Claude Schmit © Super RTL/Markus Nass
Geschäftsführer Claude Schmit gewährte Ausblick

Super RTL: SVoD-Relaunch, App-Offensive, neue Programme

 

Im linearen Fernsehen hält man die kommerzielle Konkurrenz auf Abstand, gewinnt dank Merchandising-Geschäft neue Programme und will 2019 die App-Offensive weiterausbauen, u.a. mit einem Relaunch des eigenen SVoD-Angebots Kividoo: Super RTL sieht sich gut aufgestellt für 2019.

von Thomas Lückerath
07.11.2018 - 16:16 Uhr

Einmal im Jahr lädt Claude Schmit, Geschäftsführer der RTL Disney Fernsehen GmbH und als solcher Chef des Kindersenders Super RTL, einen ausgesuchten Kreis von Journalisten zu sich nach Hause in Köln-Junkersdorf ein. Das Gansessen ist über die Jahre zur Tradition geworden und löst die Herausforderung, mit Kinderprogrammen und verwandten Themen das Gehör von Medienjournalisten zu bekommen. So ist der jährliche Termin im November beinahe so etwas wie eine Jahrespressekonferenz - allerdings im Wohnzimmer des Geschäftsführers.

Es ist Jahr für Jahr ein interessanter Kontrast zur Tatsache, dass die beiden Gesellschafter des Unternehmens - Disney und die Mediengruppe RTL Deutschland - nicht gerade zu den kleinsten Marktteilnehmern gehören. Herr im Haus ist seit inzwischen 19 Jahren der gebürtige Luxemburger Claude Schmit, der vor zwei Jahren im Rahmen des jährlichen Updates ankündigte, für Super RTL trotz gesundem Kerngeschäft eine neue Digitalstrategie zu entwickeln.



„Natürlich machen wir uns auch Gedanken über die Zukunft der Fernsehnutzung“, sagte Schmit vor zwei Jahren. „Wir sehen, dass die lineare Fernsehnutzung ganz langsam rückläufig ist. Ob das jetzt so weitergeht? Oder einen dramatischen Rückgang geben wird? Das glauben wir nicht, aber wir wollen vorbereitet sein und sind dabei eine Digitalstrategie zu entwickeln. Wir wissen noch nicht wie die aussieht, aber wir wissen: Auch die wird Geld kosten und deswegen ist es praktisch, wenn man Geld hat, um es zu investieren.“

Im August 2017 hat Super RTL mit Boris Bolz dann neuen Chief Digital Officer gefunden, der diese Strategie seitdem ausformulieren und umsetzen soll. Im Frühjahr kündigten Bolz und Senderchef Claude Schmit im DWDL.de-Interview die große App-Offensive des Fernsehsenders an, mit der man sich unabhängiger vom TV-Werbemarkt machen will. Gestern gab es im Wohnzimmer des Senderchefs ein Update zur Entwicklung der neuen digitalen Produkte.

App-Offensive angelaufen

Die Video-App von Toggo wurde 1,3 Millionen mal heruntergeladen, die neuere Spiele-App von Toggo verzeichnete binnen weniger Wochen 0,5 Millionen Downloads. Die Gaming-App zur Gameshow „Super Toy Club“ wurde in den ersten zwei Monaten seit Launch im September bereits mehr als 400.000 Mal installiert. Mit „WoodieHoo“ hat Super RTL auch eine neue Gaming-App für kleinere Kinder gelauncht, die auf dafür neu erfundenen Charakteren basiert. Ein Super RTL-Original, wenn man so will. Die kostenpfichtige App funktioniert ohne Sprache und wurde, auch ein Experiment, in 137 Ländern gelauncht. Zahlen rückt man hier nicht heraus, aber kündigt weitere Apps aus dem „WoodieHoo“-Universum an.

Die App-Offensive geht aber weiter. Mit einem Mix aus werbefinanzierten und kostenpflichtigen Apps will Super RTL auch 2019 weitere neue Apps in den Markt bringen. Die etablierte Kleinkind-Marke Toggolino erhält Ende Januar eine neue App mit Mediatheken-Logik im Freemium-Modell, die Eltern Nutzungsbeschränkungen und Zeiteinstellungen ermöglicht. Für Ende März kündigte Chief Digital Officer Boris Bolz einen Relaunch des SVoD-Angebots Kividoo an, das künftig mit einem kostenfreien Gast-Zugang die Möglichkeit gibt, es vor Abo-Abschluss auszuprobieren. Die App soll in Funktionalität ausgebaut werden und auch auf Apple TV und Co. kommen.

