Viacom © imago images / Levine-Roberts
MTV, Comedy Central & Nickelodeon

Viacom-Pläne: "Für jede Zielgruppe ein eigener Sender"

 

Bestehende Inhalte über neue Plattformen zugänglich machen ist für Viacom inzwischen ähnlich wichtig wie die Entwicklung neuer Programmideen. In Berlin lieferte der Konzern beim "Showcase 2019" einen Ausblick auf die kommenden Monate.

von Peer Schader , Berlin
11.09.2019 - 14:06 Uhr

Dass die deutschen Fernsehzuschauer ihre Aufmerksamkeit zunehmend auf immer mehr kleinere Spartensender verteilen, kann Viacom International Media Networks (VIMN) nur recht sein: Mit seinen drei Sendermarken MTV, Comedy Central und Nickelodeon verfügt der US-Konzern schließlich auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz über ein breites Portfolio an Programminhalten aus Comedy, Musik und für Kinder und Jugendliche. In Berlin hat VIMN am Dienstagabend beim „Viacom Showcase 2019“ einen kleinen Ausblick auf die Neuerungen der kommenden Wochen und Monate geliefert. Dabei standen Strategien, bestehende Inhalte über neue Plattformen zu verteilen und zugänglich machen, ähnlich stark im Fokus wie die Entwicklung eigener Programmideen.

Beim Flagschiff MTV – laut Viacom die „bekannteste globale Jugendmarke“ für „premium music related content“ – hält sich die Innovation zunächst aber stark in Grenzen: Gerade ist die zweite Staffel der Eigenproduktion „Yo! MTV Raps“ angelaufen; außerdem sind „MTV Unplugged“-Ausgaben mit Santiano und Max Raabe geplant. Das war’s aber im Wesentlichen schon.

Comedians auf Reisen

Für Comedy Central zog Wolfgang Til, Brand Director Comedy Central GSA (Germany, Switzerland, Austria), eine kurze Bilanz des vergangenen Dreivierteljahrs und freute sich, „zwölf Stunden Sendezeit im Free TV“ geschenkt bekommen zu haben (die Comedy Central durch die Einstellung von Viva Ende 2018 zugeschlagen bekam). Die nutzt man u.a., um Animationsserien wie „Rick & Morty“ und „Bojack Houseman“ zu zeigen (DWDL.de berichtete); außerdem hat Viacom den Sitcom-Klassiker „Modern Family“ zu sich geholt, zeigt derzeit die 9. Staffel als Free-TV-Premiere und hat Staffel 10 bereits fürs neue Jahr eingeplant. Am 18. Oktober stößt eine weitere Eigenproduktion zum Line-up: Für „Der Comedy-Roadtrip“ schickt der Sender das Trio Ingmar Stadelmann, Osan Yaran und Thomas Schmidt auf Reisen durch deutschsprachige Lande: in den Spreewald nach Brandenburg, Grindelwald in der Schweiz, nach Solingen, Hamburg und Wien. Dort treffen die Comedians auf ganz normale Bürger, die ihnen helfen sollen, die Besonderheiten der Region zu entdecken – und bedanken sich mit einem Stand-up-Auftritt. „Das ist auch ein Stück Gesellschaftsstudie“, beschrieb Stadelmann die Idee in Berlin – und ließ Schmidt das Konzept als „eine Mischung aus Schwachsinn und Leute kennenlernen“ differenzieren. Die Folgen laufen wöchentlich um 23 Uhr.

