Es ist kein neues Phänomen: Immer wieder führen Journalisten Interviews, die später völlig verändert zurückkommen. Kaputtautorisiert, meist nicht direkt vom Befragten, sondern von Agenturen oder Pressestellen. Auch bei DWDL.de hat es so etwas in der Vergangenheit schon gegeben, auch wir haben diese Fälle teilweise öffentlich gemacht. Nun hat der "Playboy" einen entsprechenden Fall öffentlich gemacht, bei dem es um ein Interview mit RB-Leipzig-Sportdirektor Ralf Rangnick ging. Für das Branchenmagazin "Journalist" hat der Interviewer Thilo Komma-Pöllath den Fall noch einmal aufgeschrieben.

Demnach traf Komma-Pöllath, Journalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß"), Rangnick im Dezember zu einem rund eineinhalbstündigen Gespräch. Der Erstkontakt ging von einem Agenten aus, der offenbar ein langes Interview mit Rangnick in der Presse unterbringen wollte. Das Interview kam dann aber so verändert zurück, laut Komma-Pöllath wurden interessante Schilderungen komplett gestrichen, insgesamt fehlten rund 3.000 Zeichen, dass sich der "Playboy" dazu entschied, das Interview nicht abzudrucken. Thilo Komma-Pöllath ist kein festangestellter Redakteur beim Magazin, sondern Eigentümer eines Redaktionsbüros. Weil das Interview nicht gedruckt wurde, erhielt er auch kein Honorar.

Aus dem Gespräch gestrichen wurden laut dem Interviewer unter anderem Rangnicks "Fundamentalkritik an Bayern München", aber auch Passagen, in denen es um die Fußball-Mäzen Dietmar Hopp und Dietrich Mateschitz ging. Selbst die Teile, in denen der Sportdirektor "sympathisch und humorvoll in seinem ganz eigenen Duktus antwortet", seien gestrichen worden. Auch Nachverhandeln half nichts, der Agent bleibt stur.

"Playboy"-Chefredakteur Florian Boitin berichtete schließlich im "Februar"-Editorial unter der Überschrift "Warum Sie in dieser Ausgabe kein Interview mit Ralf Rangnick lesen" über den Fall. RB Leipzig erklärt daraufhin gegenüber einer Tageszeitung, dass nicht der Verein, sondern Rangnicks "private Agentur" die Autorisierung vorgenommen habe. Boitin zieht das in seinem Editorial in Zweifel. Wohl auch, weil sich der Agent in einem Telefonat laut Komma-Pöllath selbst darüber erstaunt zeigte, wie viele Änderungswünsche der Klub gehabt habe. Das wiederum rief den Medienanwalt Christian Schertz auf den Plan, der die Aussage der Vereins bestätigte und mit Einstweiliger Verfügung, Gegendarstellung und Richtigstellung drohte.

"Dieses nicht-gedruckte Interview ist ein mahnendes Beispiel für eine völlig missglückte Autorisierung. Ein verhunztes Gespräch", sagt "Journalist"-Chefredakteur Matthias Daniel. Der "Journalist" hat den Fall in seiner Februar-Ausgabe auf das Cover gehoben, das autorisierte Interview findet sich mit den vielen Änderungen im Heftinneren. Thilo Komma-Pöllath kritisiert in seinem Text den Umgang mit den Medien im Profifußball: "Übervorsichtige Spieler und Akteure lassen nur noch systemkonforme Journalistenfreunde an sich heran, denen sie oft nur Banalitäten anvertrauen. Die aber exklusiv." Unabhängiger Print-Journalismus im Bundesliga-Umfeld sei heute nur noch sehr schwer zu realisieren.