ZDF-Intendant Thomas Bellut © ZDF/Benno Kraehahn
ZDF-Chef Bellut im "Zeit"-Interview

"Nicht wir, sondern die Regionalsender der ARD sind teuer"

 

ZDF-Intendant Thomas Bellut hat der "Zeit" ein Interview gegeben und darin über die Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen im Internet, die kommenden Reformen und das aus seiner Sicht nicht ganz gelungene TV-Duell gesprochen.

von Timo Niemeier
06.12.2017 - 16:02 Uhr

In den vergangenen Monaten haben ARD und ZDF Vorschläge erarbeitet, wie sie künftig mehr Geld einsparen können. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer nahmen das zuletzt zur Kenntnis, erklärten aber auch, dass das nur ein erster Schritt sein könne. Kritik kam erwartungsgemäß von den Verlagen und den Privatsender. ZDF-Chef Thomas Bellut hat nun in einem Interview mit der "Zeit" über die anstehenden Reformen geredet. Man habe schon eine "riesige Reform" hinter sich, so der Intendant. Man spare sich zehn Prozent der Mitarbeiter ein.

"Das ZDF kostet den Beitragszahler im Monat 4,36 Euro. Nicht wir, sondern die Regionalsender der ARD sind teuer", sagt Bellut, der das aber nicht als Vorwurf verstanden wissen will. "Regionale Berichterstattung ist wichtig, gerade in Zeiten, in denen viele Menschen nicht nur in Ostdeutschland das Gefühl haben, nicht genug beachtet zu werden. Also: Wir werden weiter reformieren, aber nach dem Personalabbau müssen wir auch wieder junge Leute einstellen." Vom Vorschlag Horst Seehofers, ARD und ZDF zusammenzulegen, hält Bellut nichts. Die deutsche Gesellschaft leide eher an einem Mangel journalistischer Stimmen. Der Wettbewerb zwischen ARD und ZDF sei wichtig, weil er Qualität sichere.

Bellut findet gegenüber der "Zeit" aber auch durchaus selbstkritische Worte. Im Bezug auf das oft kritisierte TV-Duell im Vorfeld der Bundestagswahl sagt er: "Es war eine Sendung mit einer nicht ganz gelungenen Themensetzung und Dramaturgie." Die vier Moderatoren seien einfach zu viel gewesen, so Bellut. "Wir haben uns zwei Moderatoren gewünscht. Ich hätte mir auch vorstellen können, ARD und ZDF losen, wer es macht. Beim nächsten Mal wäre der andere dran gewesen." Man darf also gespannt sein, wie das nächste TV-Duell aussehen wird. 

Dass die Diskussionen über die Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen zuletzt immer vergifteter wurden, führt Bellut auch auf die Debattenkultur in den sozialen Netzwerken zurück. Das Netz stelle für ARD und ZDF, "genauso wie für die Verlage", eine riesige Herausforderung dar, so Bellut. "Ich bin davon überzeugt, dass für alle öffentlich-rechtlichen Sender das Bewegtbild die Zukunft ist. Darin sind wir besser als alle anderen. Und darauf konzentrieren wir uns." Die Verleger hatten zuletzt vor allem die ARD für ihr angeblich zu presseähnliches Online-Angebot kritisiert, das ZDF wurde bei der Kritik ausgenommen.

Die zuletzt harschen Töne von Verlegerpräsident Mathias Döpfner habe er mit Verwunderung beobachtet, sagt Bellut. "Ich glaube, er wollte einfach eine kämpferische Rede auf dem Verlegertag halten. Das passte halt in die Dramaturgie dieser Veranstaltung. [...] Die Polemik ist gefährlich. Natürlich dürfen wir uns nicht in eine Echokammer des Schreckens zurückziehen, wir müssen uns mit der Herausforderung, die uns die Digitalisierung stellt, auseinandersetzen." Döpfner hatte zuletzt gleich mehrfach von "Staatspresse" gesprochen und damit ARD und ZDF gemeint.

Google und Amazon seien wohl schwieriger zu kritisieren und denen sei Kritik aus Deutschland am Ende wohl auch egal, so der ZDF-Chef. "Aber die Öffentlich-Rechtlichen sind ein bedeutsamer Teil dieser Republik, deshalb findet Kritik an uns größeren Widerhall." Dennoch würden Amazon, Google, Facebook und Netflix den Markt beherrschen, deshalb hoffe er, dass man in Deutschland endlich aufhöre, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. "Wir sollten uns als Qualitätsmedien gemeinsam darauf konzentrieren, in möglichst großer Zahl zu überleben."

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