VOX-Programmpräsentation im April 2019 © MG RTL D / Nady El-Tounsy
Henssler, Kretschmer, Kelly in Berlin

Vox-Show-Offensive im Frühjahr: "Das juckt doch wieder"

 

Mit "Guidos Masterclass", der Neuauflage von "Grill den Henssler" und "Sing meinen Song" wuchtet Vox Ende April eine Show-Phalanx ins Programm, in der bekannte Gesichter neue Akzente setzen sollen. Im Herbst versucht sich die Unterhaltungs-Doppelspitze schließlich an einer Genre-Erweiterung.

von Peer Schader , Berlin
05.04.2019 - 17:37 Uhr

Eine lange erwartete Rückkehr, ein hoffnungsvoller Neustart, ein Klassiker mit neuer Energie – in Berlin hat Vox am Freitagmittag seine Entertainment-Phalanx für dieses Frühjahr vorgestellt und damit seinen Anspruch erneuert, den deutschen Zuschauern ihren Start in die neue Woche so unterhaltsam wie möglich zu gestalten.

Ab Ende April bespielt der Sender die Primetime-Programmplätze am Sonntag, Montag und Dienstag durchgehend mit eigenproduzierter Unterhaltung und versucht, bekannten Konzepten neue Elemente beizumischen, um die Zuschauer neugierig aufs Einschalten zu machen.

Den Anfang macht am 29. April Guido Maria-Kretschmer mit einem Wettbewerb für Jungdesigner, die in „Guido’s Masterclass“ ihre kreativen Fähigkeiten beweisen und ausbauen sollen. Tatkräftige Unterstützung gibt’s nicht nur vom Namensgeber der Sendung selbst, sondern einer ganzen Reihe prominenter Gäste, zu denen u.a. Designer Wolfgang Joop, Supermodel Karolína Kurková und die Chefredakteure zahlreicher Modezeitschriften gehören. „Ich glaube, es braucht [im deutschen Fernsehen] eine Sendung, die Talenten die Chance bietet, zu zeigen, dass es sie gibt“, sagte Kretschmer in Berlin.

Kein klassisches Casting

„Guidos Masterclass“ solle kein klassisches Casting werden, sondern echte Talentförderung bieten. Der Erstplatzierte erhält 50.000 Euro, ein Jahr Guido-Coaching und eine Foto-Anzeigen-Strecke in der deutschen „Vogue“. „Unser Ziel ist es aber, dass auch die Teilnehmer auf dem dritten und vierten Platz noch die Chance haben, künftig von ihrer Leidenschaft leben zu können.“ Kretschmer verspricht, die Rituale des Genres nicht überzustrapazieren: „Laut ist immer doof. Aber ich pass schon auf, den Leuten die Wahrheit zu sagen.“

Guidos Masterclass© TVNOW / Andreas Friese


Zuletzt war ProSieben mit „Fashion Hero“ daran gescheitert, einen Designer-Wettbewerb im deutschen Fernsehen zu etablieren. Die Vox-Variante hat nun den klaren Vorteil, mit Kretschmer über einen Protagonisten zu verfügen, der das Format sehr glaubwürdig präsentieren kann. Produziert wird „Guidos Masterclass“ von Constantin Entertainment.

Am 5. Mai gesellt sich schließlich ein alter Bekannter auf dem Sendeplatz am Sonntag dazu: Steffen Henssler ist wieder da und tritt in der grundrenovierten Neuauflage von „Grill den Henssler“ gegen prominente Herausforderer an, diesmal u.a. Christine Urspruch, Mario Barth und – Guido Maria Kretschmer („Ich koch sonst gern privat und schluck’s auch runter, wie man sieht“).

VOX-Programmpräsentation im April 2019© DWDL/Schader


Dass er Lust bekommen hat, an seine alte Wirkungsstätte zurückzukehren, habe sich bei der Aufzeichnung des „Grill den Profi“-Sommerspecials im vergangenen Jahr herausgestellt. Das sollte eigentlich den vorübergehenden Abschied der Show vom Bildschirm einläuten. Henssler war kurzfristig für Nelson Müller eingesprungen: „Ich hab schnell gemerkt: das juckt doch wieder.“ Als er kurz darauf „Schlag den Henssler“ bei ProSieben beendete, war die Fortsetzung eine naheliegende Option.

Mehr Feuer im Studio

Die große Klappe ist auf jeden Fall noch da – und hat auch den Sender angesteckt, der im Einspielfilm mit Henssler in Ketten tönte: „Wir holen uns wieder, was uns gehört.“ Henssler protzte: „Die Zeit der Spielchen ist vorbei!“ Und meinte auf die Frage, was das Schlimmste war, das er je gesagt hat: „Willkommen bei ProSieben.“ (Im Scherz natürlich, im Scherz!)

Neu ist künftig nicht nur die Jury (neben Rainer Calmund kommen Christian Rach und Mirja Boes dazu; DWDL.de berichtete), sondern auch Moderatorin Annie Hoffmann. Und das Studio, das neuerdings im Industrie-Design glänzt, sehr viel zeitgemäßer wirkt und über eine offene Feuerstelle verfügt. Produziert wird weiterhin von ITV Studios Germany.