Ebenfalls schon im Frühjahr im DWDL.de-Interview angekündigt: Ein Social Network für Kinder, das durch intensive redaktionelle Betreuung und ein geschlossenes Eco-System ein sicheres Umfeld für Kinder unter 13 Jahren bieten soll. Bei der App handelt es sich um eine deutsche Adaption der in den USA und UK schon erhältlichen „Popjam“-App. In Deutschland wird diese „PopShake“ heißen. Der Start ist für das erste Quartal 2019 geplant. Welchen Anteil das Digitalgeschäft am Gesamtumsatz des Unternehmens hat, verriet Super RTL allerdings nicht.

Merchandising mache den Unterschied

Anders beim Merchandising-Geschäft: Hier gibt Geschäftsführer Schmit zu Protokoll, dass die Erlöse aus diesem Segment mittlerweile 10 Prozent des Ertrags der RTL Disney Fernsehen GmbH ausmachen: „Noch vor zwei Jahren war es weniger als die Hälfte“. Die erzielte Reichweite eines Programms aus einer Hand zusätzlich durch Merchandising zu monetarisieren, sei ein Grund warum auch ein Nickelodeon-Programm wie „Paw Patrol“ inzwischen bei Super RTL zuhause ist. Die eigene Lizenzagentur sei ein entscheidender Wettbewerbsvorteil, so Geschäftsführer Claude Schmit. Vom Kika wiederum kommt 2019 die Animationsserie „Super Wings“ zu Super RTL - auch in diesem Fall sei das Merchandising-Geschäft ausschlaggebend gewesen.

Das seit 20 Jahren etablierte Merchandising-Geschäft und die jüngste Offensive im Digitalen sind zwei Säulen, die das Ergebnis des Unternehmens in den kommenden Jahren stärker als bisher stützen sollen. Claude Schmit erklärt: „Unsere Marktanteile steigen, aber die absoluten Reichweiten des linearen Programms sinken.“ Von akuten Sorgen sei man aber weit entfernt bei Super RTL und verweist auf die starke Performance im jungen Zuschauermarkt 2018. Schmit. „Wir sind unverändert stärker als die beiden anderen kommerziellen Kindersender zusammen. Wir erleben definitiv eines der besseren Jahre von Super RTL.“

Aktuell liegt der Sender bei einem Jahresmarktanteil von 21,8 Prozent bei den Kindern (3 bis 13 Jahren) - und damit vor dem Kika mit 18,0 Prozet, Disney mit 11,3 Prozent und Nickelodeon mit 7,5 Prozent. „Unser Ziel ist mittelfristig 23 Prozent, aber noch nicht im nächsten Jahr“, so die sportliche Ansage von Schmit. Er rechnet damit, dass man zurückkehren könne auf ein Marktanteilsniveau vor dem Markteintritt des linearen Disney Channel, dem Schmit nicht zutraut, dauerhaft elf Prozent Marktanteil halten zu können.

Ausblick aufs Programm 2019

Einen Ausblick auf das Programm des kommenden Jahres gab in diesem Jahr erstmals Alexander Betzler, Head of Strategic Programming. Zuletzt war das Aufgabe von Programmdirektor Carsten Göttel, der den Sender jedoch im Sommer verlassen hat. Der Kurs bleibt grundsätzlich unverändert: Cherry-Picking einzelner Animationsserien, lokale Eigenproduktionen, Nostalgie-Serien und Kino in Serie seien die vier Bausteine des Programms auch für 2019. Beim „Super Toy Club“ erhöht man die Dosis: Neun weitere Folgen vor Ostern und ab Herbst dann Staffel 3.

„Woozle Google“ bekommt ein SpinOff und in 78 Folgen a 7 Minuten gibt es 2019 eine Neuauflage des Zeichentrickklassikers „Mr. Magoo“ zu sehen. Dazu sind zwei neue Staffeln „Alvinn!!! Und die Chipmunks“ sowie „Lego Jurassic World“ mit Kurzfilmen und einer neuen Serien eingekauft. Mit „Mighty Mike“ zeigt Super RTL im nächsten Jahr auch animierte Slapstick-Comedy aus dem Tierreich. In der Primetime wiederum bleibt man unbeirrt beim erfolgreich etablierten Genre des True Crime.

„Wir haben als einziger großer Sender in der Primetime substanzielles Wachstum verzeichnet“, freut sich Schmit über die nach Jahren der Experimente gefundene Lösung für die abendlichen Stunden nach dem Kinderprogramm. Zusammen mit stabilen Quoten in der Daytime, einem wachsenden Licensing-Geschäft und den neuen digitalen Angeboten sieht der Geschäftsführer die RTL Disney Fernsehen GmbH auf gutem Wege vom Fernsehsender zum Content-Hub, wie man sich im Unternehmen selber sieht.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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