Punkt 12 © RTL
Lynchjustiz nach "Punkt 12"-Beitrag

RTL: "Journalistische Sorgfaltspflicht wahrgenommen"

 

Nach einem "Punkt 12"-Beitrag über Pädophile ist es in Bremen zu einem Fall von Lynchjustiz gekommen, bei dem ein Mann lebensgefährlich verletzt wurde. RTL pocht derweil darauf, die journalistische Sorgfaltspflicht wahrgenommen zu haben.

von Alexander Krei
14.06.2018 - 19:28 Uhr

Ein Bericht des RTL-Mittagsmagazins "Punkt 12" war offenbar der Auslöser für einen Fall von Lynchjustiz. In einem Stadtteil von Bremen ist ein 50-Jähriger von bislang unbekannten Tätern überfallen und lebensgefährlich verletzt worden. Die Polizei vermutet, dass sie glaubten, es handle sich bei dem Mann um einen Pädophilen, über den zuvor in dem Beitrag berichtet worden war.

Bei RTL reagierte man geschockt auf den Vorfall. "Die Person, die Opfer einer Lynchjustiz in Bremen wurde, war zu keinem Zeitpunkt Gegenstand der Berichterstattung von RTL", zitiert der "Weserkurier" einen RTL-Sprecher. Der Sender verurteile den "brutalen Akt der Lynchjustiz auf das Schärfste." In dem Beitrag war es nach Angaben von RTL darum gegangen aufzuklären, wie Pädophile eine bei Kindern und Jugendlichen beliebte Internet-Plattform zunutze mache.

Der Sender hatte in einem Beitrag geschildert, wie Reporter über das Internet Kontakt zu vermeintlich Pädophilen suchten. Der Film zeigte in der Folge einen anonymisiert dargestellten Mann, dessen Verhalten durch die Reporter als verdächtig beschrieben und dabei gefilmt wurde. Nach der Ausstrahlung wurde der gefilmte Mann angeblich von Personen aus Bremen-Nord wiedererkannt. Diese meinten im Beitrag die Anschrift des dargestellten Mannes identifiziert zu haben und suchten diese auf.

"Im Beitrag wurden keinerlei Hinweise auf den Ort oder eine vermeintliche Adresse des mutmaßlichen Pädophilen wie etwas Straßennamen oder Hausnummern gezeigt. RTL hat seine journalistische Sorgfaltsplflicht in jeder Hinsicht wahrgenommen", erklärte der Sender. Die Polizei Bremen wies indes darauf hin, dass niemand das Recht habe, die Justiz in die eigene Hand zu nehmen. "Keine Form und kein Anlass zur Selbstjustiz sind tolerierbar", hieß es. Das Opfer schwebt inzwischen nicht mehr in Lebensgefahr.

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