VOX-Programmpräsentation im April 2019© DWDL/Schader

Zwei Tage später startet am Dienstagabend schließlich die sechste Staffel „Sing meinen Song – das Tauschkonzert“, diesmal mit Gastgeber Michael Patrick Kelly, der schon zwei Jahre zuvor als Gast dabei war. „Ich war anfangs unsicher, ob sich diese einmalige Erfahrung so wiederholen lassen würde – zumal ich, was Fernsehen angeht, skeptisch bin. Oft wird man als Musiker in Bedingungen gezwungen, auf die man eigentlich keine Lust hat. Bei ‚Sing meinen Song‘ ist das anders“, sagte Kelly in Berlin und erklärte: „Es gibt zum Beispiel keinen Moderator der komische Fragen stellt“ – um sich unter dem Gelächter seiner Kollegen direkt bei „Prominent“-Moderatorin Laura Dahm zu entschuldigen, die da war, um komische Fragen zu stellen.

Ensemble auch auf der Live-Bühne

Mit nach Südafrika sind diesmal Milow, Wincent Weiss, Johannes Oerding, Alvaro Soler, Jeanette Biedermann und Jennifer Haben gefahren – und zumindest in Berlin schien die Stimmung in der Gruppe, die bei „Sing meinen Song“ Deutsch, Englisch und Spanisch singen wird, prächtig. Man habe sich so gut verstanden, dass man im September plane, das komplette Ensemble erstmals auch auf die Live-Bühne zu bringen. Wann und wo genau, steht noch nicht fest.

Sing meinen Song Staffel 6© TVNOW / Markus Hertrich


Bis es soweit ist, hat Vox noch eine Reihe weiterer Projekte in der Pipeline – über die seit wenigen Wochen nicht mehr der langjährige Vox-Chefredakteur Kai Sturm wacht, der zu RTL gewechselt ist. Unter dem neuen Geschäftsführer Sascha Schwingel (bislang: Degeto) wird die Vox-Unterhaltung künftig von einer Doppelspitze geführt: Kirsten Petersen, die bisher Ressortleiterin Programmentwicklung bei RTL war (und aus persönlichen Gründen nicht in Berlin sein konnte) und Marcel Amruschkewitz, der sich auch in seiner neuen Funktion weiter um das internationale Formatscouting von Vox kümmern wird (DWDL.de berichtete).

Genre-Erweiterung im Herbst

Eines der größten Projekte, das im Herbst ansteht, wird zweifellos die Neuauflage der Überlebensshow „Survivor“ – die schon deshalb ein Wagnis ist, weil Inselkämpfe bislang noch keinem deutschen Sender so richtig glücken wollten. Vox versucht trotzdem einen neuen Anlauf und will (auch hier) mit Ehrlichkeit statt geskripteter Dramen punkten.

Mit „Survivor“ versuche man eine Genre-Erweiterung, allerdings mit klaren Anknüpfungspunkten an das, was die Zuschauer schon  aus anderen Vox-Shows kennen: den Wettbewerbsgedanken, heißt es im Unterhaltungs-Team. Die Motivation, „Survivor“ zum Erfolg zu führen, sei groß. Kein Wunder: Wenn das Kunststück gelingt, wäre das Format ein neues Alleinstellungsmerkmal und könnte im Programm auch eine längere Strecke besetzen. Drehstart ist im Sommer, produziert wird von Banijay Productions Germany.

Schon früher startet voraussichtlich die neue Koch-Competition „Ready to Beef“, in der erstmals zwei Profiköche mit einem Mitglied aus ihrer Küchen-Crew gegeneinander kochen – und sich von Tim Raue als Jurymitglied bewerten lassen müssen, während Tim Mälzer als Host durch die Sendung führt. Was durchaus nach Abenteuer klingt.

Und im Sommer kommt „7 Töchter“ als dreiteilige Reihe (und „6 Mütter“-Spin-off), die zeigen will, wie die Töchter prominenter Eltern mit der Öffentlichkeit umgehen, die sie sich nicht ausgesucht haben.

Sorgen, dass sich die Zuschauer langsam an Dauerbrennern wie „Die Höhle der Löwen“ (das ebenfalls in eine neue Runde geht) sattsehen könnten, macht sich Unterhaltungs-Chef Amruschkewitz nicht: „Lang laufende Formate sind erfolgreich, wenn genügend Stoff und Talente da sind, um sie immer wieder ein Stück weit neu zu erfinden: neue Sänger, neue Erfinder, neue Löwen. Ich sehe bei den Vox-Formaten keine Ermüdungserscheinungen. Im Gegenteil: Sie helfen uns im Kampf um die Aufmerksamkeit der Zuschauer enorm.“

Über den Autor

Peer Schader arbeitet als freier Journalist in Berlin. Schrieb seine erste TV-Kritik 2000 über eine RTL-II-Fahrschuldokusoap (und danach noch ein paar mehr). Mag Fernsehen vor allem dann, wenn es sich richtig viel Mühe gibt, sein Publikum zu fesseln.

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