ProSiebenSat.1, Mediaset © ProSiebenSat.1/Mediaset
Kommt die europäische Fernsehallianz?

Berlusconis Mediaset erhöht Anteile an ProSiebenSat.1

 

Zuletzt konnte man den Eindruck gewinnen, der italienische Medienkonzern Mediaset drängt ProSiebenSat.1 gegen ihren Willen zu mehr Zusammenarbeit. Nun haben die Italiener ihre Anteile am deutschen Medienkonzern erhöht.

von Timo Niemeier
11.11.2019 - 19:18 Uhr

Die Mediaset-Gruppe hat ihre Anteile an ProSiebenSat.1 um 5,5 Prozentpunkte erhöht und hält nun 15,1 Prozent des Aktienkapitals des deutschen Medienunternehmens. Das hat Mediaset am Montagabend bekanntgegeben. Der italienische Medienkonzern spricht von einem "wichtigen Meilenstein" für die eigene, paneuropäische Portfolio-Strategie. Mit dem Erwerb setze man seine Strategie fort, ein länderübergreifendes Portfolio mit Zugang zu wichtigen Märkten aufzubauen, heißt es. 

Erst im Mai war Mediaset überhaupt bei ProSiebenSat.1 eingestiegen. Im Juni dieses Jahres gründete man die Holding Media For Europe (MFE), dort hält man Beteiligungen an verschiedenen Medienkonzernen in Europa - unter anderem auch die an ProSiebenSat.1. Im Juli sprach Pier Silvio Berlusconi, Chef des italienischen Medienkonzerns und Sohn von Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi, bereits über einen möglichen Zusammenschluss der beiden Konzerne (DWDL.de berichtete). 

In Unterföhring wurden diese Avancen mehr oder weniger kühl zurückgewiesen. Bereits als Berlusconi versuchte, ProSiebenSat.1 für die MFE zu begeistern, hieß es von Max Conze, dass man sich lieber auf die Einführung von Joyn konzentrieren und intelligente Werbetechnologien entwickeln wolle. "Wir sind nicht an solchen Diskussionen beteiligt", so der CEO über die damaligen Pläne einer gemeinsamen Holding. Zuvor schlossen sowohl Conze als auch Vize-CEO Conrad Albert eine Fusion von Mediaset und ProSiebenSat.1 aus. Bislang soll es keine tiefergehenden Gespräche zwischen ProSiebenSat.1 und Mediaset gegeben haben. Die Aufstockung der Anteile könnte nun der Versuch von Mediaset sein, Max Conze & Co. doch an den Verhandlungstisch zu bringen, um über einer tiefergehende Kooperation oder gar Fusion zu verhandeln. 

Bei Mediaset denkt man inzwischen bekanntlich in ganz großen Maßstäben: So heißt es, die Anteilsaufstockung würde nun auch die Wettbewerbsposition Europas auf dem globalen Markt verbessern. Größe werde zu einem entscheidenden strategischen Faktor. "Mediaset ist überzeugt, dass es eine europaweite Antwort auf den zunehmenden Wettbewerb und technologische Herausforderungen geben muss. Größenvorteile werden es allen europäischen Medienunternehmen ermöglichen, auf Augenhöhe im Wettbewerb zu stehen, indem sie ihre jeweiligen Führungspositionen in den Bereichen lineare und nichtlineare Unterhaltung, Content, Technologie und Daten nutzen."

Künftig sollen paneuropäische Strukturen stärker als bislang dazu beitragen, "die notwendige Größe zu schaffen, um für Werbungstreibende attraktiver zu werden, in Spitzentechnologien zu investieren und sich auf die wettbewerbsfähige Produktion von Content sowie auf ein breiteres digitales und On-Demand-Angebot konzentrieren zu können". ProSiebenSat.1 habe "erhebliches Wachstumspotenzial", heißt es aus Italien.

Von ProSiebenSat.1 heißt es, man wertschätze alle Investitionen, einschließlich der von Mediaset, "als Bestätigung unserer Strategie". Ähnlich hatte man sich auch im Mai nach dem Einstieg Mediasets geäußert. Eine Unternehmenssprecherin sagt nun aber außerdem noch: "Wir konzentrieren uns voll und ganz auf die Schaffung eines zukunftsfähigen Champions in den Bereichen Unterhaltung und Handel und machen gute Fortschritte mit der Produktion lokaler Inhalte, der Einführung unserer Streaming-Plattform Joyn und neuen Monetarisierungsstrategien, beispielsweise Addressable TV." Wirklich euphorisch klingt das noch immer nicht. 

Update (21:20 Uhr): Wir haben den Artikel um das Statement von ProSiebenSat.1 ergänzt.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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