WDR-Intendant Tom Buhrow © WDR/Herby Sachs
Tom Buhrow über Umweltsau-Video

"Man wird doch noch mal Entschuldigung sagen dürfen"

 

Weil der WDR das vieldiskutierte Umweltsau-Video löschte und Intendant Tom Buhrow sich schnell bei Kritikern entschuldigte, wurde ihm vorgeworfen, vor rechten Trollen eingeknickt zu sein. Buhrow bestreitet das nun und verteidigt seine Entscheidung.

von Timo Niemeier
03.01.2020 - 13:15 Uhr

WDR-Intendant Tom Buhrow hat dem "Spiegel" ein Interview gegeben und darin erklärt, warum er es nach wie vor für richtig hält, dass das umstrittene Umweltsau-Satirevideo gelöscht wurde. Buhrow entschuldigte sich nach der Entfernung des Videos auch öffentlich. Dem WDR-Intendanten wurde daraufhin vorgeworfen, vor rechten Trollen eingeknickt zu sein. Aus dieser Ecke wurde die Kritik am Video nämlich anfangs angefacht. "Bin ich nicht", antwortet Buhrow auf die Frage, ob er vor Rechts eingeknickt sei. Solche Leute könne man gar nicht bremsen und vor ihnen mache er seine Entscheidungen auch nicht abhängig. 


Es sei nicht das erste Mal, dass man mit entsprechenden Reaktionen aus dem rechten Umfeld zu tun habe, erklärt Buhrow im "Spiegel". Der WDR-Intendant: "Bei diesem und ähnlichen Anlässen gibt es oft auch eine Instrumentalisierung von rechts. Wir konnten die Mechanismen erkennen, aber wir konnten auch unterscheiden zwischen dem, was orchestriert ist, und dem, was echte Gefühlsäußerungen von ansonsten wohlmeinenden Hörern sind. Und da hatten wir wirklich Hunderte Seniorinnen und Senioren und deren Enkel am Telefon." Es sei sofort klar gewesen, dass diese Menschen nicht Teil "einer orchestrierten Sache" gewesen seien. 

Man könne nicht einfach so tun, als ob es nicht zählen würde, wenn sich ein großer Teil des Publikums angegriffen fühle, so Buhrow. "Soll ich denen sagen: Sie sitzen einer rechten Instrumentalisierung auf, und Ihre Gefühle sind deshalb irrelevant? Wir können uns doch nicht hinter der Satirefreiheit verstecken und sagen: Wir haben recht, lieber Hörer, und dass du so empfindest, das ist eben falsch."

Im Zuge des Umweltsau-Videos wurde auch ein freier Mitarbeiter des WDR von Rechtsradikalen bedroht, diese tauchten sogar vor dessen Privatwohnsitz auf. "Tom Buhrow muss sich der Frage stellen, ob er mit seiner eilfertigen redaktionellen Distanzierung für den Beitrag nicht all denen Oberwasser gegeben hat, die nicht auf den Austausch von Argumenten, sondern auf das Mundtotmachen kritischer Journalisten aus sind", kritisierte unter anderem der DJV. 

Buhrow sagt nun im "Spiegel", ihm komme die gesamte Debatte "etwas konstruiert" vor. "Man wird doch noch mal Entschuldigung sagen dürfen, ohne dass einem gleich Zensur vorgeworfen wird." Man habe jede Woche Beiträge, die kontrovers seien. Es müsse sich niemand Gedanken machen, dass der Sender nicht mehr hinter seinen Mitarbeitern stehe, wenn es hart auf hart komme. Neue Richtlinien für Satire wolle er nicht setzen, es sei immer eine Einzelfallentscheidung.

Satire dürfe im WDR auch weiterhin wehtun, sagt der Intendant. "Aber Satire muss vor allem den Mächtigen wehtun. In diesem Fall aber hat sich eine Gruppe von Menschen an den Pranger gestellt gefühlt. Ob das jetzt übersensibel war oder nicht, ist unerheblich." Die "Spiegel"-Journalisten fragen Buhrow auch nach dem Unterschied zwischen dem Umweltsau-Video und dem Ärzte-Song "Männer sind Schweine". Buhrow erklärt ihn so: "Bei dem einen ist klar von der ersten Zeile an erkennbar, dass es sich um ein provozierendes Lied handelt. Das andere ist ein missglücktes Satirevideo, das viele Menschen verletzt hat." Er habe noch von keinem Mann einen Anruf bekommen, weil er sich wegen "Männer sind Schweine" beleidigt gefühlt habe, so Buhrow.

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