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"Systematisch und vorsätzlich getäuscht"

RTL-Reporter hat noch mehr Beiträge manipuliert

 

Der Manipulationsskandal bei RTL weitet sich aus: Der Reporter, von dem man sich vor einigen Wochen trennte, hat mehr Beiträge als bislang bekannt verfälscht. Das hat nun eine Untersuchung ergeben. Betroffen ist vor allen "Punkt 12".

von Timo Niemeier
24.07.2019 - 11:12 Uhr

Mitte Juni hat RTL öffentlich gemacht, dass ein Reporter von RTL Nord über Jahre hinweg Beiträge im Programm des Senders manipuliert hat. Von sieben Beiträgen war damals die Rede, der Sender trennte sich daraufhin von dem Mann und leitete umfassende Untersuchungen ein. Nun hat man eine vorläufige Bilanz gezogen - und die fällt wenig schmeichelhaft aus. Zusätzlich zu den sieben Beiträge kommen nun 14 weitere hinzu, in denen es Manipulationen gegeben hat. Insgesamt wurden 104 Reportagen überprüft, die der Reporter vorrangig für "Punkt 12" produziert hat. 

Außerdem gibt es gegen den Mann weitere Verdachtsmomente, "die noch nicht abschließend verifiziert werden konnten", heißt es vom Sender. Es könnte also noch mehr manipulierte Beiträge geben. Der Reporter, so RTL, habe über einen Zeitraum von knapp zehn Jahren "sowohl die eigene Redaktion als auch die Zuschauer immer wieder systematisch und vorsätzlich getäuscht".

Bei der Überprüfung wurden drei wiederkehrende Muster entdeckt. So täuschte der Mann bei Selbstversuchen mehrmals bei der angeblichen Dauer seiner Experimente. Dann überredete er öfters Menschen dazu, Dinge zu behaupten, die sie so niemals erlebt haben oder sagte ihnen, sie sollten nur Geschichten nacherzählen, die ihm Protagonisten, die nicht gefilmt werden wollten, berichtet hatten. Er gab dann vor, die Szenen nur nachzustellen, band sie aber als echte Szenen in seine Beiträge ein. Darüber hinaus nutzte der Reporter häufig Archivbilder, um seine Thesen zu untermauern. Anstatt das kenntlich zu machen, suggerierte er, dass er die Bilder frisch gedreht habe.

Künftig gibt es stichprobenartige Kontrollen

RTL-Chefredakteur Michael Wulf zeigt sich "erschrocken, dass trotz unserer umfangreichen Kontrollmechanismen ein Mitarbeiter über Jahre hinweg vorsätzlich täuschen und manipulieren konnte." Aus diesem Grund habe man gemeinsam mit dem Qualitätsmanagement die Abnahmeverfahren "deutlich ausgebaut". Zudem will man Beiträge von Reportern künftig stichprobenartig kontrollieren und dazu auch das Rohmaterial sichten. Außerdem hat man im Sender nun ein Postfach eingerichtet, in dem Mitarbeiter anonym Hinweise auf Unregelmäßigkeiten geben können.

Bekannt geworden sind die Manipulationen, weil eine Kollegin des Reporters darauf aufmerksam wurde und die entsprechenden Verdachtsmomente meldete. Im Juni hatte RTL noch gesagt, der Reporter habe versucht, die Vorwürfe zu relativieren. Derzeit prüft man bei RTL, ob man juristische Schritte gegen den ehemaligen Mitarbeiter einleiten wird. 

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