Kindersender Nickelodeon freut sich derweil über den wachsenden Zuspruch für seine Eigenproduktion „Spotlight“ über Teenager, die sich an der Berlin School of Arts im Singen, Tanzen und Schauspielern üben (und dabei ganz normale Teenager-Probleme bewältigen). Die am Sonntag anlaufende vierte Staffel umfasst 93 neue Folgen, für die der Cast um mehrere Protagonisten erweitert wurde – unter anderem „GZSZ“-Urgestein Wolfgang Bahro, der einen durchgeknallten Dichter spielt. Dazu gibt’s in Kooperation mit einer Drogeriemarktkette „Spotlight“-Merchandising-Produkte rund um die Schule und erstmals ein eigenes Magazin. Außerdem feiert Nick zu allen sich bietenden Gelegenheiten den 20. Geburtstag von Spongebob und veranstaltet am Wochenende eine Neuauflage des im vergangenen Genen jähr erstmals nach Deutschland geholten „Slimefest“.

Pluto TV mit eigenen Viacom-Channels

Vor allem scheint man sich bei VIMN aber darauf zu konzentrieren, für seine Programmmarken neue „Touchpoints“ zu schaffen – so wie Nick+, das über die Megathek der Telekom abrufbar ist, und Comedy Central+ sowie MTV+ bei Amazon Channels. Neu hinzu kommt myMTV Music, das als personaliserbarer Musikvideo-Streamingdienst mit einem Kooperationspartner in der Schweiz launchen soll, wie Michael Keidel, Vice President Content Distribution and Sales GSA, ankündigte.

Partner für seine so genannten „premium niche outlets“ muss sich Viacom aber nicht zwangsläufig extern suchen. Zu Beginn des Jahres hat der Konzern für 340 Millionen US-Dollar den Streaming-Anbieter Pluto TV übernommen, der Zuschauerinnen und Zuschauern eine werbefinanzierte Alternative zu Netflix und Prime Video anbietet. Dafür setzt der in den USA gestartete Dienst auf „Channels“, die wie klassisches Free TV programmiert werden und ihren Nutzern versprechen, sich nicht selbst konsumierbare Inhalte aus riesigen Katalogen heraussuchen zu müssen.

„Wir wollen für jede Zielgruppe einen eigenen Sender kreieren“, erklärte Olivier Jollet, Managing Director Europe von Pluto TV. In Deutschland sind derzeit 32 Channels abrufbar. Bei der Weiterentwicklung kann die neue Mutter kräftig helfen – und ihre eigenen Marken weiter differenzieren. Auf „MTV Pluto TV“ läuft ein Best-of von MTV, „MTV Dating“ bündelt – wie der Name schon sagt – sämtliche Dating-Shows der Gruppe, dazu wird mit Pop-up-Channels wie „MTV Teen Mom“, „MTV The Hills“ und „MTV The Stores“ experimentiert. Neu sind die ersten beiden Comedy-Central-Channels, ebenfalls mit einer Best-of-Variante und „CC Made in Germany“, wo ausschließlich deutsche Comedy-Produktionen laufen (DWDL.de berichtete). Jollet: „Bis Ende des Jahres wollen wir insgesamt 70 Sender live haben.“

Dann steht – aller Wahrscheinlichkeit nach – in den USA auch die Fusion mit CBS an, die Viacom den Zugriff auf zahlreiche interessante Programmmarken und TV-Klassiker ermöglichen würde. Zuvor waren bereits mehrere Versuche, die beiden Konzerne wieder zusammenzuführen, gescheitert.

Korrektur: In der ursprünglichen Variante dieses Texts stand, es sei ein "MTV Unplugged" mit der Hip-Hop-Formation Die Orsons geplant. Das ist nicht der Fall. Die Orsons sind beim "Showcase" lediglich vor einem "MTV Unplugged"-Schriftzug aufgetreten. Dazu sind Comedy Central+ und MTV+ als Amazon Channels gestartet, nicht bei Apple TV.

Über den Autor

Peer Schader arbeitet als freier Journalist in Berlin. Schrieb seine erste TV-Kritik 2000 über eine RTL-II-Fahrschuldokusoap (und danach noch ein paar mehr). Mag Fernsehen vor allem dann, wenn es sich richtig viel Mühe gibt, sein Publikum zu fesseln.

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