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"Ich bereue die Karikatur nicht"

"SZ" schmeißt Karikaturisten nach Antisemitismus-Kritik raus

 

Die "SZ" beendet die Zusammenarbeit mit dem Karikaturisten Dieter Hanitzsch, nachdem es zuvor Kritik an einer seiner Zeichnungen gegeben hatte. Die Zeitung entschuldigte sich bereits dafür, Hanitzsch selbst spricht von einer "Überreaktion" der "SZ".

von Timo Niemeier
18.05.2018 - 10:17 Uhr

Erst am Mittwoch hat sich die "SZ" für eine in ihrer Zeitung erschienene Karikatur entschuldigt (DWDL.de berichtete). Nun hat sich die Zeitung von Karikaturist Dieter Hanitzsch getrennt, künftig werden von ihm keine Zeichnungen mehr im Blatt erscheinen. Damit endet die jahrzentelange Zusammenarbeit zwischen Hanitzsch und "SZ". Bei der Zeitung spricht man von "unüberbrückbaren Differenzen", die sich auch in den Gesprächen mit Hanitzsch gezeigt hätten.

Der Karikaturist selbst kann die Aufregung um seine Zeichnung nicht so wirklich nachvollziehen. Er zeichnete Israels Premierminister Benjamin Netanjahu im Kostüm der ESC-Gewinnerin Netta. Er hält eine Rakete mit Davidstern in die Höhe - "nächstes Jahr in Jerusalem" sagt er, das ist ein traditionell jüdischer Ausspruch. Netanyahu ist mit übergroßen Ohren, Nase und Lippen dargestellt, auch das gilt als antisemitisch. "Ich wollte damit sagen, dass Netanjahu den Sieg seiner Landsfrau Netta beim Eurovision Song Contest missbraucht hat", sagt Hanitzsch gegenüber dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland".

Der Karikaturist wies den Vorwurf des Antisemitismus zurück. "Das ist eine solche unverschämte Beleidigung und kaum auszuhalten. Es ist der härteste Vorwurf, der mir je gemacht wurde. Einen Netanjahu zu karikieren heißt, ihn nicht schöner zu machen als er ist. Das ist der Sinn der Karikatur. Sie soll verzerren." Er bereue die Karikatur nicht, bedauere es aber, wenn sich dadurch jemand verletzt fühle. Er sagt zudem, dass die Zeichnung nicht zu seinen Glanzstücken zähle. "Aber was da jetzt alles hineingedichtet und interpretiert wird, ist völlig maßlos und im Kontext zu betrachten. Ich bin nicht bereit, jetzt den Stellvertreter für sämtliche Dinge zu geben, die in dem Bereich falsch gelaufen sind."

Hanitzsch bezeichnet seinen Rausschmiss durch die "SZ" als "Überreaktion". "Möglicherweise waren die Proteste so stark, dass die Chefs sich gesagt haben, wir müssen hier ein Exempel statuieren. Anders ist es für mich nicht zu erklären. Ich bin - war, bis gestern - immerhin seit Jahrzehnten für diese Zeitung tätig."

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