Gabor Steingart © Handelsblatt/Andreas Fechner
"Differenzen in wesentlichen Fragen"

Steingart muss gehen, darf aber Abonnenten behalten

 

Sein Text über den "perfekten Mord" an Sigmar Gabriel hat Folgen: Gabor Steingart hört beim "Handelsblatt" auf. Die Rede ist von "Differenzen in wesentlichen Fragen". Steingart wird seinen Newsletter jedoch weiterführen - und darf seine zahlreichen Abonnenten mitnehmen.

von Alexander Krei
09.02.2018 - 16:08 Uhr

Nun ist offiziell, worüber schon am Donnerstag spekuliert wurde: Das "Handelsblatt" und sein Verleger Gabor Steingart gehen fortan getrennte Wege. Das erklärte die Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH am Freitag in einer Mitteilung. Steingart - Herausgeber, Geschäftsführer und Gesellschafter der Handelsblatt Media Group - war bei Verleger Dieter von Holtzbrinck in Ungnade gefallen, nachdem er in seinem "Morning Briefing" von einem "perfekten Mord" des scheidenden SPD-Chefs Martin Schulz an Außenminister Sigmar Gabriel schrieb.

Offiziell ist die Rede von "Differenzen in wesentlichen gesellschaftsrechtlichen Fragen", hinzu kämen "eine - nicht generell, aber im Einzelfall - unterschiedliche Beurteilung journalistischer Standards". "Das Multitalent Gabor Steingart hat in wenigen Jahren zunächst das 'Handelsblatt', danach die gesamte Handelsblatt Gruppe auf großartige Weise weiterentwickelt und erneuert, was höchsten Reseptk und größten Dank verdient", sagte Dieter von Holtzbrinck. Man werde den erfolgreichen Weg "mit Kraft und Begeisterung weitergehen".

Auch Steingart selbst äußerte sich zu seinem Aus: "Dieter von Holtzbrinck ist ein wunderbarer Mensch und erfahrener Verleger, dessen Geduld ich über so viele Jahre nicht nur strapaziert, sondern oft genug auch überstrapaziert habe. Dass unsere dennoch – oder deshalb? – so erfolgreiche Zusammenarbeit jetzt abrupt endet, lässt uns beide nicht unberührt. Unsere Freundschaft und meine Wertschätzung ihm gegenüber bestehen unvermindert fort." Nun werde man gemeinsam an einem reibungslosen Übergang arbeiten, sagte Steingart.

Glück im Unglück für Steingart: Seine mittlerweile rund 700.000 Abonnenten, die er in seinem "Morning Briefing" erreicht, darf er mitnehmen - er wird den Newsletter fortan in eigener Eigentümerschaft "als unabhängige Stimme herausgeben", wie es heißt. Das "Handelsblatt Morning Briefing" soll indes weiter erscheinen. Am Donnerstag und Freitag hatte es Chefredakteur Sven Afhüppe geschrieben.

Interne Kritik an Dieter von Holtzbrinck

"Spiegel Online" berichtet unterdessen über wachsenden Widerstand, der sich gegen Steingarts Abgang formiert. In einem unter anderem von Chefredakteur Sven Afhüppe, "Wirtschaftswoche"-Chef Beat Balzli und "Wirtschaftswoche"-Herausgeberin Miriam Meckel unterschriebenen Brief an Dieter von Holtzbrinck, wurde massive Kritik laut: "Dies ist aus unserer Sicht ein verheerendes Signal an die Redaktionen und das gesamte Haus: die Bestrafung für eine - wenngleich unbequeme - Meinung ist die sofortige Entlassung."

Die Entscheidung, auf diese Weise Steingart zu entlassen, sende "weitere massive Schockwellen in die Handelsblatt Media Group, über die wir uns große Sorgen machen", heißt es in dem Schreiben, aus dem "Spiegel Online" zitiert. Die Chefredakteure und Geschäftsführer der Verlagsgruppe zeigten sich "schockiert und fassungslos".

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