Preacher, Dominic Cooper © Amazon
DWDL.de-Gespräch mit dem "Preacher"

"Sie waren schockiert, als wir Tom Cruise explodieren ließen"

 

Nach vier Staffeln geht die Serie "Preacher" nun zu Ende. Anlass genug, um sich mit dem Hauptdarsteller Dominic Cooper zu unterhalten. Im Interview spricht er über Gewalt in der Serie, die Nähe zur Comic-Vorlage und eine lautstarke Fan-Community.

von Kevin Hennings
06.08.2019 - 15:55 Uhr

Die wichtigste Frage zu Beginn: Wie viel Zeit hat es an einem Drehtag gekostet, bis ihre Haare gestylt waren?

Ich hätte keine andere erste Frage akzeptiert. Tatsächlich ging das mit einer Dose Haarspray recht schnell. Das Gewicht, dass ich dann mit mir herumzutragen hatte, sollte aber nicht unterschätzt werden.

Natürlich sollen Sie nichts spoilern. Verraten Sie uns aber doch, wie sehr das Ende der Serie dem Ende des Comics ähnelt. 

Bei solchen Projekten ist es immer eine meiner größten Sorgen, dass wir das Original nicht genug würdigen bzw. unter dem Niveau performen. Wir haben glücklicherweise Autoren an Bord, die es zum Finale hin drauf hatten, all die Storystränge, die kein Teil des ursprünglichen Comics waren, derart in die richtige Richtung zu biegen, dass die letzte Folge für alle etwas zu bieten hat. Freunde des Originals werden bekannte Elemente erkennen und die Zuschauer, die überrascht werden wollen, werden es.

Welchen Unterschied zum Comic mochten Sie am meisten an der Serie?

Gott wurde in den Comics anders und präsenter dargestellt, als in der Serie. Mir gefiel das, weil der Zuschauer so weitaus intensiver über ihn nachdenken konnte, ohne durchgehend alles visuell serviert zu bekommen.

Sind Sie mit ihrer Darstellung des Preachers schlussendlich zufrieden?

Am Ende schaut man immer zurück und bemerkt Dinge, die im Nachhinein besser hätten gemacht werden können. Fast immer. Ich bin mit meiner Performance zufrieden und freue mich, dass die Fans es ähnlich sehen. Selbst der texanische Akzent, den ich als Brite erst einmal lernen musste, war nach kurzer Eingewöhnung kein Problem mehr.

Hatte der Akzent, den Sie für ihre Figur eingesetzt haben, einen Effekt auf ihren echten Akzent?

Nein, sollte das so sein?

Möglicherweise. Charlie Hunnam, beispielsweise, musste eine Sprachtherapie absolvieren, um seine natürliche Stimmlage neu zu erlangen. Er hat den amerikanischen Akzent für "Sons of Anarchy" derart lange performen müssen, dass er irgendwann auch im Alltag so gesprochen hat.

Verrückt. "Sons of Anarchy" lief aber auch länger, als "Preacher". Dann kann ich ja froh sein, dass es keine weiteren Staffeln geben wird. (lacht)

Wie überrascht waren Sie generell über die Entscheidung, dass es überhaupt eine vierte Staffel geben wird? "Preacher" hat nicht die größte Fan-Community, auch die Quoten waren nie umwerfend.

Wir gehören zu den Shows, die noch einmal verlängert wurden, weil die Qualität gestimmt hat. Außerdem haben wir zwar eine kleine Fangemeinschaft, die dafür aber sehr laut ist. Wäre die Serie ohne würdiges Finale abgesetzt worden, hätte es wohl einen kleinen Aufstand im Internet gegeben.

Welche Worte möchten Sie den Fans mit auf den Weg geben, bevor sie die letzte Staffel schauen?

Sie sollten darauf vorbereitet sein, dass es im Finale vor allem um die Beziehungen der Charaktere geht und diese in den Fokus gerückt werden, nicht das Szenario an sich. Natürlich werden auch die wichtigsten Fragen aufgeklärt, jedoch war es bei "Preacher" schon immer wichtig, dass es um die Figuren geht.

Preacher

Choose your weapon: In "Preacher" ging es oft blutig her

"Preacher" enthält eine Menge Gewalt und Action. Hätte die Serie auch ohne funktioniert?

Es wäre schwer gewesen, diese Inszenierung zu vermeiden. Wir erzählen und zeigen Dinge überspitzt, um die Story in kurzer Zeit weit voranzubringen. Außerdem finde ich die Ästhetik von "Preacher" derart ansprechend, dass ich es mir ohne diese rohen Zustände kaum vorstellen kann. Das ist nunmal auch eine Form von Entertainment.

Hatten Sie persönliche Grenzen? Gab es Szenen, die Sie nicht sofort drehen wollten?

Ach, dieser Wahnsinn wurde schnell Normalität für mich. Nach der ersten Staffel konnte mich kaum eine Absurdität noch überraschen. Wir haben ja aber auch keine Horrorserie gedreht. Es war immer eine Mischung aus grotesken Darstellungen und einer gewissen Prise Humor, wodurch du über viele Dinge, die du am Set erlebst, einfach lachen musst.

Ging es Heimatsender AMC auch so, oder wurden gewisse Pläne der Serienmacher durchkreuzt?

Sie waren ziemlich schockiert, als wir Tom Cruise in der ersten Folge der ersten Staffel haben explodieren lassen. Da gab's auch einen bösen Anruf von seinem Manager. Danach hat AMC etwas genauer hingeschaut, uns aber weiterhin viel Freiraum gegeben.

In welcher Reihenfolge würden Sie die Staffeln von der besten bis zur schlechtesten ordnen, auch wenn es natürlich keine schlechteste gibt?

Das kann ich wirklich nicht. Ich liebe die erste Staffel jedoch, weil wir uns dort nicht nur an den Comic gehalten und viel experimentiert haben. Die letzte Staffel liebe ich dafür, dass wir, vor allem um der Fans willen, sehr nah an der Vorlage waren. Das war ein guter Mix.

Wir würden Sie die letzten Minuten von "Preacher" beschreiben?

Explosiv, gefährlich, blutig und extrem bewegend.

Mr. Cooper, vielen Dank für das Gespräch.

Die vierte Staffel "Preacher" ist ab sofort bei Amazon Prime Video zu sehen.

Über den Autor

Der Gerade-noch-Volo-nun-Jung-Redakteur Kevin Hennings ist seit 2016 bei DWDL.de. Neben seiner Liebe zur Serienwelt, die er oft in Form von Kritiken und Kommentaren zeigt, hegt er eine intensive Leidenschaft für Stand-Up-Comedy und Podcasts.

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