Echo © Vox
Nach Antisemitimus-Skandal

Neuanfang: Musikpreis Echo wird komplett abgeschafft

 

Die Auszeichnung der Rapper Kollegah und Farid Bang hat den Echo so sehr in Verruf gebracht, dass der Bundesverband Musikindustrie jetzt entschieden hat, den Musikpreis komplett abzuschaffen. Nun will man an einem Neuanfang arbeiten.

von Alexander Krei
25.04.2018 - 14:52 Uhr

Nach der umstrittenen Auszeichnung von Kollegah und Farid Bang mit dem Echo, sah sich der Bundesverband Musikindustrie derart starker Kritik ausgesetzt, dass jetzt in einer außerordentlichen Sitzung in Berlin das Aus des Musikpreises beschlossen wurde. Die Marke Echo sei so stark beschädigt worden, dass ein vollständiger Neuanfang notwendig sei, der auch eine Neuaufstellung bei Echo Klassik und Echo Jazz nach sich ziehe, erklärte der Verband am Mittwoch.

Die drei Preise sollen in eine eigene Struktur überführt werden. Im Zuge dessen werden auch die bisher involvierten Gremien ihre Tätigkeit einstellen, hieß es. Die Kriterien der Nominierung und Preisvergabe sollen dabei vollständig verändert werden. Wie beim Echo Klassik und Echo Jazz, die von Anfang an reine Jury-Preise waren, soll beim neuen Musikpreis auch für den Pop-Bereich die Jury stärker in den Vordergrund rücken.

Der Vorstand machte deutlich, dass Deutschland als drittgrößter Musikmarkt der Welt weiterhin "Musikpreise mit Leuchtturm-Charakter" brauche. Man wolle jedoch keinesfalls, dass dieser Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen wird. Ein solcher Fehler, wie er in diesem Jahr geschehen sei, solle sich in Zukunft nicht wiederholen. Den Rappern Farid Bang und Kollegah, die vor zwei Wochen ausgezeichnet wurden, war Antisemitimus vorgeworfen worden. Zahlreiche Künstler haben ihre Echos inzwischen aus Protest zurückgegeben.

Die Echo-Verleihung war stets auch im Fernsehen sehr präsent - in den vergangenen beiden Jahren hatte Vox die Show übertragen und damit zuletzt knapp 1,8 Millionen Zuschauer erreicht. Vox selbst äußerte sich mit Blick auf eine weitere Zusammenarbeit zunächst zurückhaltend. "Nach Entscheidung des BVMI, dass es den Echo nicht mehr in der bisherigen Form geben wird, sind wir natürlich sehr gespannt auf die Neuausrichtung. Ob wir uns bei dieser um die Ausstrahlungsrechte bewerben werden, entscheiden wir, sobald die Basis für die Neuausrichtung steht", erklärte der Sender auf DWDL.de-Nachfrage. In der Vergangenheit war der Echo auch schon bei RTL und der ARD zu sehen.

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