hätte nutzen können, ist fraglich. Denn auch viele Kleinaktionäre stellten sich auf seine Seite und wollen nicht, dass die Film-Sparte verkauft wird.

"Durch den Ausschluss wurden wesentliche Teile des Aktionariats und ich an einer Abstimmung gehindert, bei der es um die Zukunft der Constantin Medien AG geht", sagt Burgener. Das wolle er sich nicht gefallen lassen. "Ich werde in den kommenden Tagen eine Anfechtungsklage dagegen einreichen lassen." Inwieweit die Ergebnisse der Hauptversammlung also in Zukunft Bestand haben werden, ist unklar. Gerichte werden sich mit dem Fall beschäftigen.

Die Beschlüsse der Hauptversammlung sind null und nichtig.

Bernhard Burgener, ehemalige Vorstandsvorsitzender der Constantin Medien AG. Jetzt Präsident des Verwaltungsrat der Highlight Communications AG und Anteilseigner von Constantin Medien.

Schon bei der ersten Hauptversammlung im Juli dieses Jahres wurden diverse Aktionärsgruppen ausgeschlossen, weil der Versammlungsleiter Franz Enderle die Rechtmäßigkeit der Stimmen anzweifelte. Die Betroffenen sprachen von juristischen Scharmützeln und Spitzfindigkeiten, um das Ergebnis zu Gunsten von Hahn zu verschieben. Als das Burgener-Lager dann trotzdem die erste Abstimmung gewann, sprach Enderle von einem technischen Fehler. Schließlich konnte man die Abstimmungen nicht mehr vor Mitternacht über die Bühne bringen und entschied, die Hauptversammlung neu auszurichten.

Eine Einigung vorab war aber offenbar auch dieses Mal nicht möglich. Um die Blockade im Konzern zu beenden, hat Hahn einen sogenannten "Shoot-Out" vorgeschlagen. Dabei machen die beiden Streitparteien Angebote für die Aktienpakete des jeweils anderen. Die Gruppe, die mehr zahlt, gewinnt und hat zukünftig das Sagen. Es würde also nur das Geld entscheiden. Aber auch daraus wurde nichts.

Kompliziertes Firmengeflecht

Dass es bei Constantin Medien derzeit so turbulent zugeht, liegt auch am undurchsichtigen und komplizierten Firmengeflecht und den Aktionärsstrukturen. So gehören Sport1 und Plazamedia zu 100 Prozent zum Konzern, darüber hinaus hält Constantin Medien rund 60 Prozent an der Highlight Communications AG. Dort sind neben der Sportrechtehandel-Tochter Team auch die Constantin Film und Constantin Entertainment angesiedelt. Kogel und Hahn haben bei Constantin Medien das Sagen, Burgener bei Highlight.

Darüber hinaus hat Constantin Medien ein Darlehen aufgenommen und Highlight-Aktien an die Firma Stella Finanz verpfändet. Stella steht aber in enger Verbindung zu Bernhard Burgener. Stella sagt nun, dass mit den Aktien auch die Stimmrechte verpfändet wurden, um die Auflösung des Deals gibt es derzeit ebenfalls Streitereien. Und inwiefern Constantin die Stimmrechte an den verpfändeten Aktien nutzen darf, dürften demnächst wohl ebenfalls Gerichte klären.

Filmgeschäft umsatzstark, aber die Rendite...

Sollte Constantin Film wirklich verkauft werden, würde nicht nur ein großes Stück Geschichte, sondern auch ein erheblicher Umsatz- und Gewinn-Lieferant aus dem Konzern herausbrechen. Die Film-Sparte sorgt derzeit für etwa die Hälfte des Umsatzes und rund zwei Drittel des Gewinns. Die Rendite ist allerdings nicht so hoch wie im Sport-Bereich, vor allem der Sportrechtehandel wirft deutlich mehr Geld pro eingesetztem Euro ab. Der Sport-Bereich kam zuletzt allerdings ebenfalls unter Druck, bei Plazamedia müssen 50 Stellen gestrichen werden, weil Sky die Bundesliga-Spiele in Zukunft selbst produziert. Eine Übernahme von Plazamedia durch Sky und ein Einstieg des Bezahlsenders bei Sport1 scheiterte vor wenigen Jahren.


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