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Noch eine bittere Pille für Endemol Shine Germany

Sat.1 produziert "Akte" ab 2019 selbst in Unterföhring

 

Ab Mitte 2019 will Sat.1 die „Akte“ in Unterföhring selbst produzieren, um „wieder mehr relevante Inhalte aus eigener Hand“ anzubieten. Dafür wird eine neue Redaktion aufgebaut. Die Berliner Meta Productions verliert damit nach 23 Jahren ihre wichtigste Sendung; eine bittere Pille auch für Endemol Shine Germany.

von Thomas Lückerath
26.09.2018 - 12:05 Uhr

Kehrtwende bei ProSiebenSat.1: Hatte man vor wenigen Jahren noch sowohl den eigenen Nachrichtensender N24 verkauft als auch Nachrichtenangebote wie „Sat.1 am Mittag“ oder „Sat.1 - Die Nacht“ beim wichtigsten Sender eingestellt, entdeckt die Sendergruppe seit einiger Zeit den Reiz des Themas Public Value. Vorstand Conrad Albert hat das Thema medienpolitisch bereits mehrfach vorangetrieben, sogar schon einmal den Wunsch geäußert, für die gesellschaftlich relevanten Programme der Sendergruppe einen Teil vom Kuchen des Rundfunkbeitrags abzubekommen.



So versucht man in Unterföhring nun, das Rad wieder zurückzudrehen. Man will, so teilt der Konzern am Mittwochmittag mit, „seine Informationskompetenz und eigene Produktionsaktivitäten ausbauen“. Die Sendergruppe werde künftig an ihrem Hauptstandort in Unterföhring mehr Informationsprogramme selbst produzieren. Erstes Opfer der Strategie ist die Berliner Produktionsfirma Meta Productions. Sie verliert nach 23 Jahren den Produktionsauftrag für das wöchentliche Magazin „Akte“. Im Zuge der Neuausrichtung werde Sat.1 die Sendung ab Mitte 2019 selbst produzieren und dafür am Standort Unterföhring eine Redaktion aufbauen.

„Mit diesem Schritt unterstreichen wir unser Vorhaben, wieder mehr relevante Inhalte aus eigener Hand zu produzieren und damit unser journalistisches Profil zu schärfen. Neben so erfolgreichen Formaten wie ‚Galileo‘, ‚taff‘ oder ‚Abenteuer Leben‘ wollen wir in Zukunft weitere Sendungen in Eigenregie entwickeln, konzipieren und herstellen“, erklärt Wolfgang Link, Vorsitzender Geschäftsführer der ProSiebenSat.1 TV Deutschland GmbH. Sat.1-Geschäftsfüher Pflüger ergänzt: „Für die immer inspirierende Zusammenarbeit und langjährige Partnerschaft bin ich den Kollegen sehr dankbar. Die ,akte‘ ist und bleibt eine der wichtigsten Marken für Sat1.“

Das Schicksal der Berliner Produktionsfirma Meta Productions unter Geschäftsführer Matthias Pfeffer ist nun ungewiss. Schon unter Führung ihres Gründers Ulrich Meyer hatte das Unternehmen Mühen, sich mit weiteren Formaten wirtschaftlich unabhängiger zu machen von der Produktion des wöchentlichen Sat.1-Magazins. Das ist bis zuletzt nur bedingt gelungen. Bitter auch für Endemol Shine Germany, Mehrheitsgesellschafter der Meta Productions: Einen Tag nach der bekanntgewordenen Trennung von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf der nächste Rückschlag.

Das Sat.1-Magazin „Akte“ startete 1995 mit Moderator Ulrich Meyer, dessen 1992 gegründete Produktionsfirma Meta Productions die Sendung seitdem produziert. 1998 übernahm Endemol 40 Prozent der Anteile an dem Berliner Unternehmen. Später stockte Endemol Shine Germany nochmals auf. Bis Ende des Jahres produziert nun noch Meta Productions, danach sollen einige Monate lang „von unterschiedlichen Produktionsfirmen produzierte, monothematische“ Specials laufen, bevor dann im Sommer 2019 die neue „Akte“ aus Unterföhring kommt.

Ob Claus Strunz den Umzug der „Akte“ nach Unterföhring mitmachen wird, ist fraglich. Offizielle Auskunft des Senders am Mittwoch: "Wir planen weiter mit Claus Strunz". Allerdings ist er als Programmgeschäftsführer von MAZ&More in Berlin schließlich auch mit der Produktion des erfolgreichen „Frühstücksfernsehen“ beschäftigt. Es könnte am Ende eine Win-Win-Situation sein: Strunz, am Morgen weitaus erfolgreicher als zuletzt mit der „Akte“ am Abend, kommt so aus der von Ulrich Meyer geerbten, bislang wenig dankbaren Aufgabe heraus.

Und bei Sat.1 in Unterföhring dürfte es für einen Neuaufang der „Akte“ ohne den streitbaren Strunz wiederum auch einige Fans geben. Die Ausrichtung des Magazins hatte zuletzt auch offene Kritik von Senderseite ausgelöst (DWDL.de berichtete), so dass der jetzige Schritt auch als Wunsch eines Kurswechsels zu verstehen sein könnte. Fraglich ist nur, ob die Fernsehrepublik nach einem halben Jahr Überbrückung im Sommer nächsten Jahres wirklich auf die Rückkehr einer seit Jahren so gebeutelten Marke wie „Akte“ wartet.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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