Armin Wolf © ORF/Thomas Ramstorfer
Wegen "Fake News"-Vorwürfen

ORF-Anchor Armin Wolf klagt gegen Vizekanzler Strache

 

Der österreichische Vizekanzler Heinz-Christian Strache hat dem ORF-Journalisten Armin Wolf in einem öffentlichen Facebook-Posting der Lüge bezichtigt. Wolf will sich das nicht gefallen lassen und hat nun angekündigt, Strache anzeigen zu wollen.

von Timo Niemeier
13.02.2018 - 14:15 Uhr

"Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk in Österreich unter Beschuss" - unter diesem Titel berichtete DWDL.de in der vergangenen Woche über die aktuelle Lage des ORF. Vor allem von der inzwischen in der Regierung sitzenden FPÖ kommt harsche Kritik am Sender, Parteichef Heinz-Christian Strache fordert ein Ende der "Zwangsgebühren". Nun hat Strache den ORF-Journalisten Armin Wolf in einem Facebook-Posting verunglimpft. Wolf moderiert im ORF die "ZiB 2", eine der wichtigsten Nachrichtensendungen des Landes, ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und zudem immer wieder Ziel von Attacken der Rechtspopulisten.

Bei Facebook hat Vizekanzler Strache nun ein Foto hochgeladen, auf dem Wolf der Lüge bezichtigt wird. "Es gibt einen Ort, an dem Lügen zu Nachrichten werden. Das ist der ORF", heißt es auf dem Foto, auf dem Armin Wolf zu sehen ist. Der ORF-Slogan "Wie wir" ist abgeändert worden auf "Wie wirr". Neben einem Pinocchio-Foto heißt es auf dem Foto auch: "Das Beste aus Fake News, Lügen und Propaganda, Pseudokultur und Zwangsgebühr. Regional und international. Im Fernsehen, im Radio und auf dem Facebook-Profil von Armin Wolf."

Versehen hat Strache den Post mit dem Zusatz "Satire :)". Wolf will sich das nicht  gefallen lassen und hat nun gegenüber der Tageszeitung "Der Standard" angekündigt, Strache anzeigen zu wollen. "In 32 Jahren als Journalist hat mir noch nie jemand vorgeworfen, ich würde in meiner Arbeit lügen. Selbstverständlich werde ich das klagen, und ich gehe davon aus, dass der ORF ebenfalls klagen wird. Ich bin persönlich nicht wehleidig und stelle mich gerne jeder sachlichen Kritik, aber dass der Vizekanzler der Republik ein derartiges Sujet postet, macht mich ehrlich fassungslos", sagt Wolf gegenüber dem "Standard". Die Attacken der FPÖ auf unabhängige Medien und ihre persönlichen Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten hätten mittlerweile ein "demokratiepolitisch wirklich bedenkliches Ausmaß" genommen, so Wolf. "Und dabei geht es nicht um diese Rechtsfrage, denn dass Herr Strache für dieses Posting verurteilt werden wird, ist ja überhaupt keine Frage."

Der ORF weist die "pauschalen Anschuldigungen und Unterstellungen gegenüber seinen Redaktionen sowie gegen Armin Wolf persönlich auf das Schärfste zurück", ließ der Sender über die Nachrichtenagentur APA wissen. Darüber hinaus werde man bei Facebook die Löschung des Postings beantragen. ORF-Chef Alexander Wrabetz erklärte, man habe einen Anwalt mit weiteren Schritten beauftragt.

Aus der österreichischen Medienbranche kamen etliche Reaktionen auf das Posting. Der überwiegende Teil der Kommentatoren, egal von welcher Zeitung oder Redaktion, stellt sich auf die Seite Wolfs und verurteilt das Posting des Vizekanzlers. Dieser erklärte erst am Dienstagmorgen erneut, er kämpfe für die "Abschaffung der ORF-GIS-Zwangsgebühren". Diese seien den Bürgern nicht länger zuzumuten.


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