Rund um den Jahreswechsel sorgte Richard Gutjahr für Aufmerksamkeit. In einem Offenen Brief an den BR-Intendanten Ulrich Wilhelm warf er diesem vor, ihn in den vergangenen Jahren allein gelassen zu haben, als er immer wieder aus dem Netz von rechts angefeindet wurde (DWDL.de berichtete). Zugleich stand der Vorwurf der Lüge im Raum. "Dass der Intendant und seine engsten Mitarbeiter später versucht haben, das Kontrollgremium des Bayerischen Rundfunks zu täuschen und hinter verschlossenen Türen immer wieder die Wahrheit zu verbiegen, kann ich so nicht stehen lassen", erklärte der Journalist, der mehr als 20 Jahre lang fester freier Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk war.

Die Reaktion des Senders ließ vor einer Woche nicht lange auf sich warten. "Der BR weist insbesondere den Vorwurf der Lüge und Täuschung durch den Intendanten strikt zurück", erklärte ein Sprecher. Jetzt äußerte sich auch der Rundfunkratsvorsitzende Lorenz Wolf und stellte sich hinter den Intendanten. Die Geschäftsleitung des Senders habe, wie er wisse, den Fall des mit Hass und Drohungen konfrontierten Journalisten "sehr ernst genommen", wird Wolf von der "Süddeutschen Zeitung" zitiert.

Er selbst habe sich "in den vergangenen drei Jahren sehr intensiv mit der im Netz entstandenen Hetze und den daraus für Herrn Gutjahr und den BR entstandenen Probleme beschäftigt". Daher wisse er, "dass der BR mehr getan hat, als rechtlich geboten war. Dass Herr Gutjahr sich etwas anderes gewünscht hätte", sei ihm "ebenfalls bewusst". Wolf erklärte, er sei sich mit dem Intendanten einig darin gewesen, "dass der BR Herrn Gutjahr auf jeden Fall Unterstützung zukommen lassen muss - auch im Hinblick auf entstehende Kosten". Die Schwierigkeit habe dabei "von Anfang an in den Grenzen, die dem beitragsfinanzierten BR gesetzt sind".

Gutjahr hatte in seinem Blogpost erklärt, lange keine Unterstützung vom BR erhalten zu haben. "Erst als ich mich in der Folge an den Ombudsmann sowie an den Rundfunkratsvorsitzenden des BR wandte, ließen Sie mir finanzielle Beihilfe zukommen, eine einmalige Zahlung, weniger als ein Monatsgehalt", so der Journalist. "Die Art und Weise, wie Wilhelm sich gegenüber ihm und seiner Familie verhalten und zudem versucht habe, "die Rundfunkräte für dumm zu verkaufen" lasse nur einen Schluss zu: "Sie und Ihre Berater haben die Wucht des digitalen Wandels noch immer nicht verstanden", so Gutjahr an Wilhelm.

Nach mehreren Tagen hat sich Richard Gutjahr inzwischen auch in den sozialen Netzwerken wieder zu Wort gemeldet. "Danke für den vielen Zuspruch, den ich in meiner Abwesenheit erhalten habe", schrieb er auf Twitter. "Eure ermunternden Worte und Diskussionsbeiträge haben mich darin bestärkt, dass es wichtig war, diese Debatte anzustoßen. Jetzt lasst uns bitte nach vorne schauen und gemeinsam an Lösungen arbeiten." Das Wort "gemeinsam" hat Gutjahr dabei unterstrichen.

Mehr zum Thema