Umweltsau-Video © WDR
"Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau"

WDR löscht umstrittene "Umweltsau"-Satire nach Kritik

 

"Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau", singt ein Kinderchor in einem Video, das der WDR als Satire verstanden wissen will - und zog viel Kritik auf sich. Weil einige gar vermuteten, der Sender habe die Kinder instrumentalisiert. Jetzt wurde das Video gelöscht.

von Alexander Krei
28.12.2019 - 12:02 Uhr

Kurz vor Weihnachten veröffentlichte der WDR ein Video, in dem ein Dortmunder Kinderchor eine ganz eigene Version des Liedes "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" zum Besten gibt. So singen die Kids beispielsweise: "Meine Oma fährt mit 'nem SUV beim Arzt vor, überfährt dabei zwei Opis mit Rollator". Oder: "Meine Oma fliegt nicht mehr, sie ist geläutert - stattdessen macht sie jetzt zehnmal im Jahr ’ne Kreuzfahrt." Im Refrain heißt es zudem immer wieder: "Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau".


Was nach Auffassung des Radiosenders WDR 2 als Satire auf die "zuweilen hysterische Klimadiskussion" gemeint war, fanden viele allerdings überhaupt nicht lustig, wie zahlreiche Reaktionen in den sozialen Netzwerken zeigten. Mit dem Hashtag "#Umweltsau" schaffte es die Aktion jetzt sogar an die Spitze der deutschen Twitter-Trends. Immer wieder wurde dabei der Vorwurf geäußert, der WDR instrumentalisiere die Kinder ideologisch.

Auch Politiker äußerten sich irritiert und kritisierten den WDR für die Aktion. Inzwischen hat sich der WDR dazu entschieden, das Video wieder zu löschen. Die Satire habe "sehr unterschiedliche Reaktionen ausgelöst", erklärte der Sender in einer Stellungnahme. "Dies ist im besten Falle auch Sinn einer Satire, es handelt sich ja nicht um einen journalistischen Kommentar, sondern um die Zuspitzung eines Themas."

Und weiter: "Betroffen macht uns allerdings der Vorwurf, die beteiligten Kinder seien möglicherweise 'instrumentalisiert' worden. Dies ist absolut nicht der Fall, trotzdem haben wir uns entschlossen, das Video zu löschen, da schon die Mutmaßung, WDR 2 hätte die Kinder des Chores instrumentalisiert, für die Redaktion unerträglich ist."

Update (28. Dezember 18:28 Uhr): Als Reaktion auf die Diskussion sendete WDR 2 am Samstag eine Spezial-Sendung mit Publikumsbeteiligung an, in der sich WDR-2-Chef Jochen Rausch stellvertretend für die Redaktion den Fragen der Hörerinnen und Hörer stellte. "Ich kann den Ärger und die verletzten Gefühle vieler Menschen nachvollziehen und bedauere das. Ich möchte mich gerne in einer sachlichen Diskussion über das Thema mit den Kritikern auseinandersetzen", sagte Rausch.

Zu Wort meldete sich auch WDR-Intendant Tom Buhrow. "Das Lied war ein Fehler", räumte er ein. Buhrow rief aus einem Krankenhaus an, in dem seinen Aussagen zufolge seit Heiligabend sein 92-jähriger Vater liegt. "Er ist keine Umweltsau", sagte der Intendant mit Blick auf seinen Vater. "Er hat sein Leben lang hart gearbeitet und versucht anständig zu leben." Ihm selbst gehe es beim WDR darum, das Miteinander zu stärken, erklärte Buhrow und versprach, "einen Beitrag zu einem besseren Klima in unserem Land" zu leisten.

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