Sportjournalist Hajo Seppelt © WDR/Herby Sachs
"Unberechenbares Risiko"

ARD-Dopingexperte Seppelt fährt nicht nach Russland

 

Erst ist sein Visum für ungültig erklärt worden, dann erlaubten russische Behörden seine Einreise doch. ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt fährt nun aber doch nicht zur WM nach Russland. Der Grund: Es ist für den Journalisten zu gefährlich.

von Timo Niemeier
14.06.2018 - 08:16 Uhr

Der Journalist und Dopingexperte Hajo Seppelt fährt nicht zu Fußball-WM nach Russland, das hat die ARD nun mitgeteilt. Die Entscheidung sei nach einem Treffen mit Außenminister Heiko Maas gefallen, heißt es vom Senderverbund. An dem Gespräch nahmen neben Seppelt auch RBB-Intendantin Patricia Schlesinger und ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky teil. Der Grund für die Entscheidung ist schnell erklärt: Seppelt wäre in Russland wohl nicht sicher.

Das Bundeskriminalamt, die Nachrichtendienste und das Landeskriminalamt Berlin rieten laut dem ARD-Politikmagazin "Kontraste" von einer Reise Seppelts nach Russland ab. In einer Analyse des LKA Berlin hieß es bereits Mitte Mai, dass "dringend von einer Reise Seppelts nach Russland abgeraten werde". Größtes Problem sind offenbar die Ermittlungen gegen Grigori Rodschenko, er ist Kronzeuge im russischen Dopingskandal und lebt im Zeugenschutzprogramm in den USA.

Angesichts dieser Untersuchungen befürchten die deutschen Sicherheitsbehörden ein "unberechenbares Risiko" einer "rechtlichen Eskalation". Seppelt laufe Gefahr, in Russland festgesetzt zu werden, wenn er nicht mit den Behörden kooperiere. Außerdem könne es zu "spontanen Gewalttaten selbstmotivierter Akteure" kommen. "Ich bedaure die Entwicklung, aber trage die Entscheidung mit. Den Sicherheitswarnungen des Bundeskriminalamtes kann ich mich nicht verschließen. Insgesamt ist es eine besorgniserregende Entwicklung für den Sportjournalismus, wenn die Ausübung des Jobs bei der Fußball-WM mit kaum kalkulierbaren Risiken und womöglich folgenschweren Konsequenzen verbunden ist", sagt Seppelt.

Dieser nun getroffenen Entscheidung vorausgegangen war ein tagelanges Hickhack um Seppelts mögliche Einreiche. Erst entzogen die russischen Behörden ihm das Visum und machten ihn zu einer unerwünschten Person. Nach viel Kritik hieß es dann, er dürfe doch einreisen. Hintergrund sind Seppelts Aufdeckungen, die den russischen Dopingskandal ins Rollen brachten.

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky sagt: "Die Sicherheit von Hajo Seppelt steht bei uns an erster Stelle. Aus diesem Grund haben wir uns nach intensiver Prüfung der Sachlage und unter Berücksichtigung aller Informationen, die uns vorliegen, für diesen Weg entschieden."

Teilen

Kommentarbereich anzeigen
Montags: Aktuelles aus dem Milliardengeschäft Sport - präsentiert von Eurosport zum Sports-Update Dienstags: Neuigkeiten aus der Welt der Vermarkter und Agenturen zum Media-Update Mittwochs: Very british: Die News der Woche aus UK - präsentiert von ITV Studios Germany zum UK-Update Donnerstags: Die aktuellen Radio-Meldungen präsentiert von Radio NRW. zum Radio-Update Freitags: Die wichtigsten Nachrichten aus der US-Fernseh-Branche präsentiert von AXN zum US-Update Samstags: Ulrike Klode schreibt, was sie in ihrer Serienwoche bewegt hat zu Meine Woche in Serie Sonntags: Fernsehkritiker Hans Hoff über Aufreger und Programmperlen zum Hoff zum Sonntag
Mit den Newslettern der DWDL.de-Redaktion sind Sie werktäglich bestens informiert. Für die Rundum-Versorgung abonnieren Sie einfach alle Angebote oder wählen den für Sie passenden Newsletter...
Name:
E-Mail:
Frage: 6 - 2 =

Ich möchte die folgenden Newsletter erhalten:
Sie können sich jederzeit wieder abmelden. Beